Handelskrieg

USA und China schließen Handelsabkommen: Trump brüskiert Gegenüber bei Zeremonie - doch der geht noch weiter

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Der US-Präsident spricht, der chinesische Vize muss lächelnd warten - der chinesische Präsident ist gar nicht erst anwesend für die Unterzeichnung des ersten Handelsabkommens zwischen USA und China.

Nach zwei Jahren Ringen und einem Handelsstreit samt Strafzoll-Spirale unterzeichnen Donald Trump und der chinesische Vize-Regierungschef ein erstes Handelsabkommen. Doch die Zeremonie ist getrübt

  • China und die USA unterzeichnen ein Handelsabkommen
  • Das Handelsabkommen gilt als Meilenstein nach zwei Jahre andauernden, zähen Verhandlungen
  • Experten schätzen das Abkommen lediglich als Waffenruhe ein

Update 23.00 Uhr: Das Handelsabkommen zahlt sich für Trump an der amerikanischen Börse aus. Sowohl der Leitindex Dow Jones Industrial als auch der marktbreite S&P 500 hatten bereits im frühen Handel und damit vor der Besiegelung des Deals Höchststände erklommen, bevor sie etwas an Fahrt verloren und moderat im Plus schlossen. Der Dow gewann am Ende 0,31 Prozent auf 29 030,22 Punkte. Seine Bestmarke liegt nun bei knapp 29 128 Punkten.

Handelsabkommen zwischen USA und China: Trump lobt und lobt und lobt - vor allem sich selbst

Washington - Nach fast zweijährigem Handelsstreit haben die USA und China „Phase Eins“ ihres dreiteiligen Handelsabkommens unterzeichnet. US-PräsidentDonald Trump und der chinesische Vize-Regierungschef Liu He setzten am Mittwoch bei einer Zeremonie im Weißen Haus ihre Unterschriften unter das Handelsabkommen. Trump sprach von einem „bedeutenden Schritt" für ein künftiges „historisches Handelsabkommen" zwischen beiden Ländern - und schaffte es dabei, einen ganz anderen Rekord zu brechen und dabei seinen Handelspartner zu brüskieren.

Mehr als 40 Minuten dauert seine Lobhudelei auf sich selbst und die führenden Wirtschaftsvertreter der USA, die er sämtlichst namentlich begrüßte. Insgesamt musste der chinesische Regierungsvize fast eine Stunde danebenstehen, lächeln und warten, bis er selbst - wesentlich weniger lang - zu Wort kam und das Abkommen schließlich unterzeichnen konnte. Die gesamte Zeremonie teilte der amerikanische Präsident auch auf Twitter:

Allerdings sollte das Handelsabkommen die Sternstunde von Trumps Amtszeit werden - und angesichts des Amtsenthebungsverfahrens braucht er so eine Sternstunde umso mehr. Bitter, dass einer seiner wichtigsten Vertreter sich aus der Zeremonie genau deswegen verabschieden musste: Die Abstimmung war auf die gleiche Zeit angesetzt.

Handelsabkommen zwischen USA und China: Trump feiert ein historisches Ereignis

Trump konnte sich einen Seitenhieb nicht verkneifen, dass dieses Abkommen schon vor 25 Jahren hätte passieren müssen und sagte: „Heute korrigieren wir die Fehler der Vergangenheit.“ Tatsächlich ist dieses Abkommen aber nur ein Teil von drei zu unterzeichnenden und enthält kaum eine der wichtigen Streitfragen.

So sollen die bestehenden US-Strafzölle auf chinesische Importe erst nach Abschluss eines weiteren Handelsabkommens aufgehoben werden. Die Strafzölle blieben weiter bestehen, damit die USA in den kommenden Verhandlungen mit China zur zweiten Phase eines Handelsabkommens weiterhin Trümpfe hätte, sagte Trump im Weißen Haus. Die Strafzölle von 25 Prozent auf Waren im Wert von rund 250 Milliarden Dollar bestehen seit 2018. Weitere Zölle in Höhe von 15 Prozent auf chinesische Waren im Wert von120 Milliarden US-Dollar sollen allerdings halbiert werden.

Handelsabkommen: China und USA machen gegenseitig Zugeständnisse

China verpflichtet sich in dem Abkommen, seineImporte aus den USA deutlich zu erhöhen. Zudem soll der Vertrag Probleme beim Schutz von geistigem Eigentum und den von China erzwungenen Technologietransfers lösen. Auch sollen US-Finanzdienstleister besseren Zugang zu Chinas Markt bekommen.

Washington zog zudem unter anderem den Vorwurf zurück, dass China seine Währung manipuliere, um sich im internationalen Wettbewerb Vorteile zu verschaffen. China verpflichtet sich mit dem Abkommen nach US-Angaben, seine Importe aus den USA innerhalb von zwei Jahren um 200 Milliarden US-Dollar zu erhöhen. Auch nach 2021 sollen Importe weiter steigen. Trump hatte den Handelskonflikt ursprünglich begonnen, weil China weit mehr in die USA exportiert als umgekehrt.

Rund 75 Milliarden der zusätzlichen Importe sollen US-Angaben zufolge auf Industrieprodukte entfallen, mindestens 40 Milliarden US-Dollar auf Agrarprodukte. Das würde US-Landwirten zugutekommen - einer wichtigen Gruppe für Trump mit Blick auf die Wahl im November. Die meisten Experten rechnen aber nicht damit, dass es vor der US-Wahl im November noch ein weiteres Handelsabkommen mit China geben wird.

USA und China unterzeichnen Handelsabkommen: Experten dämpfen Erwartungen

Die Trump-Regierung liefert sich seit fast zwei Jahren mit China einen erbitterten Handelsstreit, der auch die Weltwirtschaft in Mitleidenschaft zieht. Trump wirft China unfaire Handelspraktiken zulasten von US-Unternehmen und den Diebstahl geistigen Eigentums vor. Er hatte deshalb eine Strafzollspirale in Gang gesetzt, die inzwischen einen großen Teil der Importe aus China in die USA betrifft. Peking reagierte mit Gegenzöllen. Die Unterzeichnung der Vereinbarung vom Mittwoch bedeutet eine deutliche Entspannung in dem Handelsstreit. Experten sprechen aber lediglich von einer „Waffenruhe", weil viele Fragen offen bleiben.

Der Politikwissenschaftler Christian Hacke sagte in der Live-Übertragung von ntv, Trump wirke in den Verhandlungen mit China wie ein Amateur-Mafiosi. „Er möchte gerne hart rüberkommen“, sagte Hacke. Aber er werde vom chinesischen Präsidenten gar nicht ernst genommen: Tatsächlich. Während Trump vor der Unterzeichnung schwafelte, war derchinesische Regierungschef gar nicht anwesend.

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