Zu wenig Themen vertreten

Bundestagswahl 2021: Junge Menschen vom Wahlkampf enttäuscht

Menschen protestieren gegen ein Bündnis aus Grünen und CDU
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Mehrheit der Wahlberechtigten ist für die Ampel-Koalition aus Grünen, FDP und SPD

Interessieren sich Politiker nur für Ältere? Das ist zumindest der Eindruck vieler Jüngerer. Eine Studie von Vodafone hat dies ermittelt, zeigt aber auch einen Ausweg.

Berlin – Klimaschutz, bezahlbarer Wohnraum und gute Jobs: Junge Menschen in Deutschland sind politisch interessiert, gehen sogar regelmäßig für das Klima auf die Straße und informieren sich. Doch vom vergangenen Wahlkampf vor der Bundestagswahl 2021 zeigen sich viele enttäuscht: Wie eine Umfrage des Befragungsinstituts Infratest dimap Gesellschaft für Trend- und Wahlforschung im Auftrag der Vodafone Stiftung nun zeigt, fühlte sich weniger als ein Viertel der 14- bis 24-Jährigen von der Kommunikation im Wahlkampf angesprochen. Der Hauptgrund war, dass viele wichtige Themen der jungen Menschen im Wahlkampf der Politiker nur eine untergeordnete Rolle spielten.

Parlamentswahl: Bundestagswahl 2021
Datum: 26. September 2021
Wahlbeteiligung: 76,6 %
Wahlberechtigte: Etwa 60,4 Millionen Menschen

Bundestagswahl 2021: Junge Menschen vom Wahlkampf enttäuscht

Dieses Gefühl ist besonders tragisch im Hinblick auf das große Interesse, das die junge Altersgruppe an der Politik hat: Mehr als zwei Drittel der 2124 Befragten informierten sich demnach mindestens einmal pro Woche über das aktuelle politische Geschehen. 29 Prozent tun dies sogar täglich oder mehrmals pro Tag. Zudem gaben 85 Prozent an, am Ausgang der Bundestagswahl äußerst interessiert zu sein. Mehr als die Hälfte informierte sich regelmäßig über Politiker und Parteien im Wahlkampf.

Da Themen wie Bildung, Gesundheit, Digitalisierung und Arbeit nach Ansicht der 14- bis 24-Jährigen im Wahlkampf nur eine untergeordnete Rolle einnahmen, zeigten sich viele junge Menschen enttäuscht. Viele von ihnen (73 Prozent) sahen Personen und Parteien eher im Vordergrund, nicht die politischen Inhalte, und nur 21 Prozent sahen ihre eigenen Interessen im Wahlkampf ausreichend berücksichtigt.

Unter anderem ging es während der TV-Trielle viel um die Personen der Kanzlerkandidaten. Olaf Scholz (SPD) gab häufig den ruhigen Erklärer, Armin Laschet (CDU) war damit beschäftigt, den sozialdemokratischen Konkurrenten zu attackieren und Annalena Baerbock (Grüne) bemühte sich, ihre Klimaagenda anzubringen. Zwar wirkte sich dies nicht negativ auf die angenommene Wahlbeteiligung aus, aber nur 42 Prozent gaben an, dass sie der Wahlkampf zur Stimmenabgabe motiviert habe.

Umfrage: Junge Menschen sind skeptisch über politische Entwicklung

Im Hinblick auf die neue Legislaturperiode blicken junge Menschen skeptisch auf die politische Entwicklung: Aufgrund ihrer Erfahrungen aus dem Wahlkampf erwartet nur ein kleinerer Teil (34 Prozent), dass die neue Bundesregierung sich stärker um die Interessen der 14- bis 24-Jährigen einsetzen wird. Nur ein Fünftel glaubt, dass sich die politische Entwicklung verbessern wird. Die Umfrage im Auftrag der Vodafone Stiftung wurde vom 7. bis zum 27. September durchgeführt. Insgesamt wurden 2124 Menschen im Alter von 14 bis 24 befragt.

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Was ihnen fehlt, ist eindeutig: 54 Prozent gaben an, dass es mehr junge Politikerinnen und Politiker in Deutschland braucht, um die Interessen der jungen Generation stärker zu vertreten. Zwar sind nach der Bundestagswahl knapp neun Prozent der Abgeordneten 30 Jahre oder jünger und damit deutlich mehr als noch in der vergangenen Wahlperiode, aber im Vergleich zum Gesamtbevölkerungsanteil sind junge Menschen immer noch unterrepräsentiert.

Umfrage zur Bundestagswahl: Es fehlen mehr junge Politiker

Zeit zum Handeln also, wenn man die Studienergebnisse betrachtet. Dass viele Parteien ein Altersproblem haben, ist bereits länger bekannt und sorgte auch beim Deutschlandtag der Jungen Union für reichlich Diskussionspotenzial. Der Nachwuchs von CDU und CSU forderte schonungslos einen Neuanfang, um den Anschluss an die Wählerschaft nicht zu verlieren. Dass es auch anders geht, zeigte die SPD am Wahlabend in Angela Merkels (CDU) alten Heimatwahlkreis: Anna Kassautzki gewann mit 24 Prozent der Erststimmen den Wahlkreis Vorpommern-Rügen – Vorpommern-Greifswald I.

Mit einem persönlichen Wahlkampf vor Ort und viel Wählerdialog gelang es, den Wahlkreis gegen die CDU und AfD zu holen. Die 1993 geborene Politikerin kann also als gutes Beispiel dafür verstanden werden, dass junge Nachwuchskräfte auf große Zustimmung in der Bevölkerung stoßen können. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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