Covid-19-Pandemie

Corona-Lage in Deutschland: Lauterbach schließt vierte Impfung nicht aus

Karl Lauterbach (SPD) und Lothar Wieler (RKI) vor einer Spritze mit dem Corona-Impfstoff von Pfizer
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Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und Lothar Wieler vom RKI informieren über Kinderimpfungen und die aktuelle Corona-Situation. (kreiszeitung.de-Montage)

Wie kommt Deutschland durch die Corona-Pandemie? Gesundheitsminister Lauterbach und RKI-Chef Wieler informieren über die Lage – vierte Impfung nicht ausgeschlossen.

Berlin – Auch wenn in Deutschland derzeit die Inzidenz im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion weiter absinkt, sind Politiker und Mediziner besorgt: Weihnachten steht unmittelbar bevor und damit einhergehend ein Anstieg der Familienbesuche und möglicherweise erneut mehr Covid-19-Infektionen. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) warnt vor Engpässen bei der Impfstoffversorgung. Gleichzeitig wirbt der Politiker für eine große Booster-Kampagne. Beim Thema Impfpflicht kommt Lauterbach zu einer zweigeteilten Meinung: Aus Sicht eines Abgeordneten sei er für eine allgemeine Impfpflicht. Aus Sicht eines Gesundheitsministers müsse man genug Impfstoff besorgen, um überhaupt eine Impfpflicht einführen zu können.

Deutscher Bundesminister für GesundheitKarl Lauterbach
Geboren: 21. Februar 1963 (Alter 58 Jahre), Düren
Partei:Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Amt:Mitglied des Deutschen Bundestages seit 2005

Corona-Lage in Deutschland: Gesundheitsminister Karl Lauterbach und RKI-Chef Lothar Wieler

Der Plan der neuen Ampel-Regierung war vor einigen Wochen ambitioniert: Bis Weihnachten sollten Millionen von Erst- und Zweitimpfungen sowie Booster-Impfungen verabreicht werden. Die Pläne waren ambitioniert, doch nun bedroht die Omikron-Virusvariante das öffentliche Leben. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und RKI-Chef Lothar Wieler informierten über die aktuelle Corona-Lage in Deutschland.

Derzeit sei es noch unklar, ob eine vierte Corona-Impfung künftig notwendig sein wird. Ob sie kommen wird, stünde noch nicht fest, erklärt Lauterbach. Selbst mit Booster-Impfung könne man bisher nur einen Schutz von 70 Prozent erreichen. Aus diesem Grund könnte es möglich sein, dass in Zukunft ein spezifischer Impfstoff gegen die Omikron-Variante notwendig sein könnte. Die schnelle Booster-Impfung sei allerdings momentan die wichtigste Strategie zur Bekämpfung der Omikron-Variante, so Lauterbach. „

Corona-Gipfel mit Lauterbach und Wieler: Engpässe bei Impfstoffversorgung wohl ab 2022

Während sich Omikron weltweit rasant ausbreitet, deutet sich in Deutschland ein Lieferengpass bei der Impfstoffversorgung an. Das deutete Lauterbach bereits am Mittwochabend im ZDF an. Demnach würden innerhalb der nächsten drei Wochen in Deutschland etwa 3,2 Millionen Dosen Biontech ausgeliefert werden. Laut Lauterbach viel zu wenig. Der neue Minister hatte zuvor schon vor einem Mangel an Impfstoff im ersten Quartal 2022 gewarnt.

„Uns sind zehn Millionen Dosen Moderna für den Dezember zugesagt. Zudem verhandle ich mit vier Ländern. Von dort stünde uns gegebenenfalls noch mehr Impfstoff zu Verfügung, der dann mithilfe der Bundeswehr abgeholt wird“, sagte Lauterbach auf die Frage eines Journalisten.  

Bundesgesundheitsminister Lauterbach über Omikron in Deutschland

Vor Omikron-Virusvariante haben derweil selbst Geimpfte und Genesene keinen optimalen Schutz. Der für das Virus empfängliche Teil der Bevölkerung dürfte sich damit im Vergleich zur Lage mit der Delta-Variante erheblich vergrößern, schätzen Experten. Bundesgesundheitsminister Lauterbach erklärte, dass Zahlen aus Großbritannien zeigen würden, dass auch eine Booster-Impfung keinen vollständigen Schutz vor einer Erkrankung liefern würde.

Eine verlässliche Impfstoffversorgung sei dennoch unumgänglich. Für eine offensive Booster-Strategie brauche man viel Impfstoff und das schnell, so Lauterbach. Nach einer Bestandsaufnahme seien für das erste Quartal 2022 bisher 50 Millionen Dosen zu erwarten, der Bedarf liege gemäß der Strategie aber bei 70 Millionen Dosen, davon 50 Millionen Booster. Um nun schnell an Impfstoff zu gelangen, würde Lauterbach bereits im Austausch mit Staaten und Herstellern stehen – etwa mit Moderna.

