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Cannabis-Legalisierung: Es herrscht Uneinigkeit über THC-Obergrenze

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Von: Alexander Eser-Ruperti

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Die Bundesregierung schreitet bei der Cannabis-Legalisierung voran. Ihr Drogenbeauftragter will zuvor eine wichtige Frage klären: Wie viel THC ist in Ordnung?

Berlin – Der Drogenbeauftragte der Ampel, Burkhard Blienert (SPD), gilt als ausgewiesener Befürworter der Cannabis-Legalisierung. Unkritisch ist er deshalb keineswegs: Er fordert nun einen Diskurs über die zulässige Menge des psychoaktiven Wirkstoffs THC im Zuge der Hanf-Freigabe. Konkret soll eine THC-Obergrenze diskutiert werden. Blienert sagt: „Ein Joint aus den 70ern ist mit dem heutigen nicht mehr vergleichbar.“ Die Argumente von Befürwortern als auch Gegnern eines solchen Limits hält er für nachvollziehbar.

Cannabis-Legalisierung Deutschland: Drogenbeauftragter Blienert (SPD) will THC-Obergrenze diskutieren

Bei der Cannabis-Legalisierung in Deutschland gibt es viele offene Fragen, eine davon ist laut dem Drogenbeauftragten der Ampel auch der zulässige THC-Wert. Grund zur Diskussion sieht Blienert besonders in der Tatsache, dass der Gehalt des psychoaktiven Wirkstoffs in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist. Der SPD-Mann sagt, „Der THC-Gehalt hat sich in den letzten Jahren durchschnittlich verdreifacht“.

Cannabis-Produktion in Deutschland
Cannabis blüht in der Produktion des Pharmaunternehmens Aurora im Chemiepark Leuna. Die Höhe der zulässigen THC-Konzentration in frei verkäuflichem Cannabis ist derzeit noch umstritten. (Archivbild) © Hendrik Schmidt/dpa

Der Drogenbeauftragte der Bundesregierung befindet, man müsse „ernsthaft diskutieren“, ob eine klar festgelegte THC-Obergrenze im Zuge der Legalisierung zu Genusszwecken sinnvoll ist. Marihuana soll in Zukunft nur durch geschultes Personal abgegeben werden – doch in welcher Stärke? Darüber besteht Uneinigkeit.

Cannabis-Legalisierung: Bundespsychotherapeutenkammer für Freigabe – und THC-Obergrenze

Die Deutsche Psychotherapeutenkammer sprach sich kürzlich für die Cannabis-Legalisierung aus – doch ebenso für eine THC-Obergrenze. Einige Experten halten die gesundheitlichen Risiken von hochpotentem Cannabis für besonders groß. Gegner einer Obergrenze befürchten, so Blienert in der Welt, der Schwarzmarkt könne mit einem Grenzwert nicht erfolgreich eingedämmt werden. Der Drogenbeauftragte macht deutlich, dass es ihm um einen ernsthaften Diskurs geht. Er sagte der Welt: „Beide Argumente halte ich für nachvollziehbar. Wir werden sehen, wo wir am Ende des Prozesses landen“.

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Geht es nach Gesundheitsminister Karl Lauterbach, gilt beim Legalisierungsprozess die Maxime „Safety First“. Entsprechend dieser Vorgabe zieht sich der Freigabe-Prozess weiter in die Länge. Es sind noch einige Fragen zu klären für die Ampel – eine davon ist die mögliche Obergrenze des psychoaktiven Wirkstoffs THC im legalen Verkauf.

Cannabis-Legalisierung Deutschland 2022: Zeitplan noch unklar

Viel Befürworter fragen sich derweil, wann es mit der Hanf-Freigabe eigentlich so weit ist. Wer es eilig hat, wird enttäuscht: Es ist mehr als unwahrscheinlich, dass die Cannabis-Legalisierung in Deutschland 2022 noch über die Bühne geht. In der zweiten Junihälfte hatten sich über 200 Expertinnen und Experten mit Ministerien, Behörden, Ländern und Kommunen über die Legalisierung ausgetauscht. Gesundheitsminister Karl Lauterbach erklärte in diesem Rahmen „Es wird ein sehr komplizierter Prozess werden“.

Das sieht auch der Drogenbeauftragte Blienert kaum anders. Der SPD-Mann erklärte „Ich glaube, allen ist in diesem Prozess deutlich geworden, wie komplex diese Fragestellung ist“. Der Prozess verlange Zeit. Laut Lauterbach soll bis zum Herbst ein Eckpunktepapier verfasst und ein Entwurf bis Ende des Jahres erstellt werden. Ginge es nach Lauterbach, könnte das Gesetzgebungsverfahren damit 2023 beginnen. Genaue Einschätzungen über einen Zeitpunkt der Legalisierung lassen sich auf dieser Grundlage indes kaum treffen..

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