Bundestagswahl 2021

Der unterschätzte Armin: Warum Laschet den Trend drehen kann

Lachnummer und Verlierer: In Umfragen wird Armin Laschet (CDU) bereits abgestempelt. Doch er wurde schon oft unterschätzt. Auch gegen Scholz hat er noch Chancen.

Berlin – Durchhalteparole oder realistische Einschätzung? Trotz des Rückstands in den aktuellen Wahlumfragen glaubt die Union weiterhin an eine Trendwende. Eineinhalb Wochen vor der Bundestagswahl 2021 zeigte sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) optimistisch zu den Wahlchancen von Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU). „Ich halte alles für möglich, wir können die SPD im Bund noch abfangen“, sagte der CSU-Chef der „Augsburger Allgemeinen“. Das Rennen sei viel knapper, als die „meisten im Moment glauben“. Tatsächlich kann die Union vielleicht noch ein paar Asse aus dem Ärmel schütteln.

Deutscher Politiker:Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU)
Alter:60 Jahre
Privat:verheiratet, drei Kinder
Aktuelles Regierungsamt:NRW-Ministerpräsident

Auf den ersten Blick spricht eigentlich alles gegen Laschet: Acht Meinungsforschungsinstitute sehen den NRW-Ministerpräsidenten in den Wahlumfragen seit Wochen deutlich hinter der SPD mit Olaf Scholz. Selbst in den zwei TV-Triellen, in denen sich Laschet angriffslustig zeigte, landete er hinter dem Vizekanzler und der Grünen-Spitzenkandidatin Annalena Baerbock nur auf Platz drei – weswegen er sich bei Twitter und Facebook viel Hohn und Spott gefallen lassen musste. Selbst Parteifreunde wenden sich ab und wollen für ihn keine Plakate mehr aufhängen.

Bundestagswahl 2021: Armin Laschet (CDU) kann sich trotz Wahlumfrage noch Hoffnung machen

Doch bei all dem sollte man sich nicht täuschen lassen. Denn: Laschet wurde schon häufiger unterschätzt. Beispiel: 2017, Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen. Drei Wochen vor der Stimmabgabe lag er sechs Prozent hinter der amtierenden Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD). Und er holte auf: Am Ende lag er hauchdünn vor der SPD und wurde Regierungschef.

Kann er trotz Umfrage-Tief bei der Bundestagswahl noch triumphieren? Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) will Olaf Scholz (SPD) noch überflügeln. (Montage von kreiszeitung.de)

Armin Laschet: CDU-Kanzlerkandidat kennt vor der Bundestagswahl das Gefühl des vermeintlichen Verlierers

An das Gefühl des vermeintlichen Verlierers hat er sich dabei mittlerweile gewöhnt. Es zieht sich durch seine Karriere wie ein roter Faden. Im Jahr 2010 bemühte er sich vergebens um den Landesvorsitz der NRW-CDU. Nur zwei Jahre später schaffte er es dann doch, als Norbert Röttgen die Partei in eine Wahlniederlage geführt hatte. Und 2021? Da holte er sich aus einer Außenseiterposition gleich zwei Spitzenämter: erst den Parteivorsitz im Kampf gegen die Ikone der Parteikonservativen – Friedrich Merz. Und dann bremste er Umfrageliebling Söder im Rennen um die Kanzlerkandidatur aus.

Laschet wird es schon irgendwie wieder hinkriegen – an diese vage Hoffnung klammern sich jetzt viele Unionsanhänger. Doch kann der NRW-Ministerpräsident das Wunder von 2017 auch in diesem Jahr bei der Bundestagswahl wiederholen? Völlig ausgeschlossen ist es nicht. Denn nach wie vor gibt es einige Faktoren, die das Rennen um die Nachfolge von Angela Merkel (CDU) noch offen erscheinen lassen.

