Bundestagswahl 2021

CDU blamiert sich mit Strafanzeige gegen Hackerin

Eine Aktivistin entdeckt eine gravierende Sicherheitslücke in einer App der CDU und meldet sie an die Partei. Doch die verklagt sie – und macht das Chaos perfekt.

Berlin – Sie wollte der Union helfen – und wurde am Ende von der Partei von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Kanzlerkandidaten Armin Laschet (beide CDU) verklagt. Die 25-jährige IT-Expertin Lilith Wittmann hatte eine gravierende Sicherheitslücke in einer Wahlkampf-App der Christdemokraten entdeckt. Dadurch waren persönliche Daten wie E-Mail-Adressen und Bilder von 18.500 Wahlkampfhelfern sowie private Informationen von Unterstützern im Netz frei lesbar, berichtete der Chaos Computer Club (CCC). Doch statt Lob bekam die Aktivistin jetzt Post vom Berliner Landeskriminalamt (LKA).

Deutscher Verein:Chaos Computer Club (CCC)
gegründet:12. September 1981
Aktueller Vorsitzender:Alexander Leefmann
Mitglieder:zirka 7900

Der Vorgang hat der Partei jetzt einen gehörigen Schlamassel eingebrockt. Denn das Unverständnis über das Vorgehen ist groß. Zwar zeigte sich Bundesgeschäftsführer Stefan Hennewig äußerst zerknirscht und räumte Fehler im Umgang mit Wittmann ein. Doch die Blamage für die CDU kann er nicht mehr rückgängig machen.

Sicherheitslücke in Wahlkampf-App: CDU löst mit Strafanzeige Streit mit Chaos Computer Club (CCC) aus

Bereits am Dienstag, 3. August hatte Wittmann öffentlich gemacht, dass sie von den Berliner Behörden kontaktiert worden sei, weil sie in dem Verfahren als „Beschuldigte“ geführt werde. Demnach soll es im Zusammenhang mit der Sicherheitslücke nämlich auch zu einer Veröffentlichung personenbezogener Daten durch Dritte gekommen sein, weswegen die CDU Anzeige erstattete. Fälschlicherweise erwähnte die Partei dabei auch Wittmanns Namen.

Hat sich mit einer Anzeige gegen den Chaos Computer Club blamiert: CDU-Bundesgeschäftsführer Stefan Hennewig.

„Die Nennung ihres Namens in der Anzeige war ein Fehler“, gestand Hennewig jetzt und teilte via Twitter mit, dass die Aktivistin mit den Vorgängen nichts zu tun habe. Er habe sich bereits bei ihr telefonisch entschuldigt und die Anzeige zurückgezogen. Doch Wittmann fühlt sich weiterhin zu Unrecht an den Pranger gestellt und lehnte die Entschuldigung ihrerseits ab. „Mir erst mit einer Anzeige drohen, weil ich keinen Beratungsvertrag mit ihnen wollte und dann wegen des öffentlichen Drucks zurückziehen, finde ich einen schlechten Witz“, erklärte sie zu Spiegel Online. Auf Twitter sprach sie von einer „Non-Apology“ vonseiten der CDU.

Union zieht Anzeige gegen Hackerin zurück – doch Aktivistin lehnt Entschuldigung ab

Aus Sicht des Chaos Computer Clubs hat sich die Aktivistin an alle geltenden Gepflogenheiten gehalten. Die App „CDU Connect“, um die es in diesem Vorgang geht, soll den Haustürwahlkampf der Partei unterstützen. In dem Programm sollen Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer erfassen können, wer in welcher Straße unterwegs war und wo Bürgerinnen oder Bürgern die Tür geöffnet wurde.

Nachdem Wittmann in der App die Sicherheitslücke entdeckt hatte, berichtete sie im Mai dieses Jahres in ihrem Blog darüber. Den Angaben zufolge hatte sie aber zuvor die Berliner Datenschutzbehörde, die für Sicherheitslücken verantwortliche offizielle Stelle Cert-Bund und die Partei selbst auf die Probleme hingewiesen. Dieser Vorgang wird in der Szene „Responsible Disclosure“ genannt. Er soll dafür sorgen, dass Schwachstellen geschlossen werden, bevor kriminelle Hacker sie ausnutzen können.

Trotz der Rücknahme der Anzeige zeigt sich der Chaos Computer Club verschnupft und kündigte Konsequenzen an. Die CDU habe einseitig das „implizite Ladies-and-Gentlemen-Agreement der Responsible Disclosure aufgekündigt, hieß es in einer veröffentlichten Stellungnahme. Deshalb werde man in Zukunft nicht mehr mit der CDU zusammenarbeiten. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Britta Pedersen/dpa/picture alliance

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