Suche nach Standort

Endlager könnte in jedem Bundesland entstehen

Die Kriterien sind so formuliert, dass völlig offen ist, in welchem Bundesland die abgebrannten Brennelemente letztlich gelagert werden sollen. Foto: Jochen Lübke/Archiv
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Die Kriterien sind so formuliert, dass völlig offen ist, in welchem Bundesland die abgebrannten Brennelemente letztlich gelagert werden sollen.

Berlin - Es waren langwierige Verhandlungen. Jetzt hat die Endlagerkommission einen Bericht vorgelegt, der bei der Suche nach einem Endlager für Atommüll helfen soll. Bis zur Inbetriebnahme der Lagerstätte werden noch über 30 Jahre vergehen.

Die Endlagerkommission des Bundestages hat sich auf Empfehlungen für die Suche nach einem Standort zur Lagerung von hoch radioaktivem Atommüll geeinigt. Der Abschlussbericht wurde mit großer Mehrheit angenommen.

Die zweijährige Arbeit der Kommission endete in der Nacht nach einem letzten etwa dreizehnstündigen Beratungsmarathon. Die Kriterien, die das aus Abgeordneten, Wissenschaftlern und Verbandsvertretern zusammengesetzte Gremium vorlegte, sind so formuliert, dass völlig offen ist, in welchem Bundesland die abgebrannten Brennelemente aus den Kernkraftwerken letztlich gelagert werden sollen.

Klagemöglichkeiten eingeräumt

Versuche einzelner Kommissionsmitglieder, die Anforderungen so zu fassen, dass eine Lagerung in Salzgestein oder Granitgestein von vorneherein ausgeschlossen wäre, wurden von der Mehrheit abgelehnt. Eine Kompromissformel wurde gefunden, die Anwohnern, Gemeinden und anerkannten Umweltverbänden in verschiedenen Phasen der Standortauswahl Klagemöglichkeiten einräumt. Das war unter anderem den Grünen wichtig gewesen.

Die Kommission hätte ursprünglich schon Ende 2015 mit ihrer Arbeit fertig sein sollen. Sie beschloss dann aber eine Verlängerung um ein halbes Jahr.

Tobias Münchmeyer, Atom-Experte bei Greenpeace sagte, der Bericht sei „kontaminiert“ durch das Wort „Gorleben“. Die Bundesregierung solle das Standortauswahlgesetz so überarbeiten, dass eine ernst gemeinte alternative Endlagersuche mit breiter Öffentlichkeitsbeteiligung ermöglicht werde. Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel bemühte sich, den positiven Aspekt herauszustreichen. „Die jahrzehntelange Vorfestlegung auf Gorleben ist vom Tisch“, sagte der Grünen-Politiker.

Auf Grundlage der Empfehlungen der Kommission sollen Bundestag und Bundesrat die Kriterien gesetzlich festlegen. Erst danach kann die wissenschaftliche Untersuchung möglicher Standorte für ein Endlager für abgebrannte Brennelemente aus den Kernkraftwerken beginnen.

Heftige Diskussionen gab es in der letzten Sitzung um den Salzstock Gorleben. Klaus Brunsmeier von der Umweltorganisation BUND wollte in den Bericht den Satz einfügen: «Angesichts der Geschichte des Standorts wäre ein solches Vorhaben politisch nicht durchsetzbar.» Dies wurde jedoch abgelehnt.

Wie sicher sind die Einlagerungshohlräume?

Auch um die Frage, wie mächtig das Gestein sein muss und wie durchlässig es sein darf, damit dort die Atommüll-Behälter unterirdisch gelagert werden können, wurde lange gerungen. Sicherheitshalber wurde beschlossen, dass im unmittelbar um die Einlagerungshohlräume liegenden Gestein bei Temperaturen von bis zu 100 Grad keine negativen Veränderungen riskiert werden dürfen. Zur Temperaturfrage sei weitere Forschung notwendig.

Die Kommission sprach sich außerdem für die gesetzliche Einführung eines generellen Exportverbots für hoch radioaktive Abfälle aus.  

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) erwartet, dass das Endlager 2050 in Betrieb genommen wird. Einige Mitglieder der Kommission halten das für unrealistisch. Schon jetzt steht fest, dass es notwendig werden wird, die Genehmigungen für Zwischenlager zu verlängern.

Unterdessen gehen die Debatten um die Schließung des Akw Fessenheim weiter.

dpa

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Bagger sind beim Abriss des Kernkraftwerkes in Arneburg im Einsatz. Foto: Jens Wolf/Archiv
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Ein Bagger reißt im AKW Neckarwestheim einen Zellenkühlturm ab. Der Rückbau begann im Jahr 2012. Foto: Franziska Kraufmann/Archiv
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Die beiden Blöcke des Kernkraftwerks Gundremmingen sollen 2017 und 2021 abgeschaltet werden. Foto: Stefan Puchner/Archiv
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Japanische Journalisten filmen im vor mehr als zwei Jahrzehnten stillgelegten Kernkraftwerk Lubmin den Abbau eines Dampferzeugers. Foto: Bernd Wüstneck/Archiv
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In der früheren Maschinenhalle des Kernkraftwerkes Rheinsberg lagern Abrissmaterialien. Foto: Bernd Settnik
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