So will Karl Lauterbach weiter gegen die Corona-Pandemie vorgehen:

  • Gesicherte Liefermengen: 50 Millionen bis Ende März
  • Lauterbach will 80 Millionen Dosen von Biontech zusätzlich
  • Verhandlungen mit Moderna und anderen Ländern über Impfstofflieferungen
  • Vierte Impfung nicht von Lauterbach nicht ausgeschlossen
  • Experten raten uneingeschränkt zur Impfung von 12- bis 17-Jährigen
  • Wieler warnt vor Omikron an Weihnachten – Familienfeiern möglichst klein halten
  • Lauterbach sieht Booster-Kampagne als Mittel gegen Omikron-Virusvariante

Corona in Niedersachsen: Warnstufe 2 und 2G-Plus-Regeln im Alltag

In Niedersachsen gilt derweil ab Freitag Warnstufe 2. Damit treten umfängliche 2G-Plus-Regeln für den Alltag in Kraft. Über die Weihnachtsfeiertage und Silvester gilt in Niedersachsen sogar die Warnstufe 3. Ministerpräsident Stephan Weil hatte sich für eine sogenannte Weihnachtsruhe ausgesprochen, um mögliche Infektionsketten zu unterbinden. Ausgenommen von der 2G-Plus-Regel sind Geschäfte des täglichen Bedarfs, etwa Supermärkte oder Drogerien. Weiterhin geöffnet und nicht von den 2G-Plus-Regeln betroffen sind zudem körpernahe Dienstleistungen wie Friseure.

RKI-Chef Wieler und Lauterbach: Experte warnt vor Omikron

Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), hat sich dafür ausgesprochen, dass Weihnachten nur im kleinsten Kreis gefeiert werden soll. „Wir alle möchten ja die Feiertage mit Familie und Freunden verbringen, aber wir alle müssen auch gemeinsam dafür sorgen, dass Weihnachten nicht zu einem Kickstart für Omikron wird“, sagte er am Donnerstag. Weihnachten soll „nicht für das Virus ein Fest“ werden. „Verbringen Sie diese Zeit wirklich nur im kleinsten, engsten Freundes- und Familienkreis.“

Seiner Ansicht nach sei die Gefahr durch die Omikron-Virusvariante derzeit nicht einschätzbar. Dadurch, dass sie so extrem ansteckend sei, müsse man aber mit einer hohen Zahl an schweren Verläufen rechnen. „Geimpft sein ist immer besser als nicht geimpft sein, das ist völlig klar“, sagte Wieler.

Kinderimpfungen: Stiko empfiehlt Impfung für Kinder mit Vorerkrankungen

In mehreren Bundesländern sind die Kinderimpfungen für Fünf- bis Elfjährige angelaufen. Vor knapp einer Woche sagte Gesundheitsminister Lauterbach im RTL-Interview: „Das müssen die Eltern selbst entscheiden. Ich kann hier nicht für die Eltern entscheiden.“ Die Entscheidung der Stiko, dass Kinder mit Vorerkrankungen geimpft werden könne, begrüßte Lauterbach bereits in dem RTL-Interview. Während der Pressekonferenz sagte der Direktor der Kinderklinik der Uni-Köln, Jörg Dötsch, dass die neue Omikron-Mutation bei Kindern allerdings nicht so aggressiv zu sein scheint, wie zunächst angenommen.

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Der Mediziner empfahl die Impfung für 12- bis 17-Jährige. Der Nutzen würde die Risiken in allen Belangen überwiegen. Kinder unter zwölf mit Asthma sollten unbedingt geimpft werden. Er machte aber auch deutlich, dass er sich ein größeres Tempo bei solchen Entscheidungen wünsche, um auf die Dynamik der Pandemie reagieren zu können. Eine Booster-Impfung kann derweil genauso in die Corona-Warn-App und CovPass eingetragen werden, wie Erst- und Zweitimpfungen.

Allgemeine Impfpflicht in Deutschland: FDP-Mitglieder stellen sich gegen mögliche Impfpflicht

Während sich der Gesundheitsminister um den weiteren Verlauf der Corona-Pandemie in Deutschland sorgt, haben Fraktionsmitglieder der FDP im Bundestag ein Papier vorlegt, das sich deutlich gegen eine allgemeine Impfpflicht in Deutschland ausspricht. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte jüngst erklärt, dass er ein entsprechendes Gesetz befürworten würde – dies hatte unter anderem bei der AfD für viel Kritik gesorgt.

Die AfD-Fraktion kündigte indes an, gegen die einrichtungsbezogene Impfpflicht juristisch vorzugehen. Das gesamte Gesetz sei verfassungswidrig und man werde das als Fraktion entsprechend angreifen, sagte Co-Fraktionschefin Alice Weidel am Mittwoch. Unterstützer des FDP-Antrags gegen eine allgemeine Impfpflicht in Deutschland war auch Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP).

Karl Lauterbach will verstärkt auf Wissenschaftler hören

Karl Lauterbach beerbte vergangene Woche den CDU-Politiker Jens Spahn als Bundesgesundheitsminister Deutschlands. Gegenwärtig steht seine Arbeit unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Auch wenn die vierte Welle n Deutschland momentan etwas abflaut, sehen Lauterbach und führende Wissenschaftler weiter großen Handlungsbedarf. Der Rheinischen Post sagte er vor einigen Tagen: „Der stärkere Einbezug der Wissenschaft wird meine Arbeit prägen. Der Austausch mit den früheren Kolleginnen und Kollegen wird Basis meines Krisenmanagements und der gesamten Bundesregierung sein.“ Gerade in dieser schwierigen Phase komme der Einschätzung des Expertenrates eine ganz zentrale Rolle zu. *kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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