Konstituierende Sitzung

Rekord-Bundestag: Doch Frauen und Mechaniker bekommen wenig Platz

Es ist der Maschinenraum der Macht: der neue Bundestag: Am Dienstag trat er zur ersten Sitzung zusammen – mit so vielen Abgeordneten wie nie. Doch wer vertritt uns?

Berlin – Größer und teurer: Mit einer Rekordanzahl von 736 Abgeordneten ist der Deutsche Bundestag in die 20. Legislaturperiode gestartet. Die Zusammensetzung des Parlaments löst beim Bund der Steuerzahler weiterhin massive Kritik aus. So verschlinge der XXL-Bundestag in der nun laufenden Wahlperiode Mehrkosten von 410 Millionen Euro, schimpfte der Präsident der Organisation Reiner Holznagel gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Mit einer Wahlrechtsreform müsse die Zahl der Parlamentarier unbedingt wieder auf Normalmaß gestutzt werden. „500 Abgeordnete sind genug“, hieß es.

Deutscher Bundestag:20. Legislaturperiode
Hauptsitz:Reichstagsgebäude, Berlin
Zahl der Abgeordneten:736
Wahlberechtigte:60,4 Millionen

Ungeachtet des Protestes der Steuerzahler nahm der Jumbo-Bundestag am Dienstag, 26. Oktober 2021, seine Arbeit auf. Nach der Bundestagswahl 2021 kamen die 736 Bundestagsabgeordneten zur konstituierenden Sitzung zusammen. Pünktlich um 11 Uhr eröffnete Alterspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) das Plenum, das zunächst aus seiner Mitte einen neuen Bundestagspräsidenten und dessen Stellvertreter wählen sollten. Nominiert für das hohe Staatsamt war die SPD-Abgeordnete Bärbel Bas.

Deutscher Bundestag: So groß wie nie – warum sind so viele Abgeordnete im Parlament

Der neue Bundestag ist tatsächlich so groß wie nie. Das liegt an einem komplexen System aus Überhangmandaten und Ausgleichsmandaten, wie in der anschaulichen Übersicht von kreiszeitung.de erklärt wird. Da sich in der vergangenen Legislaturperiode trotz eines Bundesverfassungsgerichtsurteils die Parteien auf keine Reform einigen konnten, bläht sich die deutsche Volksvertretung immer weiter auf. Nach der Wahl 2021 schickt nun die SPD insgesamt 206 Abgeordnete ins Rennen, die Union 197, die Grünen 118, die FDP mit 92, die AfD 82 und die Linke 39 Abgeordnete. Hinzu kommen mit Stefan Seidler (SSW) und Matthias Helferich (AfD) zwei fraktionslose Abgeordnete.

Stühlerücken im Bundestag: Mit 736 Abgeordneten bekommt das Parlament so viele Abgeordnete wie nie.

Doch wer genau sind die Menschen, die uns in den kommenden vier Jahren vertreten werden? Was sind ihre Hintergründe? Fest steht bereits: Der neue Bundestag wird etwas jünger und auch ein klein wenig weiblicher. So ist das Durchschnittsalter mit 47,5 Jahren so niedrig wie seit einigen Jahren nicht mehr. Während Wolfgang Schäuble (79/CDU) und Alexander Gauland (80/AfD) die beiden ältesten Abgeordneten sind, zog mit der 23-jährigen Emilia Fester (Grüne) die jüngste Mandatsträgerin ins Parlament ein.

Konstituierende Sitzung: Jünger und bisschen weiblicher – Emilia Fester ist die jüngste Abgeordnete

Der 20. Bundestag ist etwas jünger und weiblicher. 279 Abgeordnete sind neu im Parlament. Der Frauenanteil steigt leicht von 31 Prozent in der vergangenen Legislaturperiode auf rund 35 Prozent und liegt damit immer noch rund anderthalb Prozentpunkte niedriger als nach der Wahl 2013. Ein Viertel der Abgeordneten sind nun jünger als 40 Jahre alt – die meisten von ihnen kommen dabei aus den Reihen von SPD und Grünen.

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Insgesamt stellen die Parteien auch wieder mehr Frauen. Jedoch ist das alleine noch kein Grund zum Jubeln. So stieg der Anteil der weiblichen Abgeordneten zwar wieder von 31 auf 34 Prozent, darunter auch erstmals zwei Transgender-Frauen. Doch gemessen an der Tatsache, dass Frauen in Deutschland mehr als die Hälfte der Bevölkerung ausmachen, erscheint der Anteil vielen dann doch als zu gering.

Deshalb sei es „viel zu bescheiden“, in dem Anstieg eine gute Nachricht zu sehen, sagte Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) unlängst in der ARD. Insofern sehen es viele weibliche Abgeordnete zumindest als Genugtuung, dass mit Bärbel Bas das Bundestagspräsidium nun mit einer Frau besetzt werden sollte.

Zusammensetzung des Parlaments: Diese Berufe sind im Bundestag vertreten

Kaum Veränderung gibt es übrigens auch bei der beruflichen Zusammensetzung: Zwar gibt es seitens der Bundestagsverwaltung dazu noch keine abschließenden Zahlen. Aber im Vorfeld der Wahl hatte die Bundestagswahlleitung den Kreis der Kandidaten ausgewertet, was wiederum einen kleinen Fingerzeig bietet.

Stark vereinfacht lässt sich Folgendes sagen: Juristen, Unternehmerinnen, Berater und vor allem Beamte haben in der Vergangenheit am meisten den Volkswillen vertreten. Daran ändert sich auch in der neuen Legislaturperiode nichts. Auch dieses Mal stellen sie die größte Gruppe – im Gegensatz Mechatronikern, Elektrikern oder Arbeitern aus der Tourismus-, Hotel- und Gaststättenbranche. Sie sind so gut wie überhaupt nicht präsent. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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