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Drohender Gasnotstand durch Wartung von Nord Stream 1: Was droht im Winter?

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Von: Alexander Eser-Ruperti

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Der Gasnotstand ist noch nicht da, doch er droht. Das könnte auch ungeahnte Folgen haben: Sie betreffen die Versorgung mit Milchprodukten.

Berlin – Der drohende Gasnotstand in Deutschland beschäftigt Medien und Politik seit Beginn des Ukraine-Kriegs. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) warnt bereits vor Chaos im Winter. Seit dem Morgen des 11.07.2022 läuft die Wartung der Gaspipeline Nord Stream 1 und es wird befürchtet, dass danach der langfristige Gas-Lieferstopp kommt. Welche Folgen könnte das neben steigenden Gaspreisen für Verbraucher Richtung Winter haben? Bei bestimmten Lebensmitteln droht möglicherweise ein Mangel im Zuge der Energiekrise 2022.

Sorge um Gasnotstand: Nord Stream 1 wird ab heute gewartet – was kommt dann?

Seit dem Morgen des 11.07.2022 läuft die planmäßige Wartung der Gaspipeline Nord Stream 1. Politik, Wirtschaft und Verbraucher beschäftigt derweil die Frage, ob Russland unter Wladimir Putin die Lieferung von Gas nach der Wartung überhaupt wieder aufnimmt. Es gibt Zweifel – nicht nur die Märkte sind beunruhigt. Russland könnte die Lieferung als Reaktion auf die Sