Wer kann mit wem?

Bundestagswahl: Machtspiele – das sind die Koalitionsoptionen

Nach der Wahl könnte es verschiedene Koalitionsoptionen geben. Nicht alle gelten als wahrscheinlich, häufig liegen Parteipositionen zu weit auseinander. Ein Überblick.

Berlin – Wenn am Sonntag um 18 Uhr die Wahllokale schließen und die Stimmen ausgezählt werden, beginnt die eigentlich spannendste Phase der Bundestagswahl 2021: Die Parteien treten in Koalitionsgespräche mit anderen Parteien. Selten war es vor einer Bundestagswahl so schwer vorauszusagen, welche Regierung am Ende herauskommt: Die letzten Wahlumfragen sprechen für ein knappes Rennen.

Parlamentswahl:Bundestagswahl 2021
Datum:Sonntag, 26. September 2021
Wahlberechtigte:Etwa 60,4 Millionen

Vorab ist die Zahl realistischer und möglicher Koalitionen groß. Für Wähler macht dies die Stimmenabgabe am Sonntag besonders schwer: Sie müssen mit der Ungewissheit leben, nicht zu wissen, welche Regierung mit ihrer Stimme schlussendlich zustande kommt. Zumindest gilt es als nahezu wahrscheinlich, dass entweder die SPD um Kanzlerkandidat Olaf Scholz oder die Union mit Armin Laschet Teil der nächsten regierungsfähigen Mehrheit wird. In welchen Koalitionen sie dabei aber auftreten und noch unklar. Ein Überblick über die Möglichkeiten:

Ampel: Der Liebling von Olaf Scholz (SPD)

Eine Ampelkoalition unter der Führung der SPD wäre das Wunschbündnis von Kanzlerkandidat Olaf Scholz. Bereits vor Wochen startete er die Charmeoffensive in Richtung der Liberalen. Schwierig könnte es hingegen für die Grünen um Annalena Baerbock und die FDP werden, die thematisch deutliche Differenzen haben.

Den Werten der aktuellen Wahlumfrage zufolge hätte eine Ampelkoalition eine regierungsfähige Mehrheit (etwa 340 Sitze) im Bundestag. Rheinland-Pfalz macht es vor: Ein Bündnis aus SPD, FDP und Grüne ist durchaus regierungsfähig, ob es auch auf Bundesebene eine Option ist, muss sich noch zeigen. FDP-Chef Christian Lindner hat sich bislang eher zurückhaltend gezeigt.

Wahrscheinlichkeit: eher wahrscheinlich

Große Koalition: Union und SPD wollen nicht mehr

Seit 2017 regieren die Union und die SPD in einer Großen Koalition im Bundestag und sie könnten es nach der Bundestagswahl eventuell wieder tun – zumindest, wenn den aktuellen Umfragen Glaube geschenkt werden kann. SPD-Spitzenkandidat Olaf Scholz erteilte der Union noch nicht direkt eine Absage, dennoch würde er der Union eine Erholungspause in der Opposition wünschen. Auch CDU-Chef Armin Laschet zeigte kein großes Interesse an einem Fortbestehen der Großen Koalition.

Auch 2017 wollte die SPD eigentlich kein Bündnis mit der Union eingehen. Nach ergebnislosen Koalitionsverhandlungen ließ sie sich dennoch drauf ein. Ganz auszuschließen ist eine Neuauflage dennoch nach der aktuellen Wahl auch nicht.

Wahrscheinlichkeit: eher unwahrscheinlich

Schwarz-Rot-Grün: Differenzen von Union und SPD erschweren Bündnisbildung

Ein Bündnis aus Union, SPD und Grüne würde theoretisch eine Mehrheit erreichen können und scheint auf dem ersten Blick etwas wahrscheinlicher als eine Koalition aus SPD und Union. Allerdings gilt für dieses Bündnis das Gleiche wie für die Große Koalition: SPD und Union haben wenig Interesse an einer Neuauflage. Vor der Bundestagswahl haben Experten die möglichen Koalitionen nach ihrer Wirtschaftlichkeit bewertet. Den Ökonomen des ifo-Instituts zufolge, würde ein Bündnis aus Union, SPD und Grüne das schlechteste Ergebnis erreichen.

Wahrscheinlichkeit: eher unwahrscheinlich

Deutschland-Koalition: Seltenes Bündnis – absolutes No-Go für SPD

Um einen möglichen Stimmenverlust der Union auszugleichen, könnte eine Regierung nur gemeinsam mit der FDP und der SPD möglich werden. Was für die Union und die Liberalen noch attraktiv klingen mag, ist für die SPD ein absolutes No-Go. Aufgrund der niedrigen Zustimmungswerte zu so einem Bündnis, gilt es als nahezu ausgeschlossen. Auf Landesebene kommt dieses Bündnis ebenfalls äußerst selten vor.

Wahrscheinlichkeit: unwahrscheinlich

Wer kann mit wem? Ein Bündnis aus SPD und Union gilt als äußerst unwahrscheinlich

Jamaika-Koalition: Bündnis scheiterte bereits 2007 bei Regierungsbildung

Sollte es am Wahlabend nicht für eine schwarz-grüne Mehrheit reichen, ist ein Jamaika-Bündnis aus Union, FDP und Grüne eine Alternative. Für die Liberalen mag es noch am attraktivsten sein: Nach den gescheiterten Koalitionsgesprächen 2017 zeigte sich die Parteispitze wieder offener für diese Option und auch die Union würde es hinnehmen.

Verlierer wären die Grünen, die in vielen Punkten Einschnitte hinnehmen müssten. Streitpunkt zwischen FDP und Grüne könnten demnach wahrscheinlich die Auslegungen beim Klimaschutz sein. Dennoch könnte sich dieses Bündnis nach der Wahl als aussichtsreich entpuppen.

Wahrscheinlichkeit: eher wahrscheinlich

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Rot-Grün-Rot: Das Schreckensgespenst der Union

Über keine andere Bündnisoption wurde in den vergangenen Wochen so hitzig diskutiert wie über Rot-Grün-Rot. Die Union instrumentalisierte die Koalitionsmöglichkeit für ihren Wahlkampf und warnte mehrfach vor den dramatischen Auswirkungen. Und auch vielen Sozialdemokraten sind manche Positionen der Linken zu extrem. Die Linke hingegen weichte zuletzt ihre Wahlkampfziele etwas auf und wurde dementsprechend als möglicher Koalitionspartner attraktiver. Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock hingegen distanzierte sich zuletzt deutlich von den Linkspolitikern. Abzuwarten bleibt, ob die SPD, Grüne und Linke ihre inhaltlichen Differenzen bei Sondierungsgesprächen überwinden können.

Wahrscheinlichkeit: eher unwahrscheinlich (aber nicht ausgeschlossen)

(Mit Material der dpa) * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Markus van Offern/via www.imago-images.de

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