Umkämpftes Direktmandat

Bundestagswahl 2021: SPD-Politiker wie Lauterbach und Kühnert zittern

Umkämpfter Wahlkreis: Bei der SPD muss Karl Lauterbach um den direkten Einzug in den Bundestag bangen. Zwei Promis fühlen mit ihm: Kevin Kühnert und Olaf Scholz.

Berlin – Harter Kampf um den Einzug in den Bundestag: Kurz vor der Bundestagswahl 2021 mobilisieren die Kandidatinnen und Kandidaten noch einmal alle Kräfte. Doch nicht für jeden wird es laut Wahlumfragen am Ende reichen. Selbst prominente Politiker könnten am Ende verlieren. Bei der SPD zittern gleich drei bekannte Gesichter um ihr Direktmandat: Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach, Bundesvize Kevin Kühnert und – Kanzlerkandidat Olaf Scholz! Bei dem Trio ist der Wahlkreis jeweils hart umkämpft.

Parlament:Deutscher Bundestag
Hauptsitz:Reichstagsgebäude Berlin
Zahl der Abgeordneten:709
Termin zur Bundestagswahl 2021:26. September 2021

Wahlumfragen: Großer Abstand zwischen Scholz und Laschet – SPD liegt vorn und CDU hinkt hinterher

Insgesamt 299 Wahlkreise sind bei der Bundestagswahl vorhanden. Laut einer Prognose der Politikberatungsagentur Johannssen und Kretschmer sind 90 von ihnen noch stark umkämpft. Vor allem in den Städten könnte es bei der Bundestagswahl in vielen Wahlkreisen noch eng werden*. Zwar legen Umfragen nahe, dass die SPD mit Spitzenkandidat Scholz auf einen Wahlsieg zusteuert. So traut das Meinungsforschungsinstitut Insa den Sozialdemokraten bis zu 125 Direktmandate zu – was mehr wären als zu rot-grünen Regierungszeiten von Gerhard Schröder. Doch das hilft nicht jedem Genossen.

Muss laut Wahlumfragen um den Wiedereinzug in den Bundestag bangen: SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach. (Montage von kreiszeitung.de)

Bestes Beispiel: Karl Lauterbach*. Der Gesundheitspolitiker schaffte es als Corona-Experte zu einem beachtlichen Ruhm. So wird Lauterbach durchaus auch als Gesundheitsminister gehandelt. Doch das schützt ihn nicht vor einem Verlust seines Bundestagsmandates, das er seit 2005 innehat.

Ohne Landesliste: Karl Lauterbach (SPD) bangt um sein Direktmandat und den Einzug in den Bundestag

Lauterbach kandidiert im Wahlkreis 101 (Leverkusen – Köln IV). Dort bekommt er es mit einer aufstrebenden Gegenkandidatin zu tun: Serap Güler (CDU). Die junge Frau, die auch als Vertraute von CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet gilt, ist in Nordrhein-Westfalen bereits Staatssekretärin für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration und war in der Corona-Pandemie durchaus eine Stimme für die Armen und Benachteiligten. So sprach Güler sich als eine der ersten für mobile Impfungen für Migranten in sozialen Brennpunkten* aus. Kein leichter Gegner also für Lauterbach.

Lauterbach hat vor allem ein Problem: Er ist ohne Absicherung in den Wahlkampf gezogen. Sein eigener Landesverband gönnte ihm nur den aussichtslosen Listenplatz Nummer 23. Verliert er seinen Wahlkreis, ist er wohl raus aus dem Bundestag. Bei Lauterbach führte das schon zu reichlich Unmut. Er bilde sich ein, dass er bei den SPD-Mitgliedern durchaus beliebt sei, sagte er im Mai dieses Jahres dem Spiegel. Aber leider gebe es zu viele Funktionäre, die in erster Linie nur sich berücksichtigen würden, monierte Lauterbach.

Wahlumfragen: Kevin Kühnert (SPD) muss um Sitz im Parlament gegen Renate Künast (Grüne) kämpfen

Kleiner Trost: Der Gesundheitspolitiker ist in bester Gesellschaft. Auch andere Promis in der SPD müssen kämpfen. Kevin Kühnert zum Beispiel. Der junge Bundesvize ist für die CDU wegen seines Hangs zu einem rot-rot-grünen Linksbündnis eine absolute Reizfigur. Doch anders als oft prophezeit, strebt Kühnert nicht als Minister in ein Kabinett. Nein, der Parteirebell will in den Bundestag.

