Pandemie in Deutschland

Lockdown weiter möglich: Spahn will bundesweite 2G-Plus-Regel

Vierorts hat sich die Corona-Ampel wieder rot gefärbt und Intensivstationen sind voll. Wie geht es weiter in der Corona-Pandemie? Wieler und Spahn informieren über die Lage.

Berlin – Steigende Infektionszahlen, tagtäglich Höchststände und viele Landkreise, die extrem hohe Inzidenzen aufweisen: Das Coronavirus wütet in Deutschland und bereitet den Experten zunehmend Sorge. „Es ist 5 nach 12“, warnte Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts, am Freitag mit einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem geschäftsführenden Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Aufgrund der aktuellen Situation wird es wieder regelmäßig Stellungnahmen zur Corona-Lage geben, kündigte Spahn an.

Deutscher Bundesminister für Gesundheit:Jens Spahn
Geboren: 16. Mai 1980 (Alter 41 Jahre), Ahaus
Größe:1,92 m
Ehepartner:Daniel Funke (verh. 2017)

Die Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland beschleunigt sich seit einiger Zeit stark: Bundesweit kletterte die Inzidenz auf 263,7 und erreichte damit den fünften Tag in Folge einen Höchststand.

Corona: Über 48.000 neue Corona-Fälle lassen Lockdowns wieder zur Option werden

Die Gesundheitsämter registrierten binnen eines Tages etwa 48.640 neue Corona-Fälle. Aufgrund dieser Zahlen müssen regionale Lockdowns weiterhin eine Option bleiben, erklärte Spahn auf die Nachfrage eines Journalisten. Diese Maßnahmen müssten aber aufgrund einer Verhältnismäßigkeitsprüfung standhalten.

Lockdowns sind aus der Sicht der gesundheitspolitischen Sprecherin der SPD-Fraktion, Sabine Dittmar, nicht möglich und stehen in den Ampel-Gesprächen derzeit nicht zur Diskussion. Dies wäre angesichts der Impfquote auch „schwerlich durchsetzbar“, sagte sie. Dittmar verwies darauf, dass Länder und Kommunen je nach Infektionslage bereits die Möglichkeit hätten, etwa Veranstaltungen wie Weihnachtsmärkte nicht zu genehmigen. 

Corona in Deutschland: Spahn und Wieler warnen vor steigenden Corona-Fallzahlen – „3G wird nicht reichen“

Die Lage auf den Intensivstationen sei vielerorts bereits dramatisch, so Spahn. Gleichzeitig erklärte er aber, dass „beim Impfen wieder mehr Tempo“ zu sehen ist. Um Ausbrüche wieder schneller zu erkennen, werden in Deutschland wieder kostenlose Bürgertests eingeführt. „Heute werde ich ein entsprechendes Papier unterzeichnen“, erklärte Spahn.

Die Grüne hatten zuletzt bereits die Rückkehr zu kostenlosen Tests gefordert. Er verdeutlichte aber auch, dass diese Maßnahmen nicht allein ausreichen werden. So befürwortete er strengere Regeln am Arbeitsplatz – etwa durch eine 3G-Regel, also getestet, genesen oder geimpft. „Wir müssen entschlossener und schnell handeln.“

Jens Spahn, (CDU) geschäftsführender Bundesgesundheitsminister, und Lothar H. Wieler (r), Präsident des Robert Koch Institut (RKI), unterhalten sich nach einer Pressekonferenz in der Bundespressekonferenz.

2GPlus-Regel für öffentliche Veranstaltungen und Events: Spahn bemängelt fehlende 3G-Kontrollen

„Wir müssen alles tun, um diese Dynamik zu brechen“, so Spahn weiter. Sonst werde es für das ganze Land ein bitterer Dezember. Konkret sprach sich Spahn auch dafür aus, für öffentliche Veranstaltungen das Prinzip „2G plus“ einzuführen. Das würde bedeuten, dass nur Menschen Zugang bekommen, die geimpft oder genesen sind und zusätzlich einen aktuellen Text vorweisen können. 3G würde vielerorts nicht mehr ausreichen. 3G sei zudem zu oft nicht kontrolliert worden.

Impfungen in Deutschland: Tempo zuletzt wieder leicht gestiegen

Auch sei es nun notwendig, das Tempo bei Impfungen deutlich zu erhöhen. Für niedergelassene Ärzte soll es auf Basis einer neuen Verordnung, die kommende Woche in Kraft treten soll, künftig statt der bisherigen 20 Euro pro verabreichter Impfung 28 Euro als Vergütung geben. Außerdem ist ein Wochenendzuschlag von acht Euro geplant. Erfreulich sei laut Spahn, dass zuletzt das Impftempo wieder stark angestiegen ist. In dieser Woche seien mehr als 4,3 Millionen Dosen bestellt worden – viermal so viel wie noch in den Wochen zuvor.

Jens Spahn betonte die Wichtigkeit einer Ministerpräsidentenkonferenz. Die kommende Sitzung am nächsten Donnerstag mit der geschäftsführenden Kanzlerin Angela Merkel (CDU) habe die Notwendigkeit, um ein gemeinsames und bundesweites Vorgehen gegen die Pandemie abzustimmen. „So ein Treffen hätte es eigentlich schon vor drei Wochen gebraucht“, sagte Spahn.

Robert Koch-Institut-Chef Wieler: Lage ist alarmierend – „Vor uns liegen schwere Wochen und Monate“

„Vier Landkreise hatten heute eine Inzidenz über 1000“, sagte Wieler. Davon liegen drei Landkreise Bayern (Landkreis´Rottal-Inn hat eine Inzidenz von 1156, Landkreis Miesbach 1049,1 und der Landkreis Mühldorf am Inn 1023,3) und ein weiterer in Sachsen (Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge mit einer Inzidenz von 1131).

Viele andere Kreise weisen ebenfalls sehr hohe Inzidenzwerte auf. In Niedersachsen ist der Landkreis Cloppenburg mit einer Inzidenz von 308,7 der Spitzenreiter. Es sei nicht absehbar, dass sich die Lage schnell wieder bessert. „Vor uns liegen schwere Wochen und Monate“, so Wieler. Auf den Intensivstationen würden derzeit über 2800 Corona-Patienten liegen. „Die vierte Welle* trifft uns jetzt mit voller Wucht“, so Wieler und ruft Menschen in Deutschland eindringlich zur Beschränkung ihrer Kontakte auf.

Vier Landkreise hätten derzeit Inzidenzen über 1000. Vielerorts seien Kliniken und Intensivstationen inzwischen wieder an den Belastungsgrenzen. Dieses Szenario werde bundesweit ohne zusätzliche Maßnahmen eintreten, so Wieler. Am Beispiel von mehr als 50.000 Neuinfektionen pro Tag erläuterte der Präsident des Robert Koch-Instituts, wie sich die Situation auf die Krankenhäuser auswirken werde. Von den 50.000 werden im Laufe der Zeit etwa 3000 im Krankenhaus landen und etwa 200 könnten versterben.

„Das ist die Bilanz von einem Tag mit 50.000 Fällen.“ Absehbar sei dabei, dass die Ansteckungszahlen weiter ansteigen.

Wieler zu Corona: „Reduzieren Sie Ihre Kontakte“

In besonders belasteten Gebieten sei es nicht mehr ausreichend auf 2G zu setzen, erklärte Wieler. „Reduzieren Sie Ihre Kontakte“, mahnte er die Bevölkerung. Bei Großveranstaltungen sollte die Personenzahl reduziert oder ein Verbot abgewogen werden. „Wir wissen, dass insbesondere in Innenräumen sogenannte Superspreader-Events stattfinden.“ Eine weitere Möglichkeit wäre es, in besonders belasteten Regionen Bars oder Clubs wieder zu schließen.

In Bezug auf Schulkindern erklärten Spahn und WIeler, dass es bei der Impfquote bei den 12- bis 17-Jährigen gravierende Unterschiede zwischen den Ländern gebe. Auch seien die Verläufe bei Kindern stark unterschiedlich – und auch schwere Erkrankungen seien möglich, ergänzte der RKI-Chef.

Corona-Pandemie: Wieler und Spahn werben für Impfungen und Medikamente

Während in Deutschland die Quote bei den Erstimpfungen bei nunmehr 70 Prozent liegt, wächst derzeit die Hoffnung auf Fortschritte bei der Forschung von lebensrettenden Medikamenten – etwa das Medikament Molnupiravir. Zum Abschluss der Pressekonferenz erklärte Spahn: „Wir haben sichere, wirksame Impfstoffe und haben erste Medikamente, bei denen wir sehen, dass sie einen positiven Effekt haben.“ Gleichzeitig warben beide erneut, sich impfen zu lassen, da dies ein entscheidendes Mittel im Kampf gegen die Corona-Pandemie sei. *kreiszeitung.de und 24.hamburg sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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