Corona in Deutschland

Karl Lauterbach warnt vor dritter Corona-Welle: „Nicht mehr aufzuhalten“

Während Intensivmediziner:innen und SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach vor Lockerungen warnen, fordert der Gaststättenverband konkrete Öffnungsschritte.

  • Corona*-Pandemie in Deutschland: Die Neuinfektionen sind in den letzten Tagen nicht mehr so stetig gesunken wie zuvor.
  • Intensivmediziner:innen warnen vor Lockerungen der Corona-Maßnahmen im März. Die Impfung* passiere derzeit dafür nicht schnell genug.
  • Die Bundesregierung bereitet einen Stufenplan für Corona-Lockerungen vor.

Berlin – Die einen fordern Lockerungen, die anderen warnen vor weiteren Öffnungen. Rund eine Woche, bevor sich die Ministerpräsident:innen von Bund und Ländern das nächste Mal beraten wollen, wie es in Deutschland in der Corona-Pandemie weitergeht, gibt es dazu stark widersprüchliche Meinungen.

Der seit Mitte Dezember geltende Corona-Lockdown ist nach aktuellem Stand bis zum 7. März befristet. Am Mittwoch kommender Woche steht deshalb die nächste Konferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Regierungschefs der Bundesländer an. Die Bundesregierung sieht angesichts zuletzt wieder gestiegener Infektionszahlen mögliche weitere Lockerungen derzeit aber skeptisch, wie ihr Sprecher Steffen Seibert deutlich machte.

Angst vor dritter Welle: Intensivmediziner warnen vor Corona-Lockerungen im März

Vor starken Lockerungen im März warnte die Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensiv- und Notfallmedizin. Deren Vorsitzender Christian Karagiannidis sagte der „Rheinischen Post“, laut Berechnungen verliefen die Impfungen noch nicht schnell genug, um eine dritte Corona-Welle zu verhindern, sollte es vor April eine Rückkehr zu einem nur leichten Lockdown wie im November geben. Bund und Länder müssten aufpassen, „das Spiel in der Verlängerung nicht zu verlieren“.

Nach Einschätzung des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach ist die dritte Welle des Coronavirus sogar bereits unaufhaltsam im Gange. „Wir sind noch nicht mitten in der dritten Infektionswelle, aber diese hat angefangen und lässt sich auch nicht mehr aufhalten“, sagte der Virologe der „Passauer Neuen Presse“.

Karl Lauterbach: Lockerungen nicht in beginnende dritte Corona-Welle hinein

Lauterbach geht deshalb davon aus, dass Öffnungsschritte verschoben werden müssen. Die von Bund und Ländern angestrebte Sieben-Tage-Inzidenz von 35 lasse sich an vielen Orten nicht mehr erreichen. „Eine Öffnungsperspektive muss kommen“, schrieb Lauterbach auf Twitter. Aber es müsse vermieden werden, in die beginnende dritte Welle hinein zu lockern und das Land so für eine schnelle, flächendeckende Verbreitung der Virus-Varianten aus Großbritannien und Südafrika zu öffnen.

Bei der Sieben-Tage-Inzidenz handelt es sich um die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb dieses Zeitraums. Der Wert war über Wochen hinweg gesunken, zuletzt aber wieder etwas gestiegen. Am Montag lag er bei 61,0, am Dienstag sank er wieder leicht auf 60,5*. Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut dem RKI-Lagebericht vom Montagabend bei 1,05. Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 105 weitere Menschen anstecken. Am Vortag hatte er noch bei 1,10 gelegen.

Viele Menschen trotz Corona-Lockdown: Die Kölner:innen zog es am Sonntag, 21. Februar, bei Sonnenschein nach draußen.

Gaststättenverband fordert Corona-Lockerungen

Trotz dieser Corona-Zahlen forderte der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) von Bund und Ländern die rasche Entwicklung von Öffnungsszenarien. Das Gastgewerbe habe jetzt „einen Anspruch auf eine realistische Öffnungsperspektive in den kommenden Wochen“, sagte Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges der „Rheinischen Post“.

Merkel fasst einen Stufenplan für den allmählichen Ausstieg aus dem Corona-Lockdown ins Auge. Nach Angaben von Teilnehmern einer CDU-Präsidiumssitzung am Montag schlug die Kanzlerin Paketlösungen für drei gesellschaftliche Bereiche* in Kombination mit vermehrten Corona-Tests vor. Merkel nannte demnach die persönlichen Kontakte, Schulen sowie Sport, Restaurants und Kultur.

Kanzlerin Angela Merkel mahnt zu Vorsicht bei Corona-Lockerungen

Die Kanzlerin mahnte allerdings auch zu großer Vorsicht bei Öffnungsschritten. Nach bisherigen Plänen könnten Geschäfte am 7. März wieder öffnen - aber nur in Regionen, wo es drei Tage in Folge nicht mehr als 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen gibt.

Regierungssprecher Seibert sagte, es gebe bereits erhebliche Öffnungsschritte bei Kitas und Schulen. Zudem sei die Zeit sinkender Infektionszahlen offensichtlich „im Moment vorbei“. Auch lägen die Anteile der gefährlicheren Varianten des Coronavirus inzwischen bei 20 bis 25 Prozent - und „wir müssen davon ausgehen, dass das weiter zunimmt“. (Friederike Meier/afp) *fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Imago / Future Image

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