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Angst vor Super-Gau in Saporischschja: So groß ist die Gefahr für Deutschland

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Von: Jens Kiffmeier

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Im Ukraine-Krieg steht das AKW Saporischschja unter Beschuss. Die Angst vor dem Super-Gau ist allgegenwärtig – auch in Deutschland. Wie groß ist die Gefahr?

Enerdohar – Besorgte Blicke in Richtung Osten: Angesichts von aufflammenden Kämpfen rund um das AKW in Saporischschja wächst in Europa die Sorge vor dem Super-Gau. Eindringlich warnte der ukrainische Präsident Wolodomyr Selenskyj vor einer radioaktiven Katastrophe – weit über das eigene Land hinaus. Ein Zwischenfall im Atomkraftwerk Saporischschja könnte auch die EU-Staaten, die Türkei, Georgien und sogar weitere entfernte Länder hart treffen, sagte er in einer Videobotschaft. Dies hänge lediglich von der Richtung und Stärke des Windes ab. Nun fragen sich auch viele Menschen in Deutschland: Wie groß ist die Gefahr? 

AKW Saporischschja unter Beschuss: Welche Gefahr geht im Ukraine-Krieg für Deutschland aus?

Seit Tagen steht das Atomkraftwerk in Saporischschja wieder unter Beschuss. Im Ukraine-Krieg stellt das AKW, das das größte in Europa ist und das für einen großen Anteil für die ukrainische Stromgewinnung verantwortlich ist, ein wichtiges strategisches Ziel da. Seit März halten die Truppen von Russlands Präsidenten Wladimir Putin die Anlage besetzt. Das Kernkraftwerk liegt unweit der Front, an den Ufern des Flusses Dnipro, der das russische Besatzungsgebiet derzeit begrenzt.

Unbestätigten Angaben zufolge benutzt Russland das AKW in Saporischschja als eine Art Schutzschild. So soll die Armee dort große Teile der Militärausrüstung lagern. Trotz der nuklearen Gefahr wurde das Gelände in den vergangenen Tagen mehrfach beschossen. Beide Seiten – sowohl die Ukraine als auch Russland – bestreiten, dafür verantwortlich zu sein.

Kernkraftwerk Saporischschja: Der Westen mahnt Russland und Ukraine zur Zurückhaltung

Rund 40 Staaten riefen die Kriegsparteien zur Zurückhaltung auf. Zusätzlich zur Politik fordert die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) einen Zutritt zum Gelände, um eine genaue Lageanalyse zu machen. Doch Russland wehrte diese Versuche bislang ab. Die IAEA spricht deshalb bereits von „schweren Stunden“. Doch was würde genau passieren, wenn das Atomkraftwerk massiv getroffen werden würde? Dafür gibt es mehrere Szenarien, wie die Übersicht zeigt. Dabei muss die Atomanlage nicht nur von einer Rakete getroffen werden. Auch ein Stromausfall kann schon zu enormen Folgen führen:

Unter Beschuss im Ukraine-Krieg: Ein russischer Soldat bewacht das Akw in Saporischschja.
Unter Beschuss im Ukraine-Krieg: Ein russischer Soldat bewacht das AKW in Saporischschja. © Konstantin Mihalchevskiy/imago

AKW Beschuss: Diese Gefahr lauert im schlimmsten Fall in Saporischschja – die Übersicht

Angst vor Super-Gau: Kämpfe um Akw in der Ukraine weckt in Deutschland Erinnerung an Tschernobyl

In Deutschland sind in älteren Generationen noch die Erinnerungen an den Reaktorunfall in Tschernobyl wach. Damals zog eine Wolke aus Radioaktivität quer durch Europa und verseuchte weite Landstriche. Auch in diesem Ukraine-Krieg war das alte Tschernobyl-Gelände ebenfalls schon Schauplatz für die Kämpfe. Vor diesem Hintergrund warnte der russische UN-Botschafter Wassili Nebensja vor einer neuen „nuklearen Katastrophe, vergleichbar mit dem Super-Gau in Tschernobyl im Norden der Ukraine im Jahr 1986.

Wind und Nähe zu Russland: Diese Faktoren minimieren die Gefahr von Saporischja für Deutschland

Ob es durch den Beschuss in Saporischschja zu einem ähnlichen Vorfall kommen könnte? Das hängt laut Fachleuten im Westen von mehreren Faktoren ab. Der entscheidende dürfte dabei der Wind sein. Die Verbreitung der Radioaktivität hänge davon ab, welche Witterung im Schadensfall herrsche, sagte Meteorologe Wolfgang Raskob der Zeit. Im Fall von Saporischja blase der Wind in der Regel in Richtung Osten oder Süden – aber eben nicht Richtung Westen, also nach Deutschland. Seiner Einschätzung nach wären vor allem Länder wie die Türkei, Georgien oder aber auch Russland betroffen.

Europa und in der Welt – wo steht das größte Kernkraftwerk der Welt?

Die Frage ist nicht eindeutig zu beantworten. Es kursieren unterschiedliche Listen, die Faktoren wie Leistungsstärke und Fläche berücksichtigen. Als das größte Kernkraftwerk Europas gilt das AKW Saporischschja in der Ukraine. In der ganzen Welt gibt es aber noch größere. Das stärkste Kernkraftwerk der Welt soll in Japan stehen. Es heißt „Kashiwazaki-Kariwa“. Die Leistung beträgt insgesamt 8.212 Megawatt. Zum Vergleich: In Deutschland leistete das stärkste Kernkraftwerk Gundremmingen in Bayern „nur“ 2700 Megawatt.

Experten halten daher eine Zurückhaltung Moskaus für wahrscheinlich. Zwar droht der Kreml regelmäßig mit einer atomaren Konfrontation. Aber ein wirkliches Interesse an einem zerstörten Kernkraftwerk kann Moskau nicht haben. Erstens wird das AKW Saporischschja, das sich manchmal auch Zaporizhzhia schreibt, für die Versorgung der eigenen Gebiete mit Strom benötigt. Außerdem würde die radioaktive Verseuchung im ungünstigen Fall das eigene Staatsgebiet betreffen, inklusive der dicht besiedelten südrussischen Zentren um die Städte Rostow-am-Don und Krasnodar. Auch das Schwarze Meer – eine wichtige Handelsroute für Putins Russland – wäre von den Folgen beeinträchtigt.

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