Schäuble-Nachfolge

Neue Bundestagspräsidentin: Wer ist Bärbel Bas (SPD)?

Sie soll Nachfolgerin von Wolfgang Schäuble (CDU) werden: Bärbel Bas. Die SPD schlägt sie als Bundestagspräsidentin vor. Doch wer ist sie? Ein Porträt.

Berlin – Von der Hinterbank an die Spitze des deutschen Bundestages? Bärbel Bas (SPD) soll Bundestagspräsidentin werden und Wolfgang Schäuble (CDU) beerben. Die Genossen zauberte die 53-Jährige als Überraschungskandidatin aus dem Hut. Eine der ersten Gratulantinnen war am Mittwoch Jutta Allmendiger. „Chapeau“, twitterte die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung. Mit Bas bekomme der Bundestag jetzt eine Präsidentin mit Format. „Erfahren, innovativ, integrativ.“

Deutsche Politikerin:Bärbel Bas
Partei:SPD
Alter:53 Jahre
Aktuelles Amt:Bundestagsabgeordnete und designierte Bundestagspräsidentin

Bärbel Bas: Die SPD schlägt die 53-Jährige nach der Bundestagswahl als neue Bundestagspräsidentin vor

Doch wer ist Bärbel Bas? Einem größeren Publikum außerhalb der Berliner Politikblase ist die Frau eher nicht bekannt. Doch nun hat die Sozialdemokratin beste Chancen, eines der ranghöchsten Staatsämter in Deutschland zu bekleiden – als erst dritte Frau nach der SPD-Politikerin Annemarie Renger (1972-1976) und der CDU-Politikerin Rita Süssmuth (1988-1998). Der geschäftsführende Fraktionsvorstand folgte damit einem Vorschlag von Fraktionschef Rolf Mützenich, der selber Ambitionen auf den Posten hatten. Nach dem Beschluss der Fraktionsspitze muss nun noch die Fraktion selber zustimmen. Doch es wird eine Mehrheit erwartet.

Sie wird neue Bundestagspräsidentin: Bärbel Bas (SPD) ist erst die dritte Frau an der Spitze des Parlaments. (Montage von kreiszeitung.de)

Innerhalb der SPD-Fraktion genießt Bas einen guten Ruf. Sie gelte als nervenstarke, geerdete und bodenständige Politikerin, zitierte der Tagesspiegel einige Abgeordnete. Geboren und aufgewachsen im Duisburger Stadtteil Walsum kann sie offenbar ihre rheinländische Natur nicht verdecken. Die Arbeiterstadt liegt in Nordrhein-Westfalen, der Herzkammer der Sozialdemokratie. Dementsprechend groß war der Jubel bei einfachen Parteimitgliedern bei Bekanntwerden der Nachricht. „Wir brauchen Bas, Bas, Bas“, twitterte eine NRW-Parteifreund. „Starke Frau, beeindruckende Aufsteigerinnengeschichte. Glückauf“, schrieb ein anderer.

Wer ist Bärbel Bas? Über Ehemann nichts bekannt – Aber privat liebt sie Fußball und Motorradfahren

Privat ist über Bas wenig bekannt. Auf ihrer Homepage schreibt sie, dass sie zusammen mit fünf Geschwistern aufgewachsen ist, Fußball und Motorradfahren liebt. Doch bereits 1988 trat sie als Jungpolitikerin in die SPD Duisburg ein. Die gelernte Sozialversicherungsfachangestellten, die erst bei den Duisburger Verkehrsbetrieben als Bürohilfe arbeitete und später in verschiedenen Jobs bei Krankenversicherungen tätig war, machte die ganze Kärrnerarbeit mit: Jusos, Unterbezirksvorstand, Regionalverband, dann irgendwann Landesparteirat – Bas hat den kompletten Gang durch die Partei absolviert.

