Kommentar

Bundestagswahl 2021: Pseudo-Gerangel beim Triell auf ProSieben

Drei Kandidaten, dritter Anlauf: Bei ProSieben stieg das Triell. Gleiche Personen, gleiche Inhalte – und die Frage: Hat das Land zu wenig Probleme? Die Blitzanalyse.

Berlin – Allmählich macht sich Erschöpfung breit. Der Wahlkampf neigt sich dem Ende zu. Gott Lob, denkt sich manch müder Wahlkämpfer – und auch der ein oder andere Wähler. Eine Woche vor der Bundestagswahl 2021 sind die Deutschen angeödet von dem Gerangel um das Kanzleramt, wie Umfragen belegen. Das ist schade. Denn es zeigt, dass die Parteien und speziell ihre Kanzlerkandidaten den Wettkampf um die Gunst der Deutschen auch vergeigt haben. Daran kann auch das dritte und letzte TV-Triell bei ProSieben und Sat.1 wohl nichts mehr ändern.

Sender für das 3. Triell:Pro7, Sat.1, Kabel Eins
Termin:19. September 2021, ab 20.15 Uhr
Kanzlerkandidaten:Armin Laschet, Annalena Baerbock, Olaf Scholz
Moderatoren:Linda Zervakis und Claudia von Brauchitsch

TV-Triell bei ProSieben und Sat.1: Baerbock, Laschet und Scholz liefern sich dritten Schaukampf

Am Sonntag, 19. September 2021, stiegen Armin Laschet (CDU), Annalena Baerbock (Grüne) und Olaf Scholz (SPD) bei ProSieben, Sat.1 und Kabel eins noch einmal zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr in den Ring. Der große Showdown! Letzter großer Auftritt vor der Wahl! Bereits im Vorfeld des Kanzler-Duells riefen die Privatsender und die Wahlkampfzentralen noch einmal die Zuschauerinnen und Zuschauer Uhr in den Wahlkampfzirkus. Gastgeber in der Manege: Das Moderatoren-Duo Linda Zervakis* und Claudia von Brauchitsch.

Treten im letzten und dritten Triell vor der Bundestagswahl wieder gegeneinander an: die Kanzlerkandidaten Olaf Scholz (SPDD), Annalena Baerbock (Grüne) und Armin Laschet (CDU).

Großes Kino? Große Gefühle? Wohl kaum. Die Dramatik zog einfach nicht. Das Zuschauerinteresse sinkt mit jedem Triell. Stiegen bei den ersten Aufeinandertreffen parallel zu den Übertragungen noch bei den Internetsuchmaschinen die Zugriffe stark an, lag am Sonntagabend das Triell bei Google nur auf Platz sieben. Kein Wunder, die dritte Runde war ein billiger Abklatsch der beiden ersten Fernseh-Duelle. Sicher, bei den Privaten konnten die Kandidaten ein jüngeres Publikum erreichen als vielleicht bei den Öffentlich-Rechtlichen eine Woche zuvor. Aber das war es dann auch schon.

Bereits das zweite Triell hatte sich kaum vom ersten Dreikampf unterschieden. Und auch das Dritte lief im Prinzip so: Laschet ritt seine Attacken gegen Skandal-Olaf und versuchte, Baerbock und die Grünen als Verbotspartei zu entlarven. Der Vizekanzler machte den Merkel, der sich nicht im politischen Kleinklein aufreibt und hitzige Debatten sachlich erklärt – was wiederum die CDU ob möglicher Erbschleicherei die Zornesröte ins Gesicht treibt.

Triell mit Baerbock, Laschet und Scholz: Wer hat gewonnen? Es gibt einen klaren Sieger

Baerbock warb für den Aufbruch und gegen das Weiter-so der Groko. Zwar zeigte sie sich angriffslustiger mit Sätzen wie „Herr Laschet, ich weiß gar nicht, was mit Ihnen los ist?“. Doch am Ende stritten alle über alt bekannte Themen: Mindestlohn, Steuer, Corona, Klimaschutz, Digitalisierung, bisschen Geldwäsche und ganz viel Koalitionsoptionen.