Doch dafür muss er erst einmal an einer vorbei: Renate Künast. Die Grünen-Politikerin tritt gegen Kühnert im Berliner Wahlkreis 81 (Tempelhof-Schöneberg) an. Und Künast ist ein Schwergewicht. Bundesministerin, Fraktionschefin und Bürgermeister-Kandidatin im Landtagswahlkampf 2011 – in der Hauptstadt ist Künast, die gegen Hass-Speech im Internet und für einen Aufschrei der Männer kämpft, kaum mehr wegzudenken.

Kampf um den Wahlkreis 61: Olaf Scholz tritt in Potsdam gegen Annalena Baerbock an

Doch am Ende kann nur einer gewinnen. Das ist auch im Wahlkreis 61 (Potsdam-Mittelmark II – Teltow-Fläming II) so. Denn hier kommt es zum Duell der Giganten: Olaf Scholz (SPD) gegen Annalena Baerbock (Grüne). Zwei Kanzlerkandidaten unter sich. Eigentlich verspricht der Potsdamer Wahlkreis für die Genossen gute Aussichten. Denn vor vier Jahren war das der einzige ostdeutsche Wahlkreis, in dem die Sozialdemokraten ein Direktmandat holen konnten.

Doch ein Wahlkreis ist kein Erbhof. Scholz, der erst 2018 seinen Wohnsitz von Hamburg in die brandenburgische Landeshauptstadt verlagerte und hier schon Nachbarschaftsärger wegen seines Personenschutzes hatte, kandidiert dort zum ersten Mal. Im Gegensatz zu Baerbock, die mit ihm nicht nur um das Kanzleramt streitet, sondern auch um die direkten Wählerinnen und Wähler und die hier bereits zum dritten Mal ihr Glück versucht. Immerhin lebt die Grünen-Spitzenfrau und Mutter zweier Töchter* seit vielen Jahren mit ihrer Familie in Potsdam.

Doch Scholz kann die Sache locker angehen lassen. Er hat einen Rettungsanker. In Brandenburg wählten die Genossen ihn auf Landeslistenplatz eins. In Berlin schaffte es Kühnert auf Rang drei der Liste. Insofern steht vor allem nur Lauterbach im schlimmsten Fall im Regen – und muss sich notfalls mit Unionskolleginnen und Unionskollegen ausweinen.

Wahlumfragen: Ziemiak, Altmaier, Kramp-Karrenbauer – Prominente CDU-Politiker zittern um Wiedereinzug

Denn auch bei der CDU bangen etliche Promis um den Einzug in den Bundestag. So können sich etwa Wirtschaftsminister Peter Altmaier, Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, Generalsekretär Paul Ziemiak oder Unions-Jungspund Philipp Amthor nicht sicher sein, ob sie es direkt ins Parlament schaffen. Für die Union ist dabei das Zittern aktuell größer als für die SPD.

Denn Demoskopen sehen die SPD klar vorn. In den aktuellen Umfragen führen die Genossen um Scholz fünf bis sechs Prozentpunkte vor der CDU mit Laschet. An Position drei kommen die Grünen, dahinter dann FDP und AfD. Weit abgeschlagen ist die Linkspartei, die sehr stark um die Fünf-Prozent-Hürde herumschwankt.

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Doch auch, wenn Wahlumfragen besser sind als ihr Ruf: Am Ende bleibt vieles bis zur Bundestagswahl nur Spekulation. So gibt es nach wie vor ein großes Heer an unentschlossenen Wählerinnen und Wähler, die im Schlussspurt die Umfragen noch kippen lassen können und die für das CDU-Lager um Laschet den Trend noch verbessern können. Wenn Sie selber noch keine Idee haben, dann können Sie sich in unserem Wahlomaten oder in unserem Ratgeber „Wen soll ich wählen?“ inspirieren lassen. * kreiszeitung.de, 24hamburg.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Oliver Berg/Michael Kappeler/dpa

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