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Corona-Herbst 2022: Lauterbach befürchtet „katastrophale Situation“ und will Maßnahmen

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Von: Carolin Gehrmann

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Der Bundesgesundheitsminister rechnet mit katastrophalen Zuständen im Herbst – ohne rechtzeitige neue Maßnahmen gegen das Coronavirus. Diese seien aber auf dem Weg. Man sei vorbereitet, betont er.

Washington – Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) zeichnet während seines Besuchs in der US-Hauptstadt Washington ein düsteres Bild für den Corona-Herbst 2022, was die Corona-Situation hierzulande betrifft. Sollten bis dahin von der Politik keine wirkungsvollen Maßnahmen gegen das Virus beschlossen werden, könnten uns katastrophale Zustände drohen. Das ist auch die Einschätzung des Ministers: „Wenn wir so wie jetzt in den Herbst hineingingen, also ohne weitere Schutzmaßnahmen, ohne Masken, ohne alles, dann würde das bedeuten, dass die Fallzahlen stark steigen würden, aber auch die Intensivstationen überlastet würden“, sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.

„Wie eine Kerze, die an beiden Enden brennt“: Angesichts des Corona-Herbstes mahnt Lauterbach zur Vorsicht

Je mehr Menschen im Corona-Herbst 2022 erkranken würden, desto mehr medizinisches Personal wäre im Umkehrschluss auch selbst von Infektionen betroffen und würden ausfallen. Die medizinische Versorgungslage würde dann immer dünner, während gleichzeitig die Stationen wieder voller würden. „Das ist wie eine Kerze, die an beiden Enden brennt“, warnte Lauterbach eindringlich. Unten brenne das Personal weg und oben die Patienten, macht Lauterbach deutlich.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach vor Pressewand
Lauterbach macht sich Sorgen, was im Herbst auf die Kliniken zukommt. Ohne Maßnahmen sieht er „katastrophale“ Zustände. © Fabian Sommer/dpa

Gleichzeitig betone der Gesundheitsminister aber auch: „Wir werden vorbereitet sein.“ Damit meint er ein geplantes Maßnahmenpaket, das noch vor dem Herbst auf den Weg gebracht werden soll und über das während der Sommerpause beraten wird. Wie das konkret aussehen soll, wollte Lauterbach nicht vertiefen, es gebe derzeit vertrauliche Verhandlungen etwa mit dem FDP-geführten Justizministerium. Sie dürften sich aber sehr wahrscheinlich in vielen Aspekten mit dem Sieben-Punkte-Plan, den der Gesundheitsminister im Juni vorgestellt hat, decken. Bis zum 23. September, wenn die aktuellen Regelungen zum Infektionsschutz auslaufen, wolle die Regierung neue beschlossen haben.

Corona-Herbst 2022: Furcht vor katastrophalen Zustände auf den Intensivstationen wächst

Derzeit läuft das tägliche Leben nahezu wieder wie vor der Pandemie: Masken- und Homeofficepflicht sind so gut wie aufgehoben, Veranstaltungen und Gastronomiebetriebe können wieder ohne vorherige Tests besucht werden, die sogenannten Bürgertests in den Testzentren sind inzwischen sogar kostenpflichtig geworden – all das hat wohl mit dazu beigetragen, dass sich die derzeit so massiv um sich greifende Corona-Sommerwelle so ausbreiten konnte. Die Zeichen stehen bei den meisten Menschen auf Sommer, Freiheit und Spaß – keiner denkt an den Corona-Herbst 2022. Doch die Unbeschwertheit könnte schon in wenigen Wochen umschlagen, wenn die Herbstwelle anrollt.

Corona-Sommerwelle: Kein Ende in Sicht – Neuer Schub nach den Sommerferien durch Reiserückkehrer erwartet

Das Ende des Sommers kommt unweigerlich auf Deutschland zu, bei kühleren Temperaturen werden die Fallzahlen noch weiter steigen. Aber auch jetzt sind sie dafür, dass sich die Bundesrepublik gerade eigentlich im Hochsommer befindet, schon ungewöhnlich hoch. Die Sommerwelle ist im dritten Pandemiejahr ein neues Phänomen – sonst waren die Infektionen in der warmen Jahreszeit immer zurückgegangen. Doch diese Welle hat es in sich und es scheint noch kein Ende in Sicht.

