Ein Kommentar

Parteivorsitz: Friedrich Merz katapultiert die CDU ins letzte Jahrhundert

Mit der Wahl zum Parteivorsitzenden von Friedrich Merz hat die CDU nicht einen Schritt vor, sondern zwei Schritte zurück gemacht. Nicht nur ein Fehler, sondern ein Schlag ins Gesicht für die junge Generation.

Berlin – Ein frischer Windzug weht durch die Politik, eine neue Regierung, neue Gesichter, eine neue Koalition. Endlich ändert sich mal etwas, könnte man jedenfalls denken. Und dann kommt die CDU und schließt das Fenster und öffnet eine längst verschlossene Tür, die Tür des letzten Jahrhunderts.

Mit der Wahl von Friedrich Merz hat sich die Partei geradewegs im Schleudersitz ins letze Jahrhundert katapultiert.

Parteivorsitz: Seit den 70er Jahren ist Friedrich Merz als CDU-Mitglied aktiv

Dieser Mann steht für alles, was wir eigentlich schon längst hinter uns gelassen haben. In den 90er Jahren stimmt er gegen eine Gesetzesänderung bei der Vergewaltigung in der Ehe. Er äußert sich bis heute, sagen wir mal, schwierig zum Thema Homosexualität.

Über seine Äußerung zum Mittelstand fange ich gar nicht erst an. Wer mit einem Privatflugzeug durch die Gegend fliegt und sich trotzdem als Teil des gehobenen Mittelstandes sieht, hat eindeutig ein verschobenes Weltbild.

Ein alter, weißer, reicher Mann, der seit 50 Jahren in der Politik aktiv ist. Aber wahrscheinlich ist genau das auch die Wählerschaft der CDU. Alt, weiß, männlich, konservativ und wohlhabend. In den letzten 30 Jahren haben es die Christdemokraten geschafft, die Anteile der weiblichen Mitglieder um ziemlich genau ein Prozent zu steigern.

CDU-Politiker Friedrich Merz repräsentiert die alte, männlich geprägte Partei

Mehr als die Hälfte der Mitglieder der Christdemokraten sind über 60. Rund dreiviertel sind Männer. In der vergangenen Bundestagswahl hat die CDU mit Abstand am meisten Wähler verloren, weil sie unter anderem verstorben oder abgewandert sind (rund eine Million Wählerinnen und Wähler).

Friedrich Merz wird wohl der neue Parteivorsitzender der CDU. Im Normalfall ist die offizielle Wahl der 1001 Delegierten am 21./22. Januar nur Formsache.

Ein Glück für die Partei, dass die Gesellschaft immer älter wird. Die CDU hat sich heute dazu entschlossen, alles genauso zu lassen, wie es schon immer war. Schlimmer noch, eigentlich setzen sie genau da an, wo sie vor der Wahl vor Angela Merkel stehen geblieben ist. Man kann sich eigentlich nur wundern, dass davor an der Spitze der Partei 18 Jahre eine Frau an der Macht war.

Mal wieder wurde die junge Generation vergessen – für die nächste Wahl ist die Partei damit nicht gut aufgestellt

Ich, eine Frau Anfang 30, bin ehrlich gesagt ziemlich enttäuscht. Enttäuscht, dass Fortschritt in Deutschland eigentlich nur einen Wert hat, wenn es eben nicht um Fortschritt geht. Enttäuscht, dass Männer wie der 66 Jahre alte Friedrich Merz überhaupt noch eine Chance auf so eine Position haben. Mal wieder enttäuscht, dass die Babyboomer-Generation immer nur Augen für sich hat und die junge Generation einfach vergisst.

Ja, gar im Stich lässt.

Die einzige Hoffnung, die ich jetzt noch habe: Vielleicht entscheiden sich bei der nächsten Wahl ein paar jetzt doch wieder für die tief konservative CDU und wählen beim nächsten Mal nicht mehr die AFD, sondern wieder die CDU/CSU. In der Sitzordnung im Bundestag haben sie das ja immerhin schon getan.

Ob das dann wirklich ein Erfolg für die CDU oder sogar ein Aufbruch beziehungsweise ein Neuanfang mit Friedrich Merz als Parteivorsitzender ist … * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.  

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler | dpa

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