Machtkampf

CDU-Vorsitz: Der Überraschungskandidat – wer ist Helge Braun?

Kanzleramtschef und Corona-Reizfigur: Offenbar erwägt Helge Braun eine Kandidatur für den CDU-Vorsitz. Er wäre der sechse Mann im Rennen. Doch wer ist er?

Berlin – Die Neuaufstellung in der CDU gewinnt an Dynamik: So mischt ein neuer Personalvorschlag jetzt den Machtkampf auf. So soll offenbar Kanzleramtschef Helge Braun intern seine Chancen auf den Parteivorsitz ausloten. Bei Bildungsstaatssekretär Michael Meister stieß die mögliche Kandidatur bereits auf große Zustimmung. Braun sei „ein kluger Kopf mit Ideen für die Zukunft. Er kann präzise Botschaften formulieren und durchdringt komplexe Sachverhalte“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Doch das Frauenproblem der Union löst sich dadurch nicht. Braun wäre der sechste männliche Kandidat.

Deutscher Politiker:Helge Braun
Partei:CDU
Aktuelles Amt:Kanzleramtschef
Privat:verheiratet, keine Kinder

Die CDU plant derzeit den Neuanfang. Nach der Schlappe bei der Bundestagswahl soll der Bundesvorstand komplett neu aufgestellt werden. Ein Parteitag in Hannover soll Ende Januar einen Nachfolger für den gescheiterten Kanzlerkandidaten Armin Laschet wählen. Seit Samstag läuft die offizielle Bewerbungsfrist. Konkret haben dem Vernehmen nach noch keine Kandidaten ihre Bewerbung eingereicht. Doch Ex-Fraktionschef Friedrich Merz, Außenpolitiker Norbert Röttgen, Bundestagsfraktionsvize Carsten Linnemann, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Fraktionschef Ralph Brinkhaus gelten als heiße Anwärter.

CDU-Vorsitz: Wer wird Laschet-Nachfolger? Kanzleramtschef Helge Braun sondiert seine Chance

Die Kandidaten stammen alle aus Nordrhein-Westfalen – sehr zum Verdruss des hessischen Landesverbandes. Mit Braun wollen sie offenbar nun einen eigenen Mann ins Rennen schicken. Offiziell bestätigt wurde das noch nicht. Aber ein Interview des Kanzleramtschefs ließ bereits aufhorchen. Es brauche bei der Mitgliederbefragung ein Kandidatenfeld mit „echten Alternativen“, hatte Braun kürzlich der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gesagt.

Stiehlt er Friedrich Merz die Show? Kanzleramtschef Helge Braun will CDU-Vorsitzender werden. (Montage von kreiszeitung.de)

Im Gegensatz zu Merz, Spahn oder Röttgen, die sich allesamt bereits früher schon einmal um den Vorsitz beworben hatten, wäre Braun möglicherweise diese Alternative. Der 49-jährige Gießener, verheiratet, keine Kinder, gilt in der Partei als gut vernetzt. Schon alleine qua Amt wurde er in den vergangenen Jahren zu einem politischen Schwergewicht. Der Mediziner, der seit 2009 im Bundestag sitzt, wurde vor vier Jahren Kanzleramtschef und einer der wichtigsten Vertrauten von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

CDU-Vorsitzender: Ob Merz oder Röttgen – bislang greifen nur Männer nach der Macht

Für die Regierungschefin organisierte er die Macht – und wurde in den vergangenen Jahren mitunter zum Gesicht in der Corona-Pandemie. Dabei machte er sich nicht nur Freunde. Früh sprach er sich für ein drastisches Vorgehen im Kampf gegen das Coronavirus aus und setzte sich entschieden für einen strikten Lockdown ein, der auch die Schließung von Kitas und Schulen beinhaltete. Insbesondere bei Elternverbänden, Kinder- und Jugendpsychiatern löste das zeitweilig wütende Proteste aus.

Inwieweit Braun wirklich Chancen auf den Vorsitz hat, bleibt abzuwarten. Der hessische Landesverband ist äußerst einflussreich. Ministerpräsident Volker Bouffier hatte bereits bei der Wahl von Armin Laschet als Parteichef und Kanzlerkandidat ein gehöriges Wort mitgeredet. Am Freitag soll sich nach einem Bericht von Spiegel Online der Landesvorstand mit einer Kandidatur von Braun beschäftigen. Die Entscheidung wird durchaus mit Spannung erwartet, weil sie Vorbildcharakter haben könnte. So ist es nicht ausgeschlossen, dass sich danach auch andere Landesverbände zu einem eigenen Personalvorschlag ermuntert fühlen könnten, um den NRW-Machtblock um Merz und Röttgen zu brechen.

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Weiterhin ungeklärt bliebe aber die Frage, wie in der Partei auch die Frauen mehr Einfluss gewinnen könnten. Bislang wollte sich keine Kandidatin aufstellen lassen, weder Bundesvize Silvia Breher noch Karin Prien. Doch die schleswig-holsteinische Bildungsministerin will zumindest stellvertretende Parteivorsitzende werden. In dieser Position wolle sie ihre „Erfahrungen und Perspektiven gerne in das neue CDU-Präsidium einbringen“, sagte sie dem RND. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/Sebastian Willnow/dpa

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