Selbständige sollen einzahlen

Die Rente ist sicher!  – Aber erst mit 70?

Kaum ist die Bundesregierung vereidigt, beginnt die Rentendiskussion. Experten fordern die Rente erst mit 70 Jahren. Es gibt aber auch Alternativen.

Berlin  – Der ehemalige Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung Norbert Blüm (CDU) startet 1986 eine Werbekampagne. Der Slogan: Denn eins ist sicher: Die Rente. Fortan wiederholte Blüm gebetsmühlenartig den Satz: „Die Rente ist sicher“. Seit Mitte der 1980er-Jahre zieht sich dieser Satz wie ein roter Faden durch die Bundespolitik. Um dem Slogan gerecht zu werden, fordern einige Experten die Rente mit 70. Die gute Nachricht: Erst ab 2031 soll sie kommen. Doch es gibt auch andere Lösungen.

Renteneintrittsalter Deutschland65 Jahre (Stand 2017)
Portugal66 Jahre
Ungarn63 Jahre
Belgien 60 Jahre

Die regierenden Parteien konnten sich in ihrem Koalitionsvertrag nicht auf Rentenkürzungen oder ein höheres Renteneintrittsalter einigen. Trotzdem haben sie Pläne. Einige Wochen nach dem Amtsantritt der neuen Ampel-Regierung hat sich die Chefin der Deutschen Rentenversicherung (DRV), Gundula Roßbach, in einem Interview nun zu dem Thema geäußert. Die Politik müsse die Entwicklung in der kommenden Legislaturperiode „gut beobachten“, sagte sie der Bild-Zeitung. Bereits jetzt dürfen Rentner mehr dazu verdienen.

Roßbach sprach sich für eine Debatte über ein späteres Renteneintrittsalter nach 2031 aus. „Das Umlageverfahren hat sich in den vielen Krisen in der Vergangenheit als sehr anpassungsfähig erwiesen und in der Tat müssen künftige gesellschaftliche Entwicklungen zu Anpassungen führen“, sagte sie. Ihr ist klar, dass weitere Parameter wie Gesundheit eine Rolle spielen müssen. Gerade bei körperlichen Tätigkeiten kann das Renteneintrittsalter nicht beliebig weiter nach hinten verschoben werden. Aktuell steigt von 2012 bis 2031 das Renteneintrittsalter stufenweise von 65 auf 67 Jahre.

Rente: Zahl der 67-Jährigen steigt deutlich

Die (finanzielle) Lage des Rentensystems wird sich vermutlich in den kommenden Jahren eher verschlechtern. Der Grund: Die ersten Männer und Frauen aus den sogenannten Baby-Boomer-Jahren erreichen das Rentenalter. Und die Zahl der Erwerbstätigen wird deutlich sinken. Laut Statistischem Bundesamt wird die Zahl der 67-Jährigen zwischen 2020 und 2035 um 22 Prozent von 16 Millionen auf voraussichtlich 20 Millionen steigen. Wer nicht bis 67 arbeiten will, kann eine vorgezogene Altersrente mit Abschlägen beantragen.

Nun sind Lösungen gefordert. Der Freiburger Ökonom und Rentenexperte Bernd Raffelhüschen schläg vor, dass das Rentenzugangsalter an die Lebenserwartung angepasst wird. „Wir können den Alten nicht sagen, dass sie jeden Tag, den sie länger leben, auch als Tag in Rente verbringen.“ Das sei nicht finanzierbar, so Raffelhüschen.

Ginge es nach dem Präsidenten des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall Stefan Wolf, dann sollte man nicht so lange warten. „Wir müssen zu den Menschen ehrlich sein: Wir werden das Renteneintrittsalter nicht bei 67 Jahren halten können“, sagte er schon im August. Und weiter: „Wir werden in den nächsten Jahren über ein Renteneintrittsalter von 69 bis 70 Jahren reden müssen.“

Gute Aussichten für Rentner: 2022 soll die Rente steigen. (Symbolbild)

Einfach das Rentenalter weiter nach hinten schieben funktioniert bedingt. Peter Bofinger, ehemaliger Wirtschaftsweise und Rentenexperte, schlägt vor, die Zahl der Einzahler zu erhöhen. In einem Interview mit dem „Focus“ schlug Bofinger vor, dass künftig auch Selbstständige und Beamte ihren Teil zur Rentenkasse beitragen sollten. Im Moment sind diese Gruppen vom System der Rentenversicherung ausgenommen.

Peter Bofinger sagte über seinen Vorschlag: „Es entlastet das Gesamtsystem sogar dauerhaft, weil es eine ganze Reihe von Selbstständigen gibt, die nicht ausreichend fürs Alter vorsorgen. Sie fallen – nach dem bisherigen Modell – im Alter dem Staat zur Last, der für sie die Grundsicherung bezahlen muss.“ Bofinger glaubt, dass ein höheres Renteneintrittsalter frühestens gegen Ende des laufenden Jahrzehnts notwendig sein wird. Daher gebe es keinen Grund für Aktionismus, so der Rentenexperte.

Für Idee von Bofinger kann sich auch Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) erwärmen. Dem Vorschlag „höheres Eintrittsalter“ lässt den Minister kalt. Deutschland habe bereits eines der höchsten Rentenalter in Europas, argumentiert der SPD-Politiker.  * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Thomas Warnack/dpa

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