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Minister Özdemir: „Weniger Fleisch zu essen, wäre ein Beitrag gegen Herrn Putin“

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Von: Marius Epp

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Erst Tankrabatt, jetzt Brotrabatt? Der Ukraine-Krieg macht Lebensmittel teurer. Landwirtschaftsminister Cem Özdemir erwägt Entlastungen – außer beim Fleischkonsum.

Berlin - In Deutschland wurde zuletzt viel über Benzin, Öl und Gas gesprochen. Aber auch andere Rohstoffe könnten aufgrund des Ukraine-Kriegs knapp und teuer werden. Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) warnt vor den Folgen der Krise auf den Lebensmittelmarkt.

Deutscher Politiker:Cem Özdemir
Geboren:21. Dezember 1965 (Alter 56 Jahre), Bad Urach
Amt:Landwirtschaftsminister
Partei:Bündnis 90/Die Grünen

So denkt Özdemir im Interview mit dem „Spiegel“ laut über Entlastungen der Bürger in puncto Lebensmittel nach. „Man muss davon ausgehen, dass manche Lebensmittel teurer werden“, stellt er klar. „Längst nicht jeder hat ein Auto, aber jeder muss sich ernähren. Deshalb muss man sich schon fragen, ob eine Entlastung hier nicht zielgerichteter ist als beim Benzinpreis.“ Momentan ist nämlich ein „Mobilitätsgeld“ im Gespräch.

Ukraine-Krieg macht Lebensmittel teurer – Özdemir sieht ein Problem im Fleischkonsum

Welche Lebensmittel könnten betroffen sein? Neben Sonnenblumenöl und Mais werden wohl vorrangig alle Weizenprodukte in naher Zukunft teurer. Russland ist der größte, die Ukraine der fünftgrößte Weizenexporteur der Welt. Aldi machte die Auswirkungen auf die Preise schon sichtbar – und verteuerte laut der „Lebensmittel Zeitung“ gleich 400 Artikel.

Cem Özdemir (Grüne) auf einem Feld.
Cem Özdemir (Grüne) will auf die steigenden Lebensmittelpreise reagieren. © Soeren Stache/dpa

Özdemir benennt ein weiteres Problem: Fast 60 Prozent der deutschen Getreideproduktion enden als Tierfutter. „Weniger Fleisch zu essen, wäre ein Beitrag gegen Herrn Putin“, lautet sein Rat an die Bürger. Er wolle das System der Fleischerzeugung von Kopf auf die Füße stellen. „Wenn von einem Euro für Schweinefleisch nur 21 Cent beim Erzeuger landen, dann ist das absurd.“

Russland-Ukraine-Krieg „verändert die globale Rohstoffverfügbarkeit dramatisch“

„Der Krieg gegen die Ukraine verändert die globale Rohstoffverfügbarkeit dramatisch“, sagt auch Henning Ehlers, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV). Auf EU-Ebene wird derweil diskutiert, einige Umweltauflagen bei der Lebensmittelproduktion auszusetzen, um mehr Ertrag zu generieren. Was Grünen-Politiker Özdemir von dieser Idee hält, dürfte die meisten nicht vor ein Rätsel stellen. Er bezeichnete sie als „Holzweg“.

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Trotz der angespannten Lage auf dem Lebensmittelmarkt muss laut Özdemir aber nicht gehamstert werden. „Wir können uns mit Lebensmitteln selbst versorgen, Gott sei Dank. Auch in der Europäischen Union ist die Lebensmittelversorgung gesichert, da muss sich niemand Sorgen machen.“ Das gilt für Deutschland – doch in anderen Ländern kann es dramatisch werden.

Laut dem Ökonomen Matin Qaim könnte der Krieg in der Ukraine bis zu 100 Millionen Menschen in den Hunger treiben. Am heftigsten werden die ärmsten Länder wie zum Beispiel Somalia, der Tschad oder Bangladesch betroffen sein. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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