Mordfall Susanna

Diplomatisches Chaos nach Übergabe von Ali B. - Strafanzeige gegen Bundespolizei-Chef

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Todesfall Susanna - Tatverdächtiger kommt in U-Haft

Die irakische Regierung erhebt Vorwürfe gegen Berlin: Die Übergabe von Ali B. durch die kurdischen Behörden sei nicht rechtens gewesen. Das sieht auch ein Karlsruher Anwalt so.

Berlin/Erbil/Bagdad - Als Dieter Romann, der Präsident der Bundespolizei, in eine Linienmaschine nach Erbil stieg, ahnte er da bereits, welches diplomatische Wirrwarr er erzeugen würde? In der kurdischen Regionalhauptstadt im Norden des Iraks holte der Chef des Bundespolizei Ali B. - den Tatverdächtigen im Mordfall Susanna F. - höchstpersönlich bei den kurdischen Behörden ab. Ali B. war zuvor mit seiner Familie von Deutschland per Flugzeug in den Irak geflohen. Von der Bild-Zeitung wurde Romann für sein Engagement als „Helden-Polizist“ gefeiert

Dieter Romann, Präsident der Bundespolizei.

Zunächst hieß es aus dem Bundesinnenministerium, Seehofer hätte von der Aktion nichts gewusst. Später musste diese Aussage korrigiert werden: "Der Präsident des Bundespolizeipräsidiums Romann hat Minister Seehofer am Samstagnachmittag aus Arbil angerufen und über die bevorstehende Überstellung informiert. Herr Minister hat sich durch ihn die Rechtmäßigkeit der Maßnahme bestätigen lassen“, hieß es in einer Stellungnahme. 

Lesen Sie hier:  Mordverdächtiger im Fall Susanna wohl älter

Nun hat sich die irakische Regierung zu Wort gemeldet. Sie kritisiert, dass die Übergabe nicht rechtens gewesen sei. Es gebe kein Auslieferungsabkommen zwischen dem Irak und Deutschland, teilte das Außenministerium in Bagdad am Mittwochmorgen mit. Die kurdischen Behörden hätten also über den Kopf Bagdads hinweg gehandelt. Denn: Für Auslieferungen ist nur die Zentralregierung des Mittel-Ost-Staates befugt. 

Deutscher Anwalt klagt gegen Romann

Gegen Dieter Romann und alle anderen Bundespolizisten, die für die Übergabe Ali B.s nach Erbil flogen, hat nun außerdem der Karlsruher Anwalt Daniel Sprafke Strafanzeige erstattet: Wegen Freiheitsberaubung. Gegenüber Spiegel Online sagte Sprafke, die Maßnahmen gegen Ali B. hätten keine rechtliche Grundlage gehabt. „Ich empfinde das Vorgehen der Behörden in diesem Fall als unerträglich. Das darf man nicht hinnehmen", so Sprafke weiter.

Ermittler prüfen Aussagen von Ali B. im Fall Susanna

Ali B. auf dem Weg in die Untersuchungshaft. Foto: Hasan Bratic
Ali B. auf dem Weg in die Untersuchungshaft. Foto: Hasan Bratic © Hasan Bratic
Mit Fußfesseln wird Ali B. aus einem Helikopter zum Polizeipräsidium Westhessen gebracht. Foto: Boris Roessler
Mit Fußfesseln wird Ali B. aus einem Helikopter zum Polizeipräsidium Westhessen gebracht. Foto: Boris Roessler © Boris Roessler
Ali B. wird von Beamten aus einem Helikopter zum Polizeipräsidium Westhessen gebracht. Foto: Boris Roessler
Ali B. wird von Beamten aus einem Helikopter zum Polizeipräsidium Westhessen gebracht. Foto: Boris Roessler © Boris Roessler
"Spuren im Sand verwehen, Spuren im Herzen bleiben" steht auf einem Schild im Flur des Hauses, in dem Susannas Mutter lebt. Foto: Boris Roessler
"Spuren im Sand verwehen, Spuren im Herzen bleiben" steht auf einem Schild im Flur des Hauses, in dem Susannas Mutter lebt. Foto: Boris Roessler © Boris Roessler
Junge Frauen legen an einer provisorischen Gedenkstätte für die getötete Susanna F. Blumen nieder. Foto: Boris Roessler
Junge Frauen legen an einer provisorischen Gedenkstätte für die getötete Susanna F. Blumen nieder. Foto: Boris Roessler © Boris Roessler

Für die Bundespolizei und die Bundesregierung sei die Abholung Ali B.s dagegen rechtlich eine Abschiebung gewesen. Die kurdischen Autoritäten hätten Ali B. regelrecht loswerden wollen. Seit Sonntag sitzt Ali B. in Untersuchungshaft. Den Mord an Susanna F. hat der Tatverdächtige bereits gestanden.

Auch interessant: Ein Geistlicher und ein Milizenführer: Schiitische Regierung im Irak steht

bah

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