Proteste in Washington

Trump-Regierung wollte Mikrowellen-Waffe gegen Demonstranten einsetzen lassen

Damit US-Präsident Donald Trump ein Foto mit Bibel vor der Kirche machen kann, war die Regierung offenbar bereit, experimentelle Waffen gegen die eigene Bevölkerung einzusetzen.

  • Ein Whistleblower offenbart vor dem US-Kongress Details zu dem Umgang mit Demonstranten in Washington D.C., der Hauptstadt der USA*.
  • Die Regierung von Donald Trump soll den örtlichen Sicherheitskräften den Einsatz von experimentellen Waffen empfohlen habe.
  • Hintergrund des Einsatzes waren die Proteste gegen Polizeigewalt in den USA.

Washington - Die Regierung von US-Präsident Donald Trump soll im Juni 2020 den Einsatzkräften der Polizei in Washington D. C. die Benutzung einer auf Mikrowellen-Strahlung basierenden „Wärmestrahl“-Waffe angedient haben. Besagte Waffe wurde für das US-Militär entwickelt, von diesem aber aufgrund ethischer Bedenken bislang nicht eingesetzt.

Die Bilder gingen um die Welt. Es war der 1. Juni 2020, und ein entschlossener US-Präsident war unterwegs vom Weißen Haus zur nahe gelegenen St. John-Kirche. Dort angekommen hielt Trump eine Bibel in die Höhe und posierte mit ernstem Gesichtsausdruck für die Kameras. Begleitet wurde Trump von hochrangigen Generälen und Mitarbeiterinnen des Weißen Hauses, unter anderem von seiner Tochter Ivanka Trump, deren Idee das kleine Fotoshooting vor der Kirche gewesen sein soll.

45. Präsident der Vereinigten Staaten:Donald Trump
Partei:Republikanische Partei
Geboren:14. Juni 1946 (Alter 74 Jahre), Jamaica Hospital Medical Center, New York City, New York, Vereinigte Staaten
Vermögen:2,5 Milliarden USD (2020)
Ehepartnerinnen:Melania Trump (verh. 2005), Marla Maples (verh. 1993–1999), Ivana Trump (verh. 1977–1992)
Kinder:Ivanka Trump, Barron Trump, Donald Trump Jr., Tiffany Trump, Eric Trump
Nichte:Mary L. Trump

Donald Trump marschiert zur Kirche, während wegen des Todes von George Floyd demonstriert wird

Doch damit die Präsidentenkohorte überhaupt den Weg vom Amtssitz zur Kirche bewältigen konnte, mussten hunderte Demonstranten von den Sicherheitskräften zurückgedrängt werden. Die Proteste hatten sich an dem gewaltsamen Tod von George Floyd in Polizeigewahrsam entzündet und richteten sich gegen Polizeibrutalität in den ganzen USA.

Nach dem Tod von George Floyd - US-Präsident Donald Trump hält eine Bibel hoch, während er die St. John‘s Episcopal Church besucht.

Mehrere hundert Demonstranten fanden sich an besagtem Tag am „Lafayette Square“-Park ein, der nördlich des Weißen Hauses liegt und damit zwischen dem Amtssitz von Donald Trump und der Kirche. In einer teils chaotischen Aktion vertrieben Sicherheitskräfte, bestehend aus Polizisten, Parkwächtern, Bundesbeamten und sogar US-Soldaten, die Protestler. Dafür setzten sie Blendgranaten und Tränengas gegen die Demonstranten ein.

Donald Trump: Regierung lässt massenweise Munition transferieren

Stunden vor dem Einsatz begann das Verteidigungsministerium wohl auf Befehl der Trump-Regierung, 7.000 Schuss Munition an die örtlichen Einsatzkräfte zu transferieren. Diese sollten nach Wunsch der Administration mit Waffen ausgerüstet werden, die für die „Kontrolle größerer Menschenansammlungen“ entwickelt wurden, aber bislang als zu experimentell gelten, um selbst in Kriegsgebieten eingesetzt zu werden. Das berichtet die „Washington Post“ und beruft sich dabei auf Adam D. DeMarco, Major der Nationalgarde in Washington D.C.

