Hohe Behandlungskosten

Impfen oder zahlen: Kommt die Extra-Versicherung für Ungeimpfte?

Irrer Vorschlag aus der Schweiz: Ungeimpfte sollen eine Zusatzversicherung abschließen – oder die Corona-Behandlung selber bezahlen. Ein Modell für Deutschland?

Berlin – Dramatische Corona-Lage: Angesichts neuer Rekordwerte bei den Infektionszahlen und immer neuer Warnungen vor einem Kollaps in den Kliniken ist die Debatte über die hohen Behandlungskosten von Corona-Patienten neu entbrannt. Dabei sorgt vor allem ein Vorschlag aus der Schweiz für Wirbel. So empfiehlt Wirtschaftsexperte Marius Brülhart die Einführung einer Zusatzversicherung für Ungeimpfte. Andernfalls müssten die Impfgegner die Krankenhauskosten eben selber tragen, forderte der Professor an der Universität in Lausanne laut der Nachrichtenagentur dpa – und löste umgehend in den sozialen Netzwerken eine große Kontroverse aus.

Inzidenzwert für Deutschland:249,1 (Stand Donnerstag, 11. November 2021)
Anteil der Ungeimpften auf der Intensivstation: 85 Prozent
Durschnittliche Behandlungskosten:10.200 Euro pro Patient (laut IfW)

In den vergangenen Tagen hat sich die Corona-Lage in Deutschland wieder massiv verschärft. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts kletterte die Sieben-Tage-Inzidenz am Donnerstag auf 249,1 und erreichte damit den vierten Tag in Folge einen neuen Höchstwert. Infolgedessen stieg die Zahl der Todesfälle ebenso weiter an wie die Belegung der Klinik-Betten.

Corona: Hohe Krankenhauskosten – Debatte um Zusatzversicherung für ungeimpfte Patienten entbrannt

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) wies vor diesem Hintergrund den Vorwurf des staatlichen Versagens zurück. „Es sind nicht die Staaten schuld“, stellte er im ARD-Morgenmagazin fest. „Ein Teil der Menschen verhält sich nach wie vor unvernünftig“, fügte er mit Blick auf die im internationalen Vergleich nach wie vor niedrige Impfquote in Deutschland hinzu. So haben sich in Deutschland bislang erst 67,3 Prozent der Bevölkerung gegen das Coronavirus impfen lassen.

Dramatische Corona-Lage: In den Krankenhäusern füllen sich wieder die Intensivstationen.

Nach einer Auswertung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) trifft eine Krankenhausbehandlung tatsächlich vorwiegend die Ungeimpften. Demnach machen sie auf den Corona-Intensivstationen bis zu 85 Prozent aus. Durchschnittliche Kosten, die von den Krankenkassen getragen werden müssen: 10.200 Euro pro Patient. Hochgerechnet auf alle Fälle entstehen dem Gesundheitssystem Kosten bis zu 180 Millionen Euro – pro Woche. In der Schweiz verhält es sich ähnlich.

Corona-Kosten: Keine Impfpflicht – aber Ungeimpfte sollen für Klinik-Aufenthalt selber zahlen

Auch vor diesem Hintergrund sieht Brülhart seine Forderung nach einer Kostenbeteiligung der Ungeimpften mehr als gerechtfertigt. „Nichtimpfen ist mittlerweile ein freier und bewusster Entscheid“, twitterte der Wirtschaftsprofessor. Ungeimpfte gingen bewusst ein höheres Risiko ein, sodass sie die Kosten entweder selber tragen oder durch eine Zusatzversicherung absichern sollten. Ähnliches, so argumentierte Brülhart weiter, gebe es bei anderen Risiken auch. Wer etwa eine Risikosportart ausübe, habe auch einen höheren Beitrag zur Unfallversicherung zu leisten.

Im Netz stieß der Vorschlag umgehend auf unterschiedliche Meinungen. Während ein Großteil der Nutzer in den sozialen Netzwerken den Ansatz begrüßten, wehrten sich auch viele Stimmen gegen die Zusatzversicherung. Dies fülle nur die „Taschen der Versicherer, löst aber das Problem der Krankheit nicht“, beschwerte sich ein User. Eine Nutzerin gab zu bedenken, dass es auch Menschen gebe, die sich wegen Vorerkrankungen nicht impfen lassen könnten und nun zu Unrecht an den Pranger gestellt würden.

In Singapur nimmt man darauf aber keine Rücksicht. Laut der Nachrichtenagentur dpa werden in dem südostasiatischen Stadtstaat ab Anfang Dezember alle ungeimpften Corona-Patienten zur Kasse gebeten, wenn sie im Krankenhaus landen. Ob sich die Verantwortlichen aber in Deutschland zu diesem Schritt durchringen können, ist eher unwahrscheinlich.

2G als Alternative: Karl Lauterbach (SPD) fordert stärkere Kontrollen und Strafen

Dennoch müssen sich auch hierzulande die Ungeimpften auf eine Verschärfung von Corona-Regeln einstellen. Am Donnerstag skizzierte Vizekanzler Olaf Scholz (SPD), der nach der Bundestagswahl derzeit mit FDP und Grünen über die Bildung einer Ampel-Koalition verhandelt, im Deutschen Bundestag seinen Corona-Plan für die kommenden Wintermonate. In seiner Rede rief er die Deutschen zur Impfung auf und drängte auch auf eine flächendeckende Einführung von 2G-Regeln, wonach nur noch Geimpfte und Genesene Zugang zu öffentlichen Bereichen wie Restaurants, Theatern oder Kinos bekommen sollten.

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Nach dem Willen von SPD-Gesundheitsminister Karl Lauterbach, der im Kabinett von Scholz als Minister gehandelt wird, sollte dies auch viel stärker kontrolliert werden als bis zuletzt. Es brauche den „Mut“ zu einem drastischen Vorgehen, sagte er in der ARD-Sendung von Sandra Maischberger und forderte härtere Strafen. Sollte beispielsweise ein Restaurant trotz 2G-Regel die Kontrolle nicht ernst nehmen, dann sollte das „zu einer Schließung von sechs Wochen führen“, schlug Lauterbach vor. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Waltraud Grubitzsch/dpa

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