Seit 2009 vertritt sie die Stadt an der Ruhr im Deutschen Bundestag als Direktkandidatin. Ihren Wahlkreis Duisburg I verteidigte sie bei jeder Neuwahl. Bei der Bundestagswahl 2021 holte sie 40,3 Prozent der Stimmen – nahezu doppelt so viele wie ihr Konkurrent von der CDU. Sie war lange Mitglied im Gesundheitsausschuss und verhandelte viel mit der Union über die Pflegereform. Seit dem Jahr 2019 ist sie stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende und zuständig für Gesundheit, Bildung und Forschung sowie Petitionen.

Bärbel Bas: Die Frau aus Duisburg ist erst die dritte Frau in dem Staatsamt mit hohem Gehalt

Mit ihrer Arbeit hat Bas, die wie SPD-Parteichefin Saskia Esken Mitglied der parlamentarischen Linken ist, bislang vor allem im Stillen gewirkt. Doch als langjähriges Mitglied verfügt sie über ausreichend parlamentarische Erfahrung. Denn die ist auf dem Posten auch vonnöten. Denn der Bundestagspräsident oder die Bundestagspräsidentin, der oder die vom Bundestag gewählt werden muss und dessen Besoldung mit einem Gehalt von 16.500 Euro brutto im Monat dotiert ist, leitet als wichtigste Aufgabe die Sitzungen, achtet auf die Einhaltung der Geschäftsordnung und ruft die Fraktionen und Parteien notfalls zur Räson. In dem Job ist vor allem Überparteilichkeit gefragt.

Bärbel Bas: Wer waren ihre Vorgänger? Ein Überblick über alle Bundestagspräsidenten seit 1949

  • 1949-1950: Erich Köhler (CDU)
  • 1950-1954: Hermann Ehlers (CDU)
  • 1954-1969: Eugen Gerstenmaier (CDU)
  • 1969-1972: Kai-Uwe von Hassel (CDU)
  • 1972-1976: Annemarie Renger (SPD)
  • 1976-1979: Karl Carstens (CDU)
  • 1979-1983: Richard Stücklen (CSU)
  • 1983-1984: Rainer Barzel (CDU)
  • 1984-1988: Philipp Jenninger (CDU)
  • 1988-1998: Rita Süssmuth (CDU)
  • 1998-2005: Wolfgang Thierse (SPD)
  • 2005-2017: Norbert Lammert (CDU)

    2017-2021: Wolfgang Schäuble (CDU)

Dass Bas davon etwas versteht, ließ sich erst im vergangenen Frühjahr aufblitzen. Mitten in der Pandemie, als zwischen SPD und CDU ein Streit über ein mögliches Versagen bei der Bekämpfung der Corona-Lage entbrannt war, warb sie eindringlich bei einer Rede im Parlament um Geschlossenheit. „Ostern ist das Fest der Auferstehung. Die Pandemie besiegen wir nur gemeinsam“, betonte sie in einer Rede.

Fraktion ist sich sicher: Bärbel Bas ist den Aufgaben eines Bundestagspräsidenten gewachsen

Bereits am kommenden Dienstag, wenn sich der Bundestag zu seiner konstituierenden Sitzung trifft, könnte Bärbel Bas gewählt werden. An ihren Wahlchancen gibt es kaum Zweifel. Die SPD mit Kanzlerkandidat Olaf Scholz stellt seit der Bundestagswahl die stärkste Fraktion. Und in der Vergangenheit gehörte es zur Gepflogenheit, dass der Bundestagspräsident aus den Reihen der Wahlsieger gekürt wurde.

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Zudem kann Bas sicherlich auch mit vielen Stimmen aus dem Lager von FDP und Grünen rechnen, die derzeit mit der SPD über die Bildung einer Ampel-Koalition verhandeln. Versagen die potenziellen Juniorpartner dem Personalvorschlag die Unterstützung, wäre dies mehr als ein Störfeuer. Doch davon ist nicht auszugehen. Denn vor allen auch den Grünen war zuletzt wichtig, dass vor allem eines gewährleistet ist: Dass eine Frau an der Spitze des Bundestages steht. Bald könnte es also so weit sein. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Christophe Gateau/Michael Kappeler/dpa

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