Deutschland diskutiert über Sarrazin-Interview

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Sorgt mit einem Interview für Wirbel: Bundesbank-Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin (SPD).

Berlin - Ganz Deutschland diskutiert über ein umstrittenes Interview mit Bundesbank-Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin: Schürte er darin Hass gegen Ausländer - oder sprach er unangenehme Wahrheiten aus?

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Der frühere Berliner Finanzsenator hatte mit einem Interview in der Zeitschrift “Lettre International“ für Empörung gesorgt. In dem fünfseitigen Gespräch sagte das SPD-Mitglied unter anderem, eine große Zahl von Arabern und Türken in Berlin habe keine produktive Funktion außer für den Obst-und Gemüsehandel, und es werde sich vermutlich auch keine Perspektive entwickeln.

Skandal um Sarrazin: Das sind die umstrittenen Zitate

Bundesbank-Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin steht in der Kritik: In einem Interview für die Sonderausgabe der Kulturzeitschrift „Lettre International“ zum 20. Mauerfall-Jubiläum wetterte der eheamlige Berliner Finanzsenator Sarrazin gegen die Wirtschafts- und Migrationspolitik der Hauptstadt. © AP
Der Präsident der Bundesbank Axel Weber (Foto) legte Sarrazin aufgrund seiner Äußerungen den Rücktritt aus dem Vorstand nahe. Die Gewerkschaft ver.di bezeichnete diese als „rechtsradikal“. © dpa
Der Schriftsteller Ralph Giordano pflichtete Sarrazin inhaltlich bei, auch wenn er „andere Worte gewählt hätte“. Auch der frühere BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel unterstützte Sarrazin nachdrücklich. Wer das Interview ganz gelesen hätte, müsse der Analyse Sarrazins beipflichten, meint Henkel im Deutschlandfunk. © dpa
Liegt Sarrazin mit seinen Äußerungen völlig daneben? Oder sagt er die Wahrheit? Diese Über diese Frage diskutiert Deutschland derzeit.  © dpa
Wir zeigen die umstrittensten Passagen aus dem Gespräch. Das vollständige Interview mit Thilo Sarrazin lesen Sie im aktuellen Heft von „Lettre International“ (257 Seiten, 17 Euro). (Link zum Heft) © AP
„Eine großes Zahl an Arabern und Türken in dieser Stadt (Berlin, Anm. d. Red.), deren Anzahl durch falsche Politik zugenommen hat, hat keine produktive Funktion, außer für den Obst- und Gemüsehandel, und es wird sich vermutlich auch keine Perspektive entwickeln.“ © AP
„Wir haben ein schlechtes Schulsystem, das nicht besser werden wird. Berlin ist belastet von zwei Komponenten: der Achtundsechzigertradition und dem Westberliner Schlampfaktor. Es gibt auch das Problem, daß vierzig Prozent aller Geburten in der Unterschicht stattfinden.“ © AP
“Hier werden Trends verstärkt sichtbar, die ganz Deutschland belasten. So daß das Niveau an den Schulen kontinuierlich sinkt, anstatt zu steigen.“ © dpa
„Je niedriger die Schicht, um so höher die Geburtenrate. Die Araber und Türken haben einen zwei- bis dreimal höheren Anteil an Geburten, als es ihrem Bevölkerungsanteil entspricht. Große Teile sind weder integrationswillig noch integrationsfähig.“ © AP
“Die Lösung dieses Problems kann nur heißen: Kein Zuzug mehr, und wer heiraten will, sollte dies im Ausland tun. Ständig werden Bräute nachgeliefert: Das türkische Mädchen hier wird mit einem Anatolen verheiratet, der türkische Junge hier bekommt eine Braut aus einem anatolischen Dorf. Bei den Arabern ist es noch schlimmer.“ © dpa
„Meine Vorstellung wäre: generell kein Zuzug mehr außer für Hochqualifizierte und perspektivisch keine Transferleistungen mehr für Einwanderer. In den USA müssen Einwanderer arbeiten, weil sie kein Geld bekommen, und werden deshalb viel besser integriert.“ © dpa
„Es ist ein Skandal, daß die Mütter der zweiten, dritten Generation immer noch kein Deutsch können, es allenfalls die Kinder können, und die lernen es nicht wirklich. Es ist ein Skandal, wenn türkische Jungen nicht auf weibliche Lehrer hören, weil ihre Kultur so ist. Integration ist eine Leistung dessen, der sich integriert.“ © dpa
„Jemanden, der nichts tut, muß ich auch nicht anerkennen. Ich muß niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert.“ © dpa
„Das gilt für siebzig Prozent der türkischen und für neunzig Prozent der arabischen Bevölkerung in Berlin. Viele von ihnen wollen keine Integration, sondern ihren Stiefel leben. Zudem pflegen sie eine Mentalität, die als gesamtstaatliche Mentalität aggressiv und atavistisch ist.“ © dpa
„Die Türkei ist das Land, wo man heute noch bestraft wird, wenn man vom Völkermord an den Armeniern redet.“ © dpa
„Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate. Das würde mir gefallen, wenn es osteuropäische Juden wären mit einem um 15 Prozent höheren IQ als dem der deutschen Bevölkerung.“ © dpa
„Ich habe dazu keine Lust bei Bevölkerungsgruppen, die ihre Bringschuld zur Integration nicht akzeptieren, und auch, weil es extrem viel Geld kostet und wir in den nächsten Jahrzehnten genügend andere große Herausforderungen zu bewältigen haben.“ © dpa
„Wir haben in Berlin vierzig Prozent Unterschichtgeburten, und die füllen die Schulen und die Klassen, darunter viele Kinder von Alleinerziehenden. Wir müssen in der Familienpolitik völlig umstellen: weg von Geldleistungen, vor allem bei der Unterschicht.“ © AP

