Bund-Länder-Treffen

Corona-Lockerung: Kann Lauterbachs Idee von der verkürzten Quarantäne gelingen?

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will die Quarantäne für Geimpfte in systemrelevanten Berufen verkürzen. Gute Idee oder doch nur heiße Luft?

Berlin – Omikron überrollt Deutschland wie eine Flutwelle. Glaubt man der Vorhersage von zahlreichen Experten, dann dauert es nicht mehr lange, bis die Corona-Mutation Omikron in ganz Deutschland – wie in Niedersachsen – vorherrschend ist. Wegen der raschen Ausbreitung ist auch von Personalengpässen in systemrelevanten Berufen auszugehen. Zumindest, wenn sich nichts an der aktuellen Quarantäne-Regelung ändert. Es besteht also dringender Handlungsbedarf. 

Name: Karl Lauterbach
Geburtstag:21. Februar 1963 (58 Jahre alt)
Partei:SPD
Position:Bundesgesundheitsminister

Das sieht auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) ein. Im Gespräch mit dem ZDF plädiert er offen für eine Verkürzung der Quarantäne-Pflicht. Konkret soll die Quarantäne für Kontaktpersonen aus bestimmten Berufsgruppen und Geboosterte verkürzt werden. Möglich soll das wiederum eine engmaschige Testpflicht machen. Weitere Infos über die geplante Maßnahme hat Lauterbach für das Bund-Länder-Treffen an diesem Freitag angekündigt. 

Virologe Christian Drosten spricht sich für Quarantäne-Verkürzung für symptomlose Infizierte aus

Bereits im Vorfeld erhält der Bundesgesundheitsminister jedoch regen Widerspruch von Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen. In der Sendung „Frühstart“ von RTL sagte er, es müsse verhindert werden, dass eine infizierte Krankenschwester zum Risiko für Schlaganfall- und Herzinfarktpatienten wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein entsprechender Fall eintritt, ist allerdings nach derzeitigem Kenntnisstand relativ gering. Eine Freitestung soll es schließlich auch bei der neuen Quarantäneregelung geben. 

Zugegeben, auch bei einer engmaschigen Testpflicht können einzelne Fälle übersehen werden. Trotzdem ist auch Virologe Christian Drosten überzeugt, dass eine kürzere Quarantäne vertretbar ist. Zum Deutschlandfunk sagte der Experte kürzlich: „Mit einer Freitestung kann man Infizierte nach der Selbstisolationszeit durchaus auch nach weniger Tagen als bislang wieder als nicht-infektiös betrachten.“ 

Deutsche Krankenhausgesellschaft, Bundesärztekammer und Städte- und Gemeindebund für neue Quarantäne-Regelung

Wie so oft seit Beginn der Corona-Pandemie geht es auch bei der geplanten Änderung der Quarantäne-Dauer um ein Abwägen zwischen Nutzen und Risiko. Auf der einen Seite steht die Gefahr, dass Infizierte bei den Tests nicht auffallen und bei der Ausübung ihres Berufes das Virus weiter verbreiten. Auf der anderen Seite steht die Tatsache, dass wir verhindern müssen, dass das System überlastet wird, weil der Krankenstand in systemrelevanten Berufen durch die vorsorgliche Quarantäne für Kontaktpersonen alle Grenzen sprengt. 

Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts, und Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD).

Für die meisten Experten ist die Schlagrichtung deshalb klar: Die Quarantäne-Dauer muss angepasst werden. So appellierte die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) etwa für eine verkürzte Quarantäne für vollständig Geimpfte und Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer (BAK), sprach sich gegenüber dem Berliner Tagesspiegel für die Verkürzung aus. Der Städte- und Gemeindebund geht sogar noch einen Schritt weiter und wirbt für einen kompletten Verzicht auf die Quarantäne für Geboosterte ohne Krankheitssymptome. 

Coronavirus: Omikron-Variante gilt als ansteckender aber milder – und hat kürzere Inkubationszeit

Grund für die allgemeine Zustimmung sind auch die jüngsten Erkenntnisse über die neue Corona-Mutation. Die Omikron-Variante soll demnach zwar deutlich ansteckender sein, als ihre Vorgänger, dafür fällt der Krankheitsverlauf aber deutlich milder aus. Zudem deuten die wissenschaftlichen Erkenntnisse darauf hin, dass die Inkubationszeit bei fünf bis sechs Tagen liegt. Das bedeutet, dass die Krankheit früher eintritt, als beispielsweise bei der Delta-Variante. 

„Da ist es folgerichtig, die Quarantäneregeln anzupassen, verbunden mit der Möglichkeit zur Freitestung“, sagte Reinhard Hager, Präsident des Deutschen Landkreistages, angesichts der Fakten der Funke-Mediengruppe. Und auch Tino Sorge (CDU), gesundheitspolitischer Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag stärkt Lauterbach in seinem Vorhaben den Rücken: „Omikron ist anders als frühere Varianten – darum müssen auch die Quarantäneregeln angepasst wer­den“, sagte er der Welt.

USA, Großbritannien und Spanien haben Quarantäne für Geimpfte bereits verkürzt

Versuchskaninchen muss Deutschland mit diesem Vorhaben jedenfalls nicht spielen. In mehreren Ländern in Europa sowie in den USA wurde die Quarantäne-Dauer für Infizierte ohne Symptome bereits verkürzt, um die Grundversorgung der Gesellschaft weiterhin zu gewährleisten. Bisher bliebt die Maßnahme für Länder wie Großbritannien, Portugal und Spanien ohne Konsequenzen. 

Bevor Deutschland sich allerdings in diese Liste einreihen kann, müssen erst noch einige offene Fragen geklärt werden. Welche Berufsgruppen sind von der Quarantäne-Verkürzung betroffen? Wie oft müssen sich Infizierte testen lassen? Gibt es eine Sonderregelung für Arbeitnehmer, die Kontakt mit Risikogruppen haben? Und wie sehr wird die Quarantäne eigentlich verkürzt?

Antworten auf diese und weitere Fragen gibt es im besten Fall bei dem Bund-Länder-Treffen an diesem Freitag. Aber selbst, wenn Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach die Quarantäne bundesweit verkürzt, heißt das nicht zwingend, dass die Maßnahme in jedem Bundesland in Deutschland auch direkt umgesetzt wird. Denn das letzte Wort haben hier die örtlichen Behörden. Das Gesundheitsamt kennt die Lage vor Ort am besten und entscheidet entsprechend auch über die Quarantäne-Dauer. *kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld

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