Auch das Auftreten der neuen Omikronvarianten mit hohem Immunfluchtpotenzial wie BA.5 und BA 2.75 hat erheblich zu der derzeitigen Situation beigetragen. Wie der NDR berichtet, wächst der Anteil der Infektionen mit dem Omikron-Subtypen, der seit Mitte Juni dominant ist und sich durch sehr hohe Übertragbarkeit auszeichnet, immer weiter an. Mittlerweile liegt er laut dem Wochenbericht des Robert-Koch-Instituts bei 87 Prozent.

Omikron-Subtypen schieben Sommerwelle an: Schon jetzt hohe Inzidenzen – Angst vor Corona-Herbst wächst

Nach Modellierungen eines Teams von der Technischen Universität Berlin befindet sich die Sommerwelle durch die Schulferien derzeit sogar in einer Art „Ruhephase“. Danach zeichnet sich aber die Tendenz ab, dass sie durch die Reiserückkehrer und die vielen Kontakte in Schulen, Kitas und Arbeitsstätten wieder zu einem erheblichen Schub kommen wird, wie die dpa berichtet. Zudem könnten durch die neuen Varianten viele Menschen erneut erkranken, die bereits zuvor infiziert waren, erklärt Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen gegenüber der dpa.

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„Man kann sich also nicht sonderlich sicher fühlen in Bezug auf Infektionen im Winter, wenn man jetzt im Sommer infiziert war, es gibt ganz klar Re-Infektionen“, sagte Zeeb. Die bundesweite Inzidenz liegt am Freitag, dem 22.07.2022, laut Robert-Koch-Institut bei 729,3 Fällen pro 100.000 Einwohner. In Niedersachsen liegt sie mit 883,4 deutlich darüber. Bremen steht mit 716 etwas besser da. Allgemein wird die Dunkelziffer, auch aufgrund der weggefallenen kostenlosen Testmöglichkeiten, aber als weit höher eingeschätzt, wie unter anderem die Süddeutsche Zeitung und das ZDF erklären.

Corona-Herbst 2022: Neue Maßnahmen sollen noch vor dem 23. September kommen

Daher scheint schon jetzt klar: Neue Maßnahmen müssen wohl oder übel her, wenn die Katastrophe im Corona-Herbst 2022, vor der Lauterbach so eindringlich warnt, noch abgewendet werden soll. Wie diese aussehen könnten? Unstrittig ist wohl, dass es eine erneute Maskenpflicht in Innenräumen geben könnte. Zuletzt hatte sich auch der Bundesjustizminister Marco Buschmann von der FDP, die im Frühjahr ja stark für ein Fallenlassen der Maßnahmen eingetreten war, positiv geäußert, diesen Schritt mit tragen zu wollen.

Karl Lauterbach hatte außerdem im Rahmen seines Sieben-Punkte-Plans außerdem erklärt, dass man vor allem darauf setzen wolle, die Impflücke weiter zu schließen. Welche Rolle dabei im Herbst schon speziell auf die Omikron-Variante angepasste Impfstoffe spielen könnten, ist derzeit noch unklar. Ein weiteres wichtiges Element für Lauterbach ist der verbesserte Einsatz von Medikamenten, die gegen eine Covid-19-Infektion wirken, sowie der digitale Ausbau von Kliniken und Gesundheitseinrichtungen.

Lauterbach in den USA: Gespräch mit Fachleuten über Coronavirus – Warnung vor Corona-Herbst

Gesundheitsminister Lauterbach war in die USA gereist, um sich dort mit anderen Fachleuten über den Kampf gegen das Corona-Virus auszutauschen und darüber zu beraten, wie man sich am besten auf künftige Pandemien vorbereiten könnte. Er traf sich mit dem Immunologen und Pandemie-Berater des US-Präsidenten, Anthony Fauci. Am Freitag will er an der Elite-Universität Harvard eine Ansprache halten und eine Produktionsstätte des Impfstoffherstellers Moderna in Norwood im Bundesstaat Massachusetts besuchen.

US-Präsident Biden kämpft derzeit selbst mit einer Corona-Infektion. Karl Lauterbach zeigte sich gegenüber der dpa aber zuversichtlich, dass der Präsident seine Infektion gut überstehen werde, da er vierfach geimpft sei und außerdem schnell das Medikament Pavloxid erhalten habe. Lauterbach würde sich wünschen, dass auch in Deutschland bei Corona-Infektionen bald stärker auf dieses Medikament gesetzt würde. „Das ist etwas, was wir hinbekommen müssen, weil das würde viele Menschenleben retten“, lautete seine Einschätzung.

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