Kommentar

Die Maskenpflicht muss bleiben!

Inzidenz runter, Maske auch? Jens Spahn hat ein Ende der Maskenpflicht gefordert. Ein Unding. Der Minister macht Wahlkampf auf dem Rücken vieler Ungeimpfter.

Hannover/Berlin – Ja, es ist Sommer. Und ja, die Inzidenzwerte rauschen weit runter in den Keller. Aber deswegen gleich die Maskenpflicht lockern? Wenn es nach Jens Spahn (CDU) geht, dann muss man eigentlich nicht mehr warten mit einer Aufhebung. Am Wochenende ist der Bundesgesundheitsminister mit einer entsprechenden Forderung vorgeprescht. Doch was soll das?

Virus:Coronavirus, COVID-19
Krankheitserreger:SARS-CoV-2
Vorkommen:Weltweit
Erster bekannter Fall:1. Dezember 2019

Der Vorschlag mag kurz vor Beginn der Sommerferien und dem monatelangen Lockdown vielen aus der Seele sprechen. Doch das zeigt vor allem eines: Statt sich nüchtern um die Eindämmung der Corona-Krise zu kümmern, rennt der ohnehin strauchelnde CDU-Mann Spahn* mit populistischen Vorschlägen potenziellen Wählern hinterher. Doch das ist kreuzgefährlich.

Corona-Regeln: Eine Lockerung der Maskenpflicht ist gefährlich und populistisch

Die Debatte, die einer der obersten Verantwortlichen in der Pandemie-Bekämpfung ohne große Not befeuert, kommt zu einer Unzeit. Es mag sein, dass angesichts der mittlerweile niedrigen Corona-Zahlen das Todesvirus unter freiem Himmel nicht gleich hinter jeder Ecke lauert*. Viele Länder, Städte und Gemeinden habe bereits die ganz strengen Maskenpflichten für Parks, beim Joggen oder auf Spielplätzen wieder abgeschafft. Doch das muss reichen. Denn gerade im Sommer kommen Menschen auch draußen wieder verstärkt zusammen – und damit steigt an vielen Orten nun einmal die Ansteckungsgefahr.

Angesichts niedriger Inzidenzen gibt es Forderungen nach Abschaffung der Maskenpflicht.

Wie schnell innerhalb weniger Tage die Inzidenzwerte auch wieder nach oben schießen können – das konnte man im vergangenen März bewundern. Spätestens seitdem muss jedem klar sein: Das Virus, insbesondere die neue Delta-Variante*, bleibt gefährlich. Insbesondere für die Millionen Deutsche, die noch nicht geimpft sind – übrigens auch, weil Spahn beim Auftreiben von Impfstoff im internationalen Vergleich nicht den besten Job gemacht hat.

Maskenregeln: Spahn und Kubicki laufen mit Forderung nach Aufhebung einer Wählergruppe hinterher

Geschützt vor einer Ansteckung ist hierzulande derzeit neben Vorerkrankten vor allem eine Gruppe: die Hochbetagten, die Senioren und Rentner, die zufällig jetzt im heraufziehenden Bundestagswahlkampf die größte Wählergruppe stellen. Ist die Forderung nach einer Lockerung der Maskenpflicht* also nur Zufall?

Wohl kaum.

Statt eine Gruppe zu bevorzugen und allen anderen eine falsche Sicherheit vorzugaukeln, sollten Politiker wie Spahn oder Wolfgang Kubicki* (FDP) lieber Solidarität mit denjenigen predigen, die den anderen ohne wirklich großes Murren beim Impfen den Vortritt gelassen haben.

Die Maskenpflicht bleibt ein einfaches und effektives Schwert im Kampf gegen das Coronavirus. Es schränkt den Alltag weit weniger ein, als das Reiseverbot, geschlossene Schulen, Kitas und Geschäfte. Wenn es stimmt, was alle Politiker sagen, dann sind zum Herbst alle Deutschen geimpft. Bis dahin ist es nicht zu viel verlangt, dass weiterhin Maske getragen wird. Es geht um wenige Wochen.

Dann kann die Maske fallen.

Aber auch erst dann.

Und nicht jetzt. * kreiszeitung.de, 24hamburg.de und fr.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa/picture alliance

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