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CDU lässt nicht locker: Spahn will Atomkraft bis Ende 2024 verlängern

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Von: Jannis Gogolin

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Atomkraft soll nach Meinung von Jens Spahn (CDU) bis mindestens 2024 Deutschland die Energiesicherheit bringen – eventuell ergänzt durch das umstrittene Fracking.

Berlin – In knapp drei Monaten soll die deutsche Energieversorgung gänzlich ohne Atomkraft funktionieren. Am Stichtag, dem 15. April 2023, sollen die letzten drei nuklearen Meiler vom Netz gehen. In Zeiten einer Energiekrise und einer beständigen Abhängigkeit von russischem Gas ist das Festhalten am Atomausstieg umstritten. Neben Politikern sowie Wirtschaftsexperten äußerte sich nun auch Jens Spahn in der Debatte zu Wort.

CDU lässt nicht locker: Spahn will Atomausstieg bis Ende 2024 verzögern

Aus drei Kernkraftwerken bezieht die Bundesrepublik aktuell noch Energie: Isar 2 in Niederbayern, Emsland in Niedersachsen und Neckarwestheim 2 in Baden-Württemberg. Alle drei sollten eigentlich zum 31. Dezember 2022 runtergefahren werden. Doch vor dem Hintergrund der Energiekrise und explodierender Preise entschied die Regierungskoalition, die Atomkraftwerke in einem sogenannten befristeten Streckbetrieb weiterzubetreiben. Das berichtet Merkur.de.

Jens Spahn vor Kernkraftwerk Isar 2
Als Industrieland sei die Bundesrepublik auf verlässliche und stabile Energie angewiesen, so Jens Spahn, Vize-Chef der Union. Neben dem Meiler Isar 2 sollen weitere Kraftwerke die Stromversorgung weiterhin sichern, mindestens bis Ende 2024. © Chris Emil Janßen/imago; Hofer/imago

Indessen ist der prognostizierte katastrophale Versorgungsengpass für Strom nicht eingetreten, am Strommarkt herrscht Überschuss. Für den Vizevorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion jedoch kein Grund, „dass einige nach dem Motto ‚Ist doch ganz gut gegangen‘ jetzt auch keine weitere Notwendigkeit für Handeln sehen wollen“, wie Jens Spahn gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa) betont. Daher spreche er sich für die Verzögerung des Ausstiegs bis mindestens Ende 2024 aus. „Die Energiepreise sind hoch, weil das Angebot zu niedrig ist in Deutschland und Europa. Also muss alles ans Netz, was produzieren kann.“

Spahn: Atomausstieg bringt Stromversorgung der deutschen Industrie ins Wanken

Sein Blick ruhe dabei insbesondere auf der deutschen Wirtschaft. Sie brauche stabile und verlässliche Energie, erklärte Spahn der dpa. Und die drei bestehenden Meiler seien klar in der Lage, „günstig, verlässlich und klimaneutral zu leisten“. Eine Möglichkeit der Wiederaufnahme bereits deaktivierter Kraftwerke schließe er nicht aus. Das häufige Gegenargument der fehlenden Brennelemente halte er für vorgeschoben. Er sei sich sicher, dass mit einer Zusammenarbeit zwischen Bundesregierung und Energiekonzernen, „innerhalb weniger Wochen Brennelemente für Deutschland besorgt werden können“.

Atomgegner kontert Spahn mit Blick ins Ausland – Auch dort werden „unpopuläre Maßnahmen ergriffen“

Seine Forderung, Deutschland bis mindestens 2024 mit Atomstrom zu versorgen, unterlegt der ehemalige Gesundheitsminister mit einem Blick ins nahe Ausland. Dort wären „auch unpopuläre Maßnahmen“ ergriffen worden, um „Versorgungssicherheit zu gewährleisten“. Nur in Deutschland sei die Bereitschaft, auch das Notwendige zu tun, „überschaubar ausgeprägt“.

Unter dem Notwendigen sieht er nach Angaben der dpa auch die Aufklärung über das bisher verbotene Fracking – eine Methode, um Gas oder Öl mithilfe von Druck und chemischen Flüssigkeiten aus Gesteinsschichten zu pressen. Umweltschützer warnen ausdrücklich vor dessen Konsequenzen. „Die Technologie hat sich weiterentwickelt seit dem Verbot in Deutschland von vor zehn Jahren“, so Spahn. Daher treffe sich die Unionsfraktion aus CDU und CSU im Februar mit Fracking-Experten zu einer laut dpa „ergebnisoffenen“ Runde über Möglichkeiten und Risiken. (Jannis Gogolin)

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