Wegen Omikron-Welle

Corona-Regeln: 2G-Plus für Gastro und Freitesten – die Gipfel-Beschlüsse

Omikron-Alarm in Deutschland: Bund und Länder verschärfen erneut die Corona-Regeln. In Restaurants gilt jetzt 2G-Plus. Erleichterung gibt es bei der Quarantäne.

Berlin – Kürzere Isolationszeiten mit Freitesten, aber Zugangsbeschränkung für Doppelt-Geimpfte in der Gastronomie: Trotz unterschiedlicher Meinungen haben sich Bund und Länder auf ein gemeinsames Vorgehen im Kampf gegen die Corona-Pandemie geeinigt. Unter anderem müssen nun Restaurantbesitzer mit der 2G-Plus-Regel härtere Einschränkung in Kauf nehmen. Leider sei die Gastronomie weiterhin ein „Problembereich“, verteidigte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am Rande des Omikron-Gipfels die Beschlüsse. Vom Hotel- und Gaststättenverein hagelte es Kritik.

Virus:Coronavirus, Covid-19
Krankheitserreger:SARS-CoV-2
Erster bekannter Fall:1. Dezember 2019
Neuentdeckte Variante aus dem südlichen Afrika:Variante Omikron (B.1.1.529)

Am Freitag waren die Ministerpräsidenten der Länder zusammen mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und dessen Expertenrat zu einem Krisengipfel zusammengekommen. Die Verantwortlichen eint die Sorge vor der rasanten Ausbreitung des Coronavirus. Vor allem die neue Omikron-Variante, gegen die im Grunde nur eine Booster-Impfung halbwegs verlässlich schützt, gilt als hochansteckend. Innerhalb einer Woche hat sich der Omikron-Anteil bei allen Ansteckungen verdreifacht.

Corona-Regeln: Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) einigt sich auf Quarantäne-Zeiten und 2G-Plus

Zuletzt war das Infektionsgeschehen in Deutschland deswegen sprunghaft angestiegen. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab die Sieben-Tage-Inzidenz am Freitagmorgen mit 303,4 an. Am Vortag hatte sie bei 285,9 gelegen, vor einer Woche bei 214,9. Da das Omikron-Virus zwar im Vergleich zur Delta-Variante einen milderen Verlauf zeigt, aber dennoch zu vielen Impfdurchbrüchen führt, wächst die Sorge, dass es in den kommenden Wochen in Deutschland zu vielen Personalausfällen kommen kann – auch in der kritischen Infrastruktur (Polizei, Feuerwehr, Verwaltung, Energieversorger).

Sieht keinen Ausweg zu harten Corona-Regeln: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). (kreiszeitung.de-Montage)

Deshalb wollen Bund und Länder gezielt gegensteuern. Zum einen soll deshalb die Quarantäne-Zeit von 14 auf zehn Tage verkürzt werden. Außerdem soll es bessere Möglichkeiten zum Freitesten geben. Zudem wird der Zugang zu Restaurants, Kneipen und Bars mit der 2G-Plus-Regel stärker reglementiert. Doch was genau bedeutet das für den Einzelnen genau? Hier die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Verkürzte Quarantäne: Geimpfte, Ungeimpfte, Freitesten – welche Corona-Regeln gelten genau?

  • Dauer der Quarantäne für Infizierte: Statt bislang 14 Tage müssen Infizierte nur noch für zehn Tage in die Isolation. Nach sieben Tagen können sich die Betroffenen aber mit einem PCR-Test oder mit einem vom Paul-Ehrlich-Institut zertifizierten Schnelltest freitesten. Der Schnelltest muss jedoch in einem Testzentrum erfolgen. Diese allgemeine Regel gilt auch für Schul- und Kita-Kinder. Klinik- und Pflegebeschäftigte können sich auch nach sieben Tagen aus der Isolation befreien – allerdings ausschließlich mit einem negativen PCR-Test. Bedingung: Zuvor müssen die Betroffenen 48 Stunden lang frei von Omikron-Symptomen gewesen sein.
  • Isolation von Kontaktpersonen: Wer mit einem Covid-19-Erkrankten längeren Kontakt hatte, muss ebenfalls für zehn Tage in Quarantäne. Auch hier ist aber ein Freitesten nach sieben Tagen möglich. Zwei Besonderheiten: Symptomfreie Mitarbeiter in Kliniken und Pflegeeinrichtungen können sich in diesem Fall dann aber bereits nach fünf Tagen freitesten können. Gleiches gilt für Schul- und Kita-Kinder.
  • Erlass der Quarantäne: Ausnahmen von der Quarantäne gibt es ausschließlich für Kontaktpersonen, nicht für Infizierte. Um eine Isolierung kommen insgesamt drei Kontaktgruppen herum: Wer geboostert ist, also drei Impfungen erhalten hat, sowie doppelt Geimpfte und Genese. Bei den letzten beiden Personengruppen gibt es aber eine Bedingung: Die letzte Corona-Impfung beziehungsweise die Covid-19-Erkrankung darf nur weniger als zwei Monate her sein.