Und am Ende? Da gewann wieder Scholz das Triell. Nach einer Forsa-Umfrage, die die Sender im Anschluss veröffentlichten, sahen 42 Prozent der Zuschauerinnen und Zuschauer den Vizekanzler vorn. Mit großem Abstand. Laschet kam auf 27 Prozent. Baerbock auf 25 Prozent. Damit feierte der Sozialdemokrat einen ungefährdeten 3:0-Sieg. Denn auch in den ersten Duellen lag er jeweils in der Gunst vorne.

Bundestagswahl 2021: Ein Bundestagswahl-Triell wie das andere – SPD, CDU und Grüne überzeugen durch Langeweile

Die Inszenierungen wirken seit Wochen in Stein gemeißelt. Daran konnte das dritte Triell nichts ändern. Dafür ist das TV-Format zu starr. Themen, Redezeit, wer wie wo steht – alles wird im Vorfeld abgesprochen und festgelegt. Zwar ist es nicht mehr ganz so schlimm, wie in früheren Jahren, als Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sich nur zu einer TV-Schlacht bereit erklärte und sämtliche Fragen von einer Moderatoren-Armada in eine einzige Sendung gepresst werden musste. Doch die neuen Freiheiten wurden dieses Mal nicht genutzt.

Wer moderiert das Triell am Sonntag?

Die Sender der Seven.One Entertainment Group, zu denen Pro7, Sat.1 und Kabel Eins gehören, schicken zwei Moderatorinnen ins Rennen. Zum einen wird Linda Zervakis den drei Kanzlerkandidaten auf den Zahn fühlen. Die Hamburgerin wechselte erst kürzlich von der ARD zu ProSieben. Die frühere Tagesschau-Sprecherin moderiert bei dem Privatsender nun Infotainment-Sendungen mit Matthias Opdenhövel. Derweil stellt Sat1 die „Akte“-Moderatorin Claudia von Brauchitsch ab. Weil die Fernsehfrau auch immer mal wieder CDU-Veranstaltungen moderierte, gab es ein wenig Wirbel. Der Sender wies die Kritik aber zurück und stellte klar, dass von Brauchitsch eine unabhängige Journalistin sei.

Theoretisch hätte es in diesem Wahlkampf die Chance gegeben, in allen Sendungen drei verschiedene Themenkomplexe zu besprechen, ohne den Blick auf die Uhr. Doch stattdessen? Immer wieder das gleiche – so als ob es in Deutschland nicht genug Probleme gebe, über die man ernsthaft diskutieren müsste. Rentenlücke? Unterwanderung der Gesellschaft durch Rechtsextreme? Zunehmende Spaltung in Arm und Reich? Oder aber auch die Tatsache, dass in den Meeren vor Europa immer noch Menschen ertrinken.

Triell heute: Wie nah ist Claudia von Brauchitsch der CDU? Das ist noch der größte Aufreger

Doch das alles scheint weniger wichtig zu sein als die Frage, ob Saskia Esken (SPD) in einem Linksbündnis Ministerin wird, ob Scholz seinen Staatssekretär im FIU-Skandal im Griff hat und ob Triell-Moderatorin Claudia von Brauchitsch mal für die CDU gearbeitet hat*. Und das soll dann der Nervenkitzel zur historischen Richtungswahl sein.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass die deutschen Wählerinnen und Wähler das große Gähnen bekommen. Sie haben ein feines Gespür für Inszenierungen. Man kann ihnen durchaus auch mal ein paar Inhalte zumuten. Doch alle Parteien haben es geschafft, ihre Inhalte erfolgreich zu verstecken – und zwar durch das Geschrei um Söder, Esken, Habeck und Co. Zuletzt fielen dem Kanzlerkandidaten Laschet auf eine spontane Nachfrage keine drei Themen ein*, die er nach der Regierungsübernahme sofort angehen will. Darüber kann man in den sozialen Netzwerken herzhaft lachen – doch in gewisser Weise ist das auch traurig.

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Leider schafften es die drei Kanzlerkandidaten auch an diesem Sonntagabend nicht, viele der inhaltlichen Nebenkriegsschauplätze aus dem Fernsehen zu verbannen. Ein paar mehr Überraschungen wären nett gewesen. Beim dritten Triell. Der letzten Schlacht vor der Stimmabgabe. Sollten Sie immer noch nicht wissen, wen Sie wählen wollen, dann lassen Sie sich doch von unserem Wahl-Ratgeber zur Bundestagswahl inspirieren. * kreiszeitung.de, 24hamburg.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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