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Zu wenig Munition: Bundeswehr hängt beim Nachschub von China ab – „Unfassbares Versagen“

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Von: Jens Kiffmeier

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Bedingt abwehrbereit: Die Bundeswehr hat im Ernstfall zu wenig Munition. Die Opposition ist erzürnt. Aber beim Nachschub hängt die Rüstung von Chinas Gnade ab.

Berlin – Ein paar Tage, dann ist im Verteidigungsfall Schluss: Die Bundeswehr leidet unter akutem Munitionsmangel. Doch wer ist schuld? Darüber ist in der deutschen Politik ein heftiger Streit entbrannt. So warf die Union der Bundesregierung große Tatenlosigkeit bei der Beschaffung vor. „Ohne ausreichende Munition ist keine Armee der Welt einsatzbereit. Es ist deswegen ein unfassbares Versagen, dass Ministerin Lambrecht bis dato scheinbar nichts unternommen hat, um die Munitionskrise der Bundeswehr zu beenden“, wetterte Fraktionsvize Johann Wadephul (CDU) am Montag. Eine schnelle Lösung des Nachschubproblems ist jedenfalls nicht in Sicht.

Ukraine-Krieg zeigt Problem auf: Bundeswehr leidet unter Munitionsmangel

Der Ukraine-Krieg hatte zuletzt den Blick auf die mangelhafte Ausstattung der Bundeswehr gelenkt. Nachdem Heeresinspekteur Alfons Mais bereits mehrfach davor gewarnt hatte, dass die deutsche Truppe am Limit und der Aufgabe der Landesverteidigung nicht wirklich gewachsen sei, hatte die Union im Bundestag bereits im Sommer eine Anfrage zum Zustand der Armee gestellt. Die Bundesregierung ersparte sich aber eine Antwort und verwies auf sicherheitspolitische Gründe. Dennoch machten immer wieder Berichte die Runde, wonach der Bundeswehr nach nur wenigen Tagen in einem Ernstfall die Munition ausgehen könnte.

Wie lange hält die Munition? Die Bundeswehr hat Nachschubprobleme.
Wie lange hält die Munition? Die Bundeswehr hat Nachschubprobleme. © Philipp Schulze/dpa

Munitionsgipfel im Kanzleramt: Olaf Scholz (SPD) will Ausstattung der Bundeswehr verbessern

Am Montagabend sollen sich aber nun die Spitzen von verschiedenen Ministerien zu einem Munitionsgipfel bei Kanzler Olaf Scholz (SPD) im Kanzleramt treffen. Das berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Wie es hieß, soll dabei die schnellere Beschaffung thematisiert werden. Ein Etat von rund 20 Milliarden Euro soll dabei zur Verfügung stehen. Mit dabei sind auch Vertreter der deutschen Rüstungsindustrie.

Bereits im Vorfeld nahm der SPD-Vorsitzende Lars Klingbeil die Unternehmen in die Verantwortung. Es sei wichtig, dass die Konzerne jetzt schnell die Produktion von Rüstungsgütern für die Bundeswehr hochfahre, forderte er in der ARD und verwies dabei auf das 100-Milliarden-Programm der Bundesregierung, das in die Modernisierung der Bundeswehr gesteckt werden soll. Daher hätte man erwartet, dass die Industrie die zuvor zurückgefahrene Kapazitäten „mit einer riesigen Geschwindigkeit wiederaufbaut“, sagte Klingbeil. Dies sei leider noch nicht geschehen. Indirekt bestätigte er in dem Interview auch den Munitionsmangel.

Rüstungsindustrie weist Kritik zurück: Beschaffung von Munition für Bundeswehr ist Aufgabe der Regierung

Beim Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV) sieht man sich aber zu Unrecht an den Pranger gestellt. So wies Hauptgeschäftsführer Hans Christoph Atzpodien die Klingbeil-Kritik zurück. Es sei vielmehr so, sagte er der dpa, dass die Bundesregierung bisher kaum Munition, Waffen und Ausrüstung bestellt habe, obwohl Unternehmen in Vorleistung gegangen seien. Zwar habe die Regierung das Programm angekündigt, jedoch sei bis vor wenigen Tagen alles im Haushaltsplan unter vorläufig deklariert worden. Die Industrie habe indes bereits Angebote im Wert von mehr als 10 Milliarden Euro vorgelegt. Nun müsse das Verteidigungsministerium auch zugreifen, forderte Atzpodien. Jedoch war Lambrecht zuletzt vom Rechnungshof gerügt worden und musste ihre Waffen-Wunschliste zusammenstreichen.

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Bestellen, geliefert, Problem gelöst? Ganz so einfach scheint es aber dann doch nicht zu sein. Denn selbst wenn die Bundesregierung jetzt schnell handelt, könnte der Aufbau der Munitionsbestände noch reichlich Zeit kosten. Denn die deutsche Rüstungsindustrie benötigt für die Herstellung von Munitionstreibladungen ein Nebenprodukt der Baumwollstofferzeugung: sogenannte Linters. Und die kommen vor allem aus einem Land: China. Doch die Wirtschaftsmacht hat den Export offenbar stark eingedämmt, wie die Welt am Montag berichtete.

Problem mit Munition: Deutsche Rüstung hängt von Produktion in China ab

Dem Medienbericht zufolge dauert der Nachschub der dringend benötigten Linters derzeit zwischen neun bis 14 Monate. Früher waren es mal drei. Doch in der Corona-Pandemie kam der Export erstmalig ins Stocken. Und seit einem halben Jahr, also seit Beginn des Ukraine-Krieges, versiegt die Quelle mehr und mehr. So zitiert das Blatt den Berliner Branchendienst „Security Table“, wonach die Herstellung von Sprengstoff als „Teil des systemischen Wettbewerbs zwischen dem Westen und China“ betrachtet werden könnte. Ganz ausgeschlossen ist es nicht. Als eine der wenigen Verbündeten, der Russlands Präsident Wladimir Putin geblieben ist, gilt der chinesische Machthaber Xi Jingping.

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