Doch machen die vielen Freitest-Optionen Sinn? Kritik an diesen Lockerungen wies Kanzler Scholz im Anschluss an das Gipfel-Treffen zurück. Zum einen könne man dadurch Personalengpässe in der kritischen Infrastruktur vermeiden, sagte der Regierungschef. Zum anderen habe man die Maßnahmen intensiv mit den Experten der Bundesregierung abgewogen und diskutiert.

Corona-Gipfel: 2G-Plus in Gastronomie, Bars und Kneipen – Kanzler Scholz und Minister Lauterbach verteidigen Beschlüsse mit Blick auf Omikron

Um die Lockerungen auf der einen Seite aber zu kompensieren, sollen an anderer Stelle die Daumenschrauben weiter angezogen werden. Eine Verschärfung der Corona-Regeln trifft vor allem die Gastronomie. Während die meisten anderen Corona-Regeln bestehen bleiben, soll der Zugang in Restaurants, Bars und Kneipen nur noch mittels 2G-Plus möglich sein.

Denn die Gastronomie gilt als einer der größten Gefahrenherde für eine Ansteckung. „Man sitzt dort ohne Maske oft für Stunden“, erklärte Gesundheitsminister Lauterbach. „Und wenn sich die Menschen dort dann gegenseitig infizieren, wie wir es bei Omikron sehr viel sehen, dann brauchen wir einen besseren Schutz, daher 2G plus, also geimpft und zusätzlich eben getestet.“ Doch was heißt das dann konkret? Hier der Überblick

Corona-Gipfel: 2G-Plus in der Gastronomie, Kontaktbeschränkung und Maskenpflicht – der Überblick

  • 2G-Plus in Restaurants, Cafés und anderen gastronomischen Betrieben: Demnach sollen nur noch Geimpfte und Genesene (2G) Zutritt bekommen, wenn sie zugleich einen negativen Test vorlegen können (2G plus). Ausnahme: Wer geboostert ist, kommt ohne Test hinein. Ungeimpfte müssen generell draußen bleiben.
  • Kontaktbeschränkungen bleiben bestehen: Geimpfte wie Genesene dürfen sich bei privaten Zusammenkünften mit maximal zehn Personen treffen. Für Ungeimpfte gilt weiterhin: Es dürfen sich lediglich die Angehörigen des eigenen Haushalts sowie höchstens zwei Personen eines weiteren Haushalts treffen. Kinder bis zur Vollendung des 14 Jahres sind jeweils ausgenommen.
  • Clubs und Diskotheken bleiben geschlossen.
  • Zugangsbeschränkung für Ungeimpfte sind weiterhin gültig: Bundesweit ist der Zugang zu Einrichtungen und Veranstaltungen der Kultur- und Freizeitgestaltung (Kinos, Theater, Gaststätten, etc.) sowie teilweise auch zum Einzelhandel (Ausnahme: Geschäfte des täglichen Bedarfs) nur für Geimpfte und Genesene (2G) möglich. Ergänzend kann ein aktueller Test vorgeschrieben werden (2G-Plus).

Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) verteidigte das Vorgehen. Sie hoffe, dass die schärferen Regeln für die Gastronomie der laufenden Impfkampagne mehr Schwung verleihen würden. „Das ist ein zusätzlicher Anreiz für das Boostern, das ist ein gewünschter Anreiz, den wir auch wollen“, sagte die SPD-Politikerin im Anschluss an die Bund-Länder-Beratungen.

Corona-Regeln: Niedersachsen prüft MPK-Ergebnisse und passt Verordnung an

Beim Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) sah man das freilich anders. Der bayerische Landesverband reagierte umgehend mit Kritik. „Ich warne vor panischem Aktionismus, 2G plus stürzt Betriebe in Existenznot ohne Mehrwert für das Infektionsgeschehen“, wetterte Landeschefin Angela Inselkammer. Der Beschluss käme „im ohnehin extrem umsatzschwachen Januar einem Quasi-Lockdown gleich, für viele Betriebe würde sich eine weitere Öffnung nicht mehr rechnen“, warnte sie.

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Inwieweit die Corona-Beschlüsse nun aber konkret umgesetzt werden, bleibt noch abzuwarten. Denn sie müssen von den Ländern in eigene Corona-Verordnungen umgesetzt werden. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kündigte bereits an, dass er bei der 2G-Plus-Regelung eventuell einen Sonderweg gehen will. In Niedersachsen zeigte man sich aufgeschlossener. Im nördlichen Bundesland gelten bereits scharfe Regeln. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hatte aber bereits im Vorfeld angekündigt, die aktuellen niedersächsischen Corona-Regeln im Licht der neuen Beschlüsse anpassen zu wollen. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Hannibal Hanschke/Jan Woitas/dpa

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