Sarrazin weiter: “Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert.“ Die Lösung des Problems könne nur heißen: kein Zuzug mehr..

Sie sind gegen Sarrazin

Bundesbank-Präsident Axel Weber hat seinem Vorstandskollegen Thilo Sarrazin wegen dessen abfälligen Äußerungen über Arme und Ausländer den Rückzug aus der Spitze des Instituts nahegelegt.

Der ehemalige SPD-Europaabgeordnete und türkische Unternehmer Vural Öger forderte nach dem Interview den Ausschluss Thilo Sarrazins aus der SPD.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband forderte Sarrazins Rücktritt aus dem Vorstand der Deutschen Bundesbank und warf ihm „Rassismus“ vor.

Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir hat Bundesbank- Vorstand Thilo Sarrazin wegen dessen abwertender Äußerungen über Türken und Araber indirekt den Rücktritt nahegelegt. “Wenn ich sowas in meiner Partei machen würde, auf diese Weise meiner Partei schaden würde, dann wäre klar, was die Konsequenz wäre: Ich könnte den Job nicht mehr machen.“

Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di bezeichnete Sarrazins Äußerungen als „rechtsradikal“ und warf ihm vor, dem Ansehen der Deutschen Bundesbank und den dort Beschäftigten zu schaden.

Der Vorstand der Türkischen Gemeinde in Deutschland forderte seinen Rücktritt aus dem Bundesbankvorstand. Rassismus und Menschenverachtung hätten in Deutschland keinen Platz; Sarrazin habe den Bogen überspannt. Auch der SPD-Innenpolitiker Sebastian Edathy sprach im “Kölner Stadt-Anzeiger“ von Rassismus und einer Tonlage, wie man sie bisher nur von der NPD kenne. 

Sie unterstützen Sarrazin

Der ehemalige  Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Olaf Henkel, unterstützte Sarrazin dagegen. Wer das Interview ganz gelesen hätte, müsse der Analyse Sarrazins beipflichten, sagte Henkel im Deutschlandfunk.

Auch der Schriftsteller Ralph Giordano pflichtete Sarrazin im Nachrichtensender N24 inhaltlich bei, auch wenn er „andere Worte gewählt hätte“.

N24-Chefredakteur Peter Limbourg sagte gegenüber der BiILD-Zeitung: „Thilo Sarrazin hat in vielen Punkten Recht – auf der anderen Seite ist es schwierig, wenn man sich als Bundesbank-Vorstand so dezidiert äußert.“

Unterstützung erhält Sarrazin auch von dem früheren Grünen-Politiker Oswald Metzger, der mittlerweile zur CDU gewechselt ist. In der ARD-Sendung „Hart aber Fair“ meinte Metzger: „Der große Teil der Mittelschicht hat das Gefühl, dass eine Bereitschaft erzogen wird, dass die Menschen nicht mehr wissen, dass man etwas leisten muss. Wir können nicht ein Land von Transferleistungsgebern werden.“

In der gleichen Sendung nannte die CDU Politiker Kristina Köhler Sarrazins Tonfall „verletzend“. Aber: „Sarrazin hat Probleme benannt, die wir wirklich haben.“ Macho-Kultur, Import-Bräute und eine hohe Arbeitslosigkeit bei Migranten.

Pro-Sarrazin ist auch der deutsche Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff ( „Die Blechtrommel“). Er habe ihm „aus der Seele gesprochen“, sagt er zu BILD. „Ich bewundere Sarrazin, ich hab ihn oft besucht. Als Filmmann bin ich beeindruckt von den starken Sprüchen.“

dpa/AP/fro

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