Konkret sollen Bundesbeamte des Verteidigungsministeriums den örtlichen Polizeidienststellen ein Langstrecken-Akustik-System angeboten haben, das im englischen „Long Ranges Acoustic Device" genannt und LRAD abgekürzt wird. Das LRAD kann sowohl als hocheffizientes Megaphon zur Kommunikation mit Menschenmassen verwendet werden, aber auch als Abschreckungswaffe.

Donald Trump wollte Wärmestrahl-Waffe bereits 2018 einsetzen lassen - gegen Migranten an der Grenze

Darüber hinaus soll den Sicherheitskräften auch eine sogenannte „Wärmestrahl-Waffe“ angeboten worden sein. Die auf englisch „Active Denial System“ genannte und mit ADS abgekürzte Waffe basiert auf einer Art Mikrowellen-Technologie. Die Strahlung erhitzt Gewebe und Wasser auf große Entfernung und löst laut Washington Post bei den Getroffenen das Gefühl aus, „ihre Haut würde verbrennen“.

Adam D. DeMarco, Major der Nationalgarde in Washington D.C., vor dem Ausschuss des US-Kongresses, der sich mit dem Polizeieinsatz im Lafayette Square Park auseinandersetzt.

Entwickelt wurde die Waffe im Jahr 2000 für das US-Militär. Zum Einsatz kam sie offiziell nie, unter anderem wegen ethischer Bedenken seitens des Pentagon. Donald Trump wiederum wollte die Waffe 2018 gegen Migranten an der mexikanischen Grenze einsetzen, was wiederum von der damaligen Chefin der Heimatschutzbehörde, Kirstjen Nielsen, verhindert wurde.

Wärmestrahl-Waffen gegen Protestler - Regierung von Donald Trump äußert sich bislang nicht

In einer E-Mail wiederum soll nun aber ein hochrangiger Mitarbeiter der Militärpolizei das ADS-System angepriesen haben als eine Waffe, die „unseren Truppen eine Möglichkeit gibt, die sie jetzt noch nicht haben, nämlich potenziellen Gegnern auf einer großen Distanz zu begegnen - in einer nicht-tödlichen Weise.“ Das ADS könne ein „Individuum umgehend dazu zwingen, mit gefährdendem Verhalten aufzuhören“. Aus diesem Grund, so heißt es in der E-Mail weiter, sei das ADS für den Einsatz gegen Demonstranten, Journalistinnen und Aktivisten besonders gut geeignet.

Weder die Parkwächter des Lafayette Square Parks, noch die Regierung von Donald Trump oder das ihm unterstellte Verteidigungsministerium haben sich bislang dazu geäußert. Bis heute aber streitet Trump, meist in Person von seiner Pressesprecherin Kayleigh McEnany, den Einsatz von Tränengas und Blendgranaten bei der Räumung des Parks ab.

Donald Trump besucht eine Kirche - US-Kongress richtet Ausschuss ein

Die Ereignisse rund um den gewaltsamen Einsatz gegen Demonstranten in Washington sind mittlerweile Thema einer Untersuchung des US-Kongresses in Washington. Dabei sollen sowohl die Taktiken, die von den einzelnen Sicherheitskräften bei der Räumung des Parks angewandt wurden, aufgearbeitet, als auch die Frage beantwortet werden, welche Rolle Donald Trumps Besuch der St. John Kirche dabei gespielt hat. Konkret geht es um den Vorwurf, der US-Präsident habe Demonstranten gewaltsam entfernen lassen, damit er sein Foto mit Bibel in der Hand vor der Kirche machen könne. (Von Daniel Dillmann) *fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © BRENDAN SMIALOWSKI

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