Kampf gegen Corona

„Impfen statt Golfen“: Ärzte empfinden Laumann-Spruch als Ohrfeige

Die Corona-Zahlen explodieren. Doch impfen die Hausärzte schnell genug? NRW-Gesundheitsminister Laumann lässt Zweifel erkennen – und tritt Empörungswelle los.

Berlin – Ansturm auf die Booster-Impfungen: Der Kampf gegen das Corona-Virus ist erneut zu einem verzweifelten Wettlauf mit der Zeit geworden. Deshalb hat NRW-Gesundheitsminister Karl Josef Laumann (CDU) die Hausärzte zu einem größeren Engagement aufgefordert und ihnen unverhohlen Untätigkeit vorgeworfen. „Die Hausärzte müssen jetzt mehr impfen, sie wollten das ja“, sagte Laumann laut einem Bericht der Ärztezeitung. „Statt Golfplatz am Samstag Impfen am Samstag.“ In der Ärzteschaft löste der Spruch umgehend eine gewaltige Empörungswelle aus.

Deutscher Politiker:Karl-Josef Laumann
Partei:CDU
Alter:64 Jahre
Aktuelles Amt:NRW-Gesundheitsminister

Das Impf-Thema drängt sich derzeit wieder brutal in den Vordergrund. Die Inzidenzwerte erreichen bundesweit täglich neue Höchststände, auch in Bremen und Niedersachsen. Bund und Länder versuchen derzeit, die Impfquote wieder stärker anzukurbeln und zusätzlich auch die bereits vollständig Geimpften mit einer dritten Booster-Impfung zu schützen. So empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) derzeit den Menschen ab 70 Jahre, spätestens sechs Monate nach der Zweitimpfung eine Auffrischung. Es wird erwartet, dass die Empfehlung am Mittwoch, 17. November 2021, auf alle Geimpften ab 18 Jahre erweitert wird.

Booster-Impfung: NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann verärgert die Hausärzte im Kampf gegen Corona

Doch anderes als in der dritten Corona-Welle sind derzeit in allen Bundesländern die Impfzentren geschlossen. Deshalb bleiben für die Versorgung der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger erst einmal nur die Arztpraxen. Dementsprechend bereiten sich die Hausärzte auf einen regelrechten Ansturm vor. „Die Leute haben Angst und wollen so schnell wie möglich die Booster-Impfung bekommen“, sagte die Tübingener Pandemiebeauftragte Lisa Federle zu focus online. In den Praxen ständen die Telefone nicht still.

Zu viel Golfen ist ihm derzeit ein Dorn im Auge: NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) kritisiert in der Corona-Krise die Ärzte. (kreiszeitung.de-Montage)

Dementsprechend sauer reagierten die Ärzte auch auf den Laumann-Spruch. Was der Gesundheitsminister von sich gegeben habe, sei „eine bodenlose Frechheit“, beschwerte sich ein Mediziner bei Twitter. „Alle arbeiten am Anschlag, und anstatt schneller Hilfen und Aktionen kommen verbale Ohrfeigen.“ Ein anderer meinte: „Die Politik liefert nicht, die Scherben dürfen andere zusammenkehren.“ Offenbar habe der Minister schon länger keinen Fuß mehr in eine Praxis gesetzt. „Denn dort arbeiten alle am Limit“, schrieb ein Nutzer.

Corona: Ärzte sollen schneller impfen – bei Twitter ist die Empörung riesengroß

Die Stimmungslage ist explosiv. Denn zusätzlich zu dem normalen Ansturm hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Situation zuletzt eher befeuert als beruhigt. So hatte er dafür plädiert, die Impfauffrischung vielleicht sogar vorzuziehen und die dritte Spritze vielleicht sogar schon nach vier und nicht erst nach sechs Monaten zu verabreichen – und zwar für alle ab 18 Jahre.

Der Deutsche Hausärzteverband lehnt das aber ab. Es wird befürchtet, dass dadurch die Lage unkontrollierbar wird. „Diskussionen darüber, die ganze Bevölkerung quasi gleichzeitig ein drittes Mal zu impfen, helfen in der Impfkampagne nicht weiter“, warnte Verbandschef Ulrich Weigeldt laut der Rheinischen Post.

Booster-Impfung: Wie ist die Reihenfolge und wann bin ich dran? Antworten zur Terminvergabe

Denn jüngere und gesündere Menschen seien in der Regel auch sechs Monate nach der zweiten Impfung gut geschützt und könnten gegebenenfalls auch ohne Probleme etwas später die Booster-Impfung bekommen. Deshalb plädiert der Verband weiterhin für das Festhalten an der Impfreihenfolge. „Die Hektik durch eine desolate Krisenkommunikation“. führe nur „zu unnötigem Stress in den hausärztlichen Praxen“, sagte Weigeldt.

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Dennoch bleiben viele Fragen für die Patienten offen. Wann für welche Gruppe tatsächlich eine Booster-Impfung sinnvoll ist, zeigt dabei die Übersicht von kreiszeitung.de. Alle Fragen und Antworten zur Terminvergabe finden Sie hier. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Christoph Schmidt/Fabian Strauch/dpa

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