Kommentar zur Bundestagswahl

Christian Lindner (FDP): Der Königsmacher in der Zwickmühle

Christian Lindner muss die FDP in eine Koalition führen. Ein erneutes Platzen der Gespräche kann er sich nicht leisten – ein Vorteil für die Grünen. Ein Kommentar.

Berlin – Wahlergebnisse können Segen und Fluch sein. Diese Erfahrung macht gerade Christian Lindner (FDP). Zum zweiten Mal in Folge hat der Parteichef die Liberalen bei der Bundestagswahl 2021 zu einem zweistelligen Ergebnis geführt. Das alleine wäre bei einigen seiner Vorgänger Grund genug zum Aufplustern gewesen. Doch Lindner hält sich zurück – und das zu Recht. Denn der FDP-Vorsitzende ist zum Erfolg verdammt. Er kann es sich nicht erlauben, die Grünen mit vorlauten Parolen und Forderungen zu verärgern. Denn sie haben den wirklichen Schlüssel zur Macht in der Hand – und damit auch von Lindners persönlicher Zukunft.

Deutscher Politiker:Christian Lindner (FDP)
Alter:42 Jahre
Ehefrau:Dagmar Rosenfeld
Aktuelles Amt:Parteivorsitzender

Auf den ersten Blick geht kein Weg an FDP und Grünen vorbei. Sie sind die Königsmacher. Am Mittwoch wollen sie schon einmal vorab Sondierungsgespräche führen. Sie entscheiden am Ende: Regiert eine Ampel-Koalition mit einem Kanzler Olaf Scholz (SPD) das Land? Oder doch eine Jamaika-Koalition mit einem angeschlagenen Kanzler Armin Laschet (CDU)? Nach den vorläufigen amtlichen Ergebnissen zur Bundestagswahl sind diese beiden Koalitionsoptionen möglich. Die dritte Variante, die Neuauflage der Großen Koalition, haben alle Beteiligten eigentlich ausgeschlossen.

Bundestagswahl 2021: Führt Christian Lindner die FDP in eine Ampel-Koalition mit SPD und Grüne?

Die Grünen bringen 14,8 Prozent ein, die FDP 11,5 Prozent – dennoch bestimmen sie den Takt. Gerecht? Das kann man umfangreich beklagen. Aber so ist es nun einmal. Angesichts der Patt-Situation ist das Vorgehen konsequent. Sowohl die Liberalen als auch die Öko-Partei müssen am weitesten über ihren Schatten springen – egal, in welchem Dreier-Bündnis. Wenn sie Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit ausgelotet haben, ist die Verhandlung mit SPD und CDU einfacher. Das zeigt das Beispiel in Schleswig-Holstein, wo nach diesem Fahrplan das erste Jamaika-Bündnis gebastelt wurde.

Steht nach der Bundestagswahl unter Druck: Parteichef Christian Lindner (FDP) muss die Liberalen in eine Koalition führen.

Dennoch sollte man sich nicht täuschen lassen. Die Gespräche finden nicht auf Augenhöhe statt. Die Grünen sitzen am längeren Hebel. Nach der Bundestagswahl 2017 hatte die FDP ebenfalls die Chance auf einen Platz am Kabinettstisch. Doch Lindner wollte nicht um jeden Preis in die Regierung und ließ kurzerhand die Gespräche platzen. Es sei besser nicht zu regieren, als falsch zu regieren, ließ Lindner alle wissen.

Doch was als prinzipienfestes Handeln verkauft werden sollte, erwies sich als Bumerang: Ein Großteil der Wählerinnen und Wähler, aber auch die eigenen Parteifreunde legten es als Kneifen vor der Verantwortung aus. Noch einmal wird Lindner diesen Fehler nicht machen. Nimmt er dieses Mal nicht als Minister an einem Kabinettstisch Platz, kann er eine Debatte um seine Führungsqualitäten nicht verhindern. Er muss die Grünen ins Boot holen und ihnen ordentlich was anbieten. Zwar will auch die Öko-Partei aus der Opposition raus. Aber auf ihr lastet weniger Druck.

Wahl 2021: Lindner und Habeck – die Parteichefs können FDP und Grüne zum Motor der Koaalition machen

Am Ende können aber beide gewinnen. Wenn sie es geschickt anstellen und sich einigen, dann können sie SPD und CDU die maximalen Zugeständnisse abpressen. Mehr als die beiden vermeintlichen Volksparteien stehen FDP und Grüne in ihren Wahlprogrammen für Aufbruch: die FDP beim Thema Digitalisierung, die Grünen beim Klimaschutz und dem Umbau einer klimaneutralen Gesellschaft. Scholz und Laschet standen zuletzt vor allem für ein Weiter-so.

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Insofern können die beiden Juniorpartner zum wahren Motor der kommenden Bundesregierung werden. Das könnte der Zauber, das gemeinsame Projekt sein, mit dem die beiden Kontrahenten ihre Schwierigkeiten überwinden könnten. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sebastian Kahnert/dpa

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