Abschied aus dem heute-journal

Claus Kleber verlässt heute-journal: „Sie haben Deutschland ein bisschen klüger gemacht“

Mit seinem Abschied endet eine Ära beim heute-journal: Für Claus Kleber schließt sich das Kapitel als Nachrichtenmoderator, doch nicht als Journalist.

Mainz – Nach 2977 Sendungen ist Schluss für Claus Kleber im heute-journal, mit ihm geht eine Konstante der Nachrichtenwelt. Zum Abschied zeigt sich Europas Journalist des Jahres 2019 besorgt über den Zustand des Journalismus. Um 21.45 grüßt er die Zuschauer nun das letzte Mal, wohl mit einer ordentlichen Portion Wehmut. Für Kleber beginnt damit ein neuer Lebensabschnitt.

Name:Claus Kleber
Beruf:Nachrichtenmoderator, Buchautor, Journalist
Geburtsort:Reutlingen

Claus Kleber verlässt nach 2977 Sendungen das heute-journal

Es sind nicht mehr ganz 3000 geworden: Nach 2977 Sendungen verlässt der ZDF-Anchorman Claus Kleber das heute-journal. Für den Nachrichtenmoderator beginnt damit ein neuer Lebensabschnitt, in dem soziales Leben und Freundschaften mehr in den Mittelpunkt rücken sollen, wie er der dpa mitteilte. Es ist eine Umstellung, die Kleber Zeit kosten wird, trotzdem freut er sich über „mehr als 160 Abende im Jahr, die plötzlich frei sind“.

Das neue Jahr bringt Veränderungen, wie es auch dieses hat. Viel ist an diesem Neujahr anders – In Niedersachsen gelten an Silvester besondere Regeln, während Bremen ebenfalls Warnstufe 3 ausruft. Auch das Fernsehgeschäft ändert sich mit dem Jahreswechsel: Schon am Silvesterabend wird Claus Kleber nicht mehr grüßen und über die Lage der Welt informieren.

Claus Kleber verlässt nach ZDF-„heute-journals“. Heute ist seine letzte Sendung.

Mit seiner letzten Sendung am 30. Dezember übergibt der 66-Jährige die Leitung des heute-journals an Christian Sievert und schließt damit ein Kapitel. Dieses Kapitel hatte trotz vielen Höhen auch einige Tiefen: 2012 wurde Kleber scharf kritisiert, weil er dem damaligen iranischen Staatspräsidenten Ahmadinedschad nicht widersprach, als dieser den Holocaust leugnete. Dem Tagesspiegel erklärte er später, er habe eine Debatte über den Holocaust vermeiden und Ahmadinedschad keinen Raum für weitere Äußerungen zu dem Thema geben wollen.

Ende beim heute-journal: Zum Abschied äußert sich Claus Kleber kritisch über den Zustand des Journalismus

In einem Interview mit der Zeit schlug Kleber kurz vor dem Ende seiner Tätigkeit beim heute-journal kritische Töne an. Der ZDF-Anchorman erklärte eine seiner Kernprämissen: „Ideologie vergiftet den Journalismus“. Kritik richtete er dabei besonders an Moderatorinnen und Moderatoren im Hörfunk. Kleber sagte, es ließe ihm „die Hutschnur hochgehen, mit welcher Selbstverständlichkeit da Urteile abgegeben werden von Leuten, die sich erkennbar mit der Sache nie vertieft beschäftigt haben“.

Kleber tritt nun ab aus dem heute-journal, doch keineswegs als Journalist. Seine Neugier ist auch nach vielen Jahren in der Branche nicht gestillt: Der ZDF-Mann will weiterhin Dokumentationen drehen. Für ihn schließen sich mit dem heutigen Abend die Türen des Studios am Mainzer Lerchenberg, keineswegs jedoch die des Journalismus, dem sich Kleber mit Haut und Haaren verschrieben hat.

Robert Habeck dankt Claus Kleber für „19 Jahre scharfe Fragen“

Robert Habeck zollte dem Nachrichtenmoderator an dessen vorletztem Tag im Dienst noch einmal Respekt. Im Anschluss an ein Gespräch, was er mit Kleber zu verfehlten Klimazielen und Atomausstieg* führte, richtete er einen Dank an den heute-journal-Moderator. Nachdem dieser sich bei dem Grünenpolitiker für das Gespräch bedankt hatte, sagte Habeck: „Ich danke Ihnen und ich danke Ihnen für 19-Jahre scharfe Fragen. Ich glaube, Sie haben Deutschland ein bisschen klüger gemacht. Vielen Dank Herr Kleber“. Auch in der Politik ist die Wertschätzung für den Journalisten Claus Kleber groß.

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Habeck hat recht: Nach über zwei Jahrzehnten verlässt eine Institution des Nachrichtengeschäfts das heute-journal. Kleber wird fehlen. Das letzte „Guten Abend“ um 21.45 ist auch für den nicht immer, doch meist besonnenen Journalisten Claus Kleber ein emotionaler Moment. Der dpa verriet er, er wolle versuchen, cool zu bleiben, glaube aber nicht daran, das hinzukriegen. Nach bald zwanzig Jahren heute-journal, wäre das sein gutes Recht. *kreiszeitung.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Klaus Weddig/ZDF/dpa

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