Bundestagswahl 2021: CDU-Kanzlerkandidat buhlt jetzt um Unentschlossene

Laschets größter Trumpf im Wahlkampf-Schlussspurt: Unter den Wählerinnen und Wählern gibt es einen enormen Anteil von Unentschlossenen. Nach einer Allensbach-Umfrage wissen erst 60 Prozent genau, welche Partei sie wählen wollen. Vor vier und acht Jahren war der Anteil der Unentschlossenen wenige Tage vor der Wahl geringer. Doch dieses Mal stören sich viele Menschen an den Spitzenkandidaten. So sagte die Mehrheit der Schwankenden, dass sie weder Scholz noch Baerbock oder eben Laschet überzeugend fänden.

Derzeit ist für die Parteien nichts gewonnen oder verloren.

Frank Brettschneider, Professor an der Universität Hohenheim

Für die CDU muss das nichts heißen. Vielmehr bietet es für Laschet die Chance, auf den letzten Metern doch noch ein großes Wählerpotenzial auf seine Seite zu ziehen. Macht der unentschlossene CDU-Sympathisant sein Kreuz bei der CDU mit einem Kanzlerkandidaten, den er nicht so richtig mag? Oder doch bei der SPD mit einem Vizekanzler, der ebenfalls in der ein oder anderen Affäre keine glückliche Figur gemacht hat. Erst in der Wahlkabine kommt es tatsächlich zum Schwur – allen bisherigen Umfragen zum Trotz.

Bei der Union weiß man das. Auch deshalb befeuern CDU und CSU seit zwei Wochen den Lagerwahlkampf gegen ein vermeintlich drohendes rot-grün-rotes Bündnis und ziehen die Skandale von Olaf Scholz hoch. Es soll die Reihen schließen und die schwankende Kernwählerschaft zurückholen, so die Strategie. Ein weiterer Vorteil für Laschet: die Wählerschaft wird wegen der demografischen Entwicklung immer älter. Und Ältere neigten in der Vergangenheit eher dazu, ihr Kreuz bei den konservativen Parteien zu machen.

Umfrage: SPD mit Olaf Scholz vor der CDU – doch die Stimmung ist sehr schwankend

Für SPD-Jubelgesänge im Willy-Brandt-Haus ist es also trotz einer guten Ausgangsposition noch zu früh. „Derzeit ist für die Parteien noch nichts gewonnen oder verloren“, sagt auch Politikexperte Frank Brettschneider zu kreiszeitung.de. Der Professor an der Universität Hohenheim beobachtet dieser Tage das Umfragegeschehen sehr genau. Die aktuellen Erhebungen spiegelten sehr exakt das Stimmungsbild in der Bevölkerung wider. Doch das seien nur Momentaufnahmen, warnt er. Und die Stimmungen seien in diesem Jahr sehr schwankend.

Die SPD konnte das bereits selber erleben. Nachdem sie monatelang auf Platz drei in den Umfragen hinterhergehinkt war, katapultierte sie sich im Sommer plötzlich auf Platz eins. Vergleichbare Sprünge hat es bisher noch nie in einem Bundestagswahlkampf gegeben. Möglich, dass sich der jetzige Vorsprung auch noch wieder in Luft auflöst?

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Von diesen Fragen wollen sich die Genossen nicht kirre machen lassen. Der frühere Parteichef Sigmar Gabriel hat dazu jedenfalls eine klare Meinung. Aus seiner Sicht kommt die Aufholjagd der CDU zu spät: „Wenn Sie zwei Wochen vor der Wahl auf der schiefen Ebene sind, dann beschleunigt sich der Abstieg“, sagte er der Rheinischen Post. Für eine abermalige Wende müsse schon sehr viel passieren. „Am Ende wollen viele Stimmberechtigte einfach bei den Siegern sein.“  Doch ob Gabriel recht hat oder doch Söder – das entscheiden am Ende die Wählerinnen und Wähler. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: ©  Arne Dedert/Kay Nietfeld/dpa

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