Kommentar

Coronavirus-Pandemie: Warum die Impfpflicht fast alternativlos ist

Die Corona-Lage ist dramatisch. Trotzdem stagniert die Zahl der vollständig Geimpften nahezu. Der letzte Ausweg aus der Pandemie ist die Impfpflicht. Ein Kommentar.

Berlin – Die Impfung ist der einzige Weg aus der Coronavirus-Pandemie. Das ist Konsens von Wissenschaftlern, Medizinern und vielen Politikern. Unter anderem der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat diesen Satz schon etliche Male in Pressekonferenzen wiederholt.

Krankheit:Covid-19
Infektionen Deutschland (gesamt): 6,07 Millionen
Impfungen Deutschland (vollständig):57,2 Millionen

Allerdings scheint ein Teil der Deutschen, etwa 31,1 Prozent, auf diesem Ohr taub zu sein. Und so langsam kommen wir in der Pandemie an einen Punkt, an dem die Impfpflicht fast alternativlos wird. Zumindest dann, wenn wir irgendwann aus diesem kollektiven Déjà-vu aus Einschränkungen, vollen Intensivstationen und steigenden Infektions- und Todeszahlen ausbrechen wollen. 

Impfquote steigt trotz neuen Corona-Maßnahmen für Ungeimpfte kaum an

Trotz neuer Impfkampagne, Testpflicht und medialer Omnipräsenz der dramatischen Zustände auf Deutschlands Intensivstationen stagniert die Zahl der vollständig Geimpften nahezu. Aktuell liegt sie bei knapp 68,9 Prozent. Für die ursprünglich angestrebte Herdenimmunität müssten in Deutschland allerdings mindestens 85 Prozent der Menschen „Ja“ zur Corona-Impfung sagen. Das scheint aber eher Utopie als Zukunftsmusik zu sein. 

Kommt die allgemeine Impfpflicht für Deutschland?

So schmerzlich die Tatsache auch ist – diese Impfquote ist ohne eine Impfpflicht kaum erreichbar. Denn es ist nicht etwa fehlender Impfstoff, der die Impfkampagne zum Stocken bringt. Es ist die Sturheit einer ganzen Bevölkerungsgruppe in Deutschland. Eine unfreiwillig zusammengehörige Gruppe aus Menschen der unterschiedlichsten politischen, soziologischen und kulturellen Szenen. Die einzige Gemeinsamkeit: Sie sind ungeimpft. Und wenn man das Ganze pragmatisch betrachtet, haben sie damit erstmal nicht einmal etwas falsch gemacht. Sie haben sich entweder aus Angst, aus kulturellen Gründen oder vielleicht auch einfach aus Prinzip dagegen entschieden, sich mit einer Impfung gegen das Coronavirus zu schützen. Es gibt vielleicht tausende Gründe gegen die Immunisierung.

Impfpflicht: Die rechtliche Grundlage besteht angesichts der steigenden Infektionszahlen

So weit, so gut. Auf individueller Ebene hat jeder Bürger in Deutschland ohnehin das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit. Wenn er keine Spritze möchte, dann bekommt er auch keine. Leider überschreiten wir in der Coronavirus-Pandemie gerade eine Grenze – die Grenze des Machbaren. Denn die Warnsignale überschneiden sich. Das RKI prophezeit eine dramatische Weihnachtszeit, die neue Omikron-Mutante sorgt für Verunsicherung an allen Fronten und Experten wie Mediziner kritisieren die aktuellen Corona-Maßnahmen als „unzureichend“. Es sei an dieser Stelle noch einmal an den ersten Satz dieses Textes erinnert: „ Die Impfung ist der einzige Weg aus der Coronavirus-Pandemie.“ 

Sollten wir uns dabei aber weiterhin auf den kollektiven gesunden Menschenverstand verlassen, werden wir aus dieser Misere nicht herauskommen. Denn die Wahrheit ist nun mal: Solange es keine Impfpflicht gibt, wird es noch genug Deutsche geben, die lieber auf die Immunisierung verzichten. Da die Regierung auch mit ihrem Latein am Ende ist, wie man so schön sagt, ist eine Impfpflicht auch rechtlich mittlerweile durchsetzbar. Denn der Schutz der gesellschaftlichen Gesundheit wiegt am Ende mehr als das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit des Einzelnen. 

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Natürlich darf die Impfpflicht, wenn sie denn im Bundestag tatsächlich entschieden wird, nicht das einzige Instrumentarium im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie bleiben. Es muss vor allem auch dafür gesorgt werden, dass zuverlässige Impftermine für jeden Interessierten zur Verfügung stehen – und das am besten so früh wie möglich. Abgesagte Impftermine und lange Wartezeiten zeigen: Aktuell wird Impfwilligen nicht gerade der rote Teppich ausgerollt.

Impfpflicht in Deutschland? Warum das nicht die einzige Veränderung bleiben darf

Die Impf-Misere in Deutschland hat viele Ursachen. Vielleicht ist es ein Systemfehler, vielleicht ein strukturelles Problem oder vielleicht hat das Marketing an manchen Stellen nicht so gut funktioniert, wie das der Verschwörungstheoretiker und Impfgegner. Fakt ist, dass sich jetzt etwas verändern muss. Es geht im wahrsten Sinne um Menschenleben. Und da reicht es eben nicht, eine Currywurst zur Impfe zu reichen.

Steigende Infektionszahlen und Einschränkungen betreffen zunehmend auch diejenigen, die sich zu ihrem eigenen und zum allgemeinen Wohle haben schützen lassen: Geimpfte und Genesene. Und das führt – machen wir uns nichts vor – früher oder später zu einer zunehmenden Spaltung der Gesellschaft.

Corona-Impfungen in Deutschland: Impfverweigerer müssen mit Bußgeld oder Quarantäne rechnen

Keine Frage, eine Impfpflicht ist nicht die Lösung aller Probleme. Die Frage ist dabei aber auch, wie man diese Impfpflicht durchsetzt. Denn neben der gesetzlichen Handhabe gegen Impfverweigerer, die im Ernstfall mit einem Bußgeld oder Quarantäne rechnen müssten, braucht es eben auch wieder mehr Respekt und Kommunikation auf Augenhöhe. Und zwar auf allen Ebenen – gesellschaftlich wie privat.

Nur so erreichen wir auch diejenigen, die schlichtweg das Vertrauen in die Politik oder die Gesellschaft verloren haben oder sich ohnehin nie als Teil dieser gesehen haben. Bei all dem Groll, der vielleicht ab und zu gegeneinander aufkommen mag, sollten wir eines nicht vergessen: Am Ende sitzen wir doch alle im selben Boot – und niemand möchte, dass es untergeht.  *kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Petra Nowack/imago-images

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