Machtkampf

CDU-Vorsitz: Braun und Röttgen greifen nach Laschet-Posten

Die Überraschung ist perfekt: Helge Braun kandidiert für den CDU-Vorsitz – als erster offizieller Bewerber um die Laschet-Nachfolge. Aber Röttgen will nachziehen.

Berlin – Spekulation beendet: Der scheidende Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) will Parteivorsitzender werden. Der Merkel-Vertraute soll als erster Bewerber offiziell seine Kandidatur eingereicht haben. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Wie ein Sprecher demnach ankündigte, soll Braun bereits am Freitag von seinem hessischen Heimatverband in Gießen als Kandidat nominiert werden. Zuvor werde der 49-Jährige seine Beweggründe auf einer Landesvorstandssitzung darlegen, hieß es. Außenpolitiker Norbert Röttgen will aber ebenfalls in den Ring steigen.

Deutscher Politiker:Helge Braun
Partei:CDU
Privat:verheiratet, keine Kinder
Aktuelles Amt:Kanzleramtschef

Braun ist jedoch der Überraschungskandidat im Rennen um den Parteivorsitz. Zwar ist der Kanzleramtsminister, der nach der Bundestagswahl nur noch geschäftsführend im Amt ist, durchaus in der Öffentlichkeit bekannt. Doch in der Partei war er in den vergangenen Wochen nicht als möglicher Bewerber gehandelt worden. Erst am Mittwoch waren seine Ambitionen öffentlich geworden.

CDU-Vorsitz: Kanzleramtschef Helge Braun kandidiert bei der Wahl eines neuen Parteichefs

Die Personalie wirbelte in den vergangenen 24 Stunden die Neuaufstellung der CDU ordentlich durcheinander. Nötig ist der Neuanfang nach der Schlappe bei der Bundestagswahl geworden. Bei einem Parteitag in Hannover soll nun Ende Januar der komplette Bundesvorstand neu aufgestellt werden und ein Nachfolger für den gescheiterten Kanzlerkandidaten Armin Laschet gewählt werden. Bereits seit vergangenen Samstag läuft bereits die offizielle Bewerbungsfrist.

Ich mache es: Norbert Röttgen und Helge Braun wollen sich beide um den CDU-Parteivorsitz bewerben. (Montage von kreiszeitung.de)

Neben Braun gelten auch Ex-Fraktionschef Friedrich Merz, Außenpolitiker Norbert Röttgen, Bundestagsfraktionsvize Carsten Linnemann oder Fraktionschef Ralph Brinkhaus als heiße Anwärter. Sie haben aber noch nicht offiziell ihre Kandidatur erklärt. Doch Röttgen lud für Freitagmorgen zu einer Pressekonferenz ein. Titel: „Kandidatur für den Vorsitz der CDU Deutschlands“. Dass er dabei seinen Verzicht erklären wird, so wie es Bundesgesundheitsminister Jens Spahn unterdessen bereits am Mittwochabend getan hatte, gilt als eher unwahrscheinlich.

Laschet-Nachfolge: Niedersachsen sieht Friedrich Merz als Favorit – und was ist mit Röttgen?

Erwartet wird nun ein Dreikampf zwischen Merz, Röttgen und Braun. Den anderen wird nur eine Außenseiterchance zugeschrieben. Dem Vernehmen nach genießt Braun, kinderlos, verheiratet und Mediziner, den Rückhalt von Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier. Dieser hatte bereits bei der Wahl von Laschet zum Parteichef und Kanzlerkandidaten ein gewichtiges Wort mitgeredet. Insgesamt gilt der Landesverband aus der Mitte Deutschlands als einflussreich, weil er über zahlreiche Mitglieder verfügt.

Doch wer am Ende das Rennen macht, bleibt abzuwarten. Laut Umfragen genießt Röttgen bei den Deutschen das meiste Ansehen, Merz indes kann auf viele Unterstützer in den eigenen Reihen bauen. Das deutete bereits auch Niedersachsens Landeschef Bernd Althusmannn kürzlich mit Blick auf den Machtkampf zwischen Röttgen und Merz an. Er gehe davon aus, dass der Ex-Fraktionschef mit seiner konservativen Linie vor allem in den ländlich geprägten CDU-Verbänden stark punkten würde, sagte er dem NDR.

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Der Vorstoß von Helge Braun stieß in Niedersachsen jetzt eher weniger auf Gegenliebe. „Unfassbar“, zitierte die Bild-Zeitung am Donnerstag einen niedersächsischen Bundestagsabgeordneten. „Der Kanzleramtschef der abgewählten Kanzlerin als Neuaufbruch?“ Und auch andere Stimmen vielen eher kritisch aus. „Das Letzte, was die CDU jetzt braucht, ist ein Narkosearzt“, schimpfte ein anderer Politiker aus dem Merz-Lager laut der Boulevardzeitung. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/Peter Kneffel/dpa

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