Presseschau

„Viele werden Merkel vermissen“ – Das sagt die internationale Presse zur Bundestagswahl

Die internationale Presse blickt gespannt auf die Bundestagswahl. Die Meinungen gehen dabei weit auseinander. Manche ziehen eine ernüchternde Bilanz der Ära Merkel.

Berlin – Die internationale Presse blickt mit einer Mischung aus Hoffnung und Sorge auf die Bundestagswahl am 26. September 2021. Einige Kommentatoren fokussieren sich dabei auf die scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und auf die Bedeutung ihrer 16-jährigen Kanzlerschaft für Deutschland und die EU – und ziehen dabei schon mal eine kritische Bilanz.

Politikerin:Angela Merkel
Partei:Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU)
Im Amt seit: 22. November 2005
Geboren:17. Juli 1954 (Hamburg)

„Merkel Says Auf Wiedersehen to a Diminished Europe“ („Merkel sagt Auf Wiedersehen auf ein geschwächtes Europa“), schreibt das „Wall Street Journal“ (WSJ) auf der Titelseite seiner Samstagsausgabe. „Merkel hinterlässt ein geschwächtes Europa, eine Region, deren Ambitionen, als dritte Supermacht aufzutreten, immer unrealistischer erscheinen“, ist in einer langen Analyse zu lesen.

Internationale Presseschau zur Bundestagswahl: Merkel „hinterlässt ein geschwächtes Europa“

Mit ihrer „pragmatischen Führung“ habe Merkel zwar der EU geholfen, einige Krisen zu meistern. Ihr „vorsichtiger und akribischer Regierungsstil“ und ihr Fokus auf die Interessen Deutschlands haben allerdings die einst großen Ambitionen des Kontinents untergraben.

„Frühere Bundeskanzler wirkten als Integrationskraft in einem expandierenden Europa. Merkel hingegen wurde zur passiven Verwalterin eines zunehmend gedämpften Blocks, der zu sehr damit beschäftigt war, sich selbst zusammenzuhalten“, fasst das WSJ diese Entwicklung zusammen.

Londoner Times: „Viele werden ihren sturen, rationalen Pragmatismus vermissen

Ähnlich sieht es „The Times“, die allerdings zu einem anderen Schluss kommt. „Das Beste, was man über ihre Art der Staatsführung sagen kann, ist, dass sie geholfen hat, Europa durch eine Reihe von Krisen zu steuern“, kommentiert die Zeitung aus London. „Viele werden ihren sturen, rationalen Pragmatismus vermissen, nicht zuletzt, wenn die nächste Krise kommt“, stellt die Times fest.

Bundeskanzlerin hinterlasse ein geschwächtes Europa, ist das Wall Street Journal überzeugt.

„Ihr vielleicht größtes Vermächtnis ist, dass sie den Aufstieg Deutschlands nach der Wiedervereinigung zu einer unbestrittenen Vormachtstellung in Europa geleitet hat, doch die Partner des Landes in der ganzen Welt wünschten sich eine stärkere deutsche Führung. Leider gibt es kaum Anzeichen dafür, dass ihr Nachfolger dies tun wird.“

Bundestagswahl: Scholz‘ Europa „wäre sicher viel solidarischer“

Der Mailänder „Corriere della Sera“ schaut ebenfalls auf die Rolle Deutschlands in Europa, verbindet das allerdings mit einem Blick nach vorne. „Die Rückkehr zur Sparpolitik steht bereits in Aussicht und mit einer Regierung unter der Führung von CDU/CSU, vielleicht mit den Liberalen im Finanzministerium, könnte sie auch gelingen. Auch Scholz sagt eigentlich, dass man nach 2022 die alte Finanzdisziplin wieder herstellen müsse. Aber der sozialdemokratische Kandidat war auch derjenige, der den EU-Wiederaufbaufonds, die Vergemeinschaftung der Schulden, als „Hamilton-Moment“ bezeichnet hat“, analysiert die italienische Tageszeitung.

Scholz‘ Europa „wäre sicher viel solidarischer“. Dabei war „die Außen- und Europapolitik so abwesend im Wahlkampf“, stellt der „Corriere della Sera“ fest.

Koalitionen nach der Bundestagswahl: „Rot-Grün-Rot wäre Worst-Case-Szenario“

Gegenteiliger Meinung zeigt sich die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) am Samstag. „Das Worst-Case-Szenario, man kann es nicht freundlicher formulieren, wäre ein rot-grün-dunkelrotes Bündnis aus SPD, Grünen und Linkspartei. Sollte es für ein solches Trio reichen, dann wird der Druck der Basis aus allen drei Parteien gewaltig sein, die „historische Chance“ auf einen grundlegenden Politikwechsel nicht verstreichen zu lassen“, schreibt die NZZ.

„Die Republik würde in der Folge ein wahres Festival an Steuererhöhungen, planwirtschaftlicher Regulierung und autoritärer Gesellschaftspolitik erleben, mit großzügigen Zuwendungen an staatsnahe linke Vereine und Gruppierungen und Kampfansagen an alle, die unter liberaler oder konservativer Flagge segeln“, warnt die NZZ. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Markus Schreiber

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