Vergleich mit der DDR

„Corona-Diktatur“: Experte verurteilt Sprache von Querdenkern

Zu sehen sind ein Schild mit der Aufschrift „Nie wieder Diktatur“, das sich auf die Corona-Regeln bezieht sowie der Ex-DDR-Bürgerrechtler Tom Sello.
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Bei Protesten gegen die Pandemie-Maßnahmen fällt oftmals der Begriff „Corona-Diktatur“. Daran stört sich Tom Sello, ehemaliger DDR-Bürgerrechtler. (kreiszeitung.de-Montage)

Immer wieder wird auf Demos gegen die Corona-Regeln protestiert. In diesem Zusammenhang wird über die „Corona-Diktatur“ geschimpft. Ein irreführender Begriff.

Berlin – Die Mehrheit der Bundesbürger hält sich an die immer wieder angepassten Corona-Regeln – und die Verstöße durch „schwarze Schafe“ bleiben im Gedächtnis. Es sind die bundesweiten Proteste gegen Pandemie-Maßnahmen, die medial für große Empörung sorgen. Nicht zuletzt die von Corona-Leugnern, Impfgegnern und Verschwörungstheoretikern verwendete Sprache polarisiert. Vor allem die Bezeichnung „Corona-Diktatur“ stößt dabei negativ auf.

Staat:Deutsche Demokratische Republik
Hauptstadt:Ost-Berlin
Gegründet:7. Oktober 1949
Fläche:108.333 km²
Auflösungsdatum:3. Oktober 1990
Staatliche Struktur:Diktatur, Sozialistischer Staat, Parlamentarische Republik

„Corona-Diktatur“: Sprachgebrauch der Verschwörungstheoretiker in der Kritik – Unterschiede zwischen Demokratie und Diktatur müssten herausgestellt werden

Ein Begriff, der von Tom Sello kritisiert wird. Der Berliner Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur stört sich vor allem an der Verharmlosung des Begriffs „Diktatur“. „Ich bin sehr dafür, dass man die Verhältnisse in einer Demokratie und einer Diktatur vergleicht, aber dabei muss man klar die Unterschiede herausstellen“, sagt Sello gegenüber der dpa.

Denn in der Bundesrepublik Deutschland (BRD) seien Meinungsäußerungen, Versammlungen sowie die Gründung von Vereinen möglich – anders als früher in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). „Menschen, die das gleichsetzen, verkennen eben nicht nur unsere heutigen Verhältnisse, sondern die verharmlosen auch die Diktatur. Sie tun den Menschen Unrecht, die in Diktaturen leben und unter diesen Verhältnissen leiden“, kritisiert Sello.

Extreme Äußerungen, gewaltsame Übergriffe, Missachtung der Corona-Regeln: Proteste gegen Pandemie-Maßnahmen polarisieren

Zum Hintergrund: Der Begriff der „Corona-Diktatur“ wird bei Protesten gegen die Pandemie-Auflagen immer wieder verwendet. Die Personengruppen, die an solchen Aufmärschen teilnehmen, fordern zudem die Absetzung der Bundesregierung, aber auch die Überwindung des politischen Systems.

Aufgrund extremer Äußerungen, gewaltsamer Übergriffe und strikter Missachtung der Corona-Regeln im Rahmen dieser Proteste wird gar erwägt, ob der Messenger-Dienst Telegram abgeschafft werden soll. Auf dieser Plattform würden sich die Corona-Leugner nämlich laut Boris Pistorius (SPD), Innenminister von Niedersachsen, bevorzugt organisieren.

Experte nennt DDR als Beispiel, warum Demokratie so wichtig ist

Ein Rückblick auf die DDR-Geschichte würde laut Tom Sello zeigen, warum der Einsatz für die Demokratie so wichtig sei. Der Berliner Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur lobt die Pläne der Ampel-Koalition im Bund und der rot-grün-roten Landesregierung in Berlin.

Damit bezieht sich Sello auf das Vorhaben, historische Orte für die Gedenkbarkeit zu sichern. Hierunter fallen beispielsweise die ehemalige Stasi-Zentrale in Lichtenberg sowie das frühere DDR-Polizeigefängnis in der Berliner Keibelstraße.

„Entwicklung historischer Orte ist besonders wichtig“ – damit junge Menschen ohne Diktatur-Erfahrung erreicht werden

Für Sello steht fest: „Die Entwicklung historischer Orte ist besonders wichtig, weil es immer weniger Zeitzeugen gibt und man vor allem junge Leute auch künftig erreichen muss, die keine eigene Diktatur-Erfahrung haben“. Laut dem früheren DDR-Bürgerrechtler werde die Entwicklung der beiden historischen Orte für die Öffentlichkeit aber zehn bis 15 Jahre in Anspruch nehmen.

Damit kann Menschen geholfen werden, die rehabilitiert wurden, aber bei allen Hilfsleistungen durch das Raster fallen und sich in einer finanziell oder gesundheitlich schwierigen Situation befinden.

Ex-DDR-Bürgerrechtler Tom Sello spricht über den Plan der Ampel-Koalition, einen bundesweiten Härtefallfonds für ehemalige Verfolgte der SED-Diktatur einzurichten

Eines will Sello zum Schluss aber nicht unerwähnt lassen: „Schade finde ich, dass im Berliner Koalitionsvertrag von Rot-Grün-Rot sowohl der kommende 70. Jahrestag des 17. Juni 1953 im Jahr 2023 als auch 35 Jahre Mauerfall 2024 nicht erwähnt sind. Aber ich gehe davon aus, dass Berlin beides nicht vergessen wird“. Wie auch nicht vergessen werden sollte, worin sich Demokratie und Diktatur ganz eklatant unterscheiden. (Mit Material der dpa) * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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