Kaum Impf-Fortschritt

Corona: Trotz 3G-Regel in Niedersachsen – Baerbock droht Impfpflicht an

Die 3G-Regel macht Ungeimpften das Leben schwerer. Trotz neuer Einschränkungen steigt aber die Impf-Nachfrage nicht. Kommt jetzt doch bald die Impfpflicht?

Hannover – Trotz drohender neuer Einschränkungen für Ungeimpfte nimmt das Impf-Tempo wenig Fahrt auf. Einen Tag vor der Vorstellung der neuen 3G-Corona-Regeln in Niedersachsen hat Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock (Grüne) die Debatte über eine Impfpflicht neu entfacht. Die Einführung sei in Deutschland zwar juristisch nicht ganz einfach, sagte die Parteivorsitzende der Öko-Partei bei einem Talk-Format von tagesschau24.de. Doch bei weiter ansteigenden Corona-Zahlen müsse man darüber „sprechen“, ob die zwangsweise Verpflichtung von einzelnen Berufsgruppen nicht möglich sei.

Deutsche Politikerin:Annalena Baerbock (Grüne)
Geboren:5. Dezember 1980 (Alter 40 Jahre), Hannover
Privat:verheiratet, zwei Töchter
Aktuelles Amt:Parteivorsitzende

Aus dem Kreis der Kanzlerkandidaten ist Baerbock die Erste, die sich bei diesem Thema aus der Deckung wagt. Während Armin Laschet (CDU) und Olaf Scholz (SPD) sich noch nicht explizit zur Impfpflicht bekannt haben, sieht die Grüne offenbar die Entwicklung als fast unausweichlich an. Denn zuletzt waren die Inzidenzwerte wieder stark angestiegen. Experten warnen bereits seit Wochen wieder vor dem Beginn einer vierten Corona-Welle.

Corona in Niedersachsen: 3G-Regel reicht nicht – Annalena Baerbock (Grüne) fordert Impfpflicht

In vielen Bundesländern werden vor diesem Hintergrund bereits die Corona-Regeln wieder verschärft. Auch in Niedersachsen wird die aktuelle Verordnung überarbeitet. Am Dienstag (24. August 2021) soll sie vorgelegt werden. Am Mittwoch könnte sie bereits in Kraft treten. Aller Voraussicht wird dann die sogenannte 3G-Regel gelten.

Trotz 3G-Regel wenig Impftempo: Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock (Grüne) droht Impfpflicht an.

In Landkreisen und kreisfreien Städten, in denen ein bestimmter Inzidenzwert überschritten wird, sollen dann nur noch geimpfte, genesene und getestete Personen (3G) Zugang zu Veranstaltungen in Innenräumen bekommen. Hamburg erwägt sogar die Einführung eines 2G-Optionsmodells*, wonach der Besuch von Restaurants, Friseuren oder Theatern nur Geimpften und Genesenen (2G) offenstehen würde.

Durch die Verschärfung der Regeln hoffen Bund und Länder, viele Unentschlossene doch noch zu einer Impfung bewegen zu können. Denn zuletzt war das Impf-Tempo in Deutschland massiv eingebrochen. Doch bislang ist der gewünschte Effekt nicht eingetreten. Das bestätigen Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). So blieb die Nachfrage von Corona-Impfterminen in niedersächsischen Arztpraxen seit Anfang August weiterhin rückläufig.

Impfungen in Niedersachsen: Wenig Tempo – Impfpflicht für einzelne Berufsgruppen im Gespräch

Die KVN führt diese Entwicklung derzeit noch auf die andauernde Urlaubszeit in Niedersachsen zurück. Noch sei es zu früh für eine abschließende Bewertung, hieß es in einem Bericht der Nachrichtenagentur dpa. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Zahlen nicht doch auch noch wieder steigen würden. Zum einen fallen ab Oktober die kostenlosen Corona-Tests weg. Zum anderen würden jetzt auch zunehmend mehr Jugendliche in den Praxen geimpft werden, nachdem die Ständige Impfkommission (Stiko) ihre Empfehlung für eine Impfung ab zwölf Jahren geändert habe.

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Doch ob das ausreicht, um eine anvisierte Herdenimmunität zu erreichen, bleibt unklar. Für den Fall, dass sich nicht noch mehr Erwachsene freiwillig impfen lassen, plädiert Baerbock für Zwangsmaßnahmen. Trotz rechtlicher Schwierigkeiten gebe es bereits Bereiche, in denen eine Impfpflicht herrsche. Als Beispiel nannte sie die Bundeswehr. Vor diesem Hintergrund sei es eine Erwägung, auch andere Berufsgruppen in die Pflicht zu nehmen. Dies könnte zum Beispiel ärztliches Personal sein. In Frankreich oder Israel beschreitet man bereits diesen Weg.

Die grüne Kanzlerkandidatin hält die Einführung einer Impfpflicht für moralisch vertretbar. Sie verwies dabei auf den besonderen Schutz von Kindern. „Man muss ja sich vorstellen, was sind die Alternativen. Und wenn die Alternative ist, harter Lockdown, Kitas und Schulen wieder komplett zu – was echt ein Desaster für viele Familien war – dann müssen alle anderen Alternativen mit auf den Tisch“, sagte Baerbock. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Soeren Stache/dpa/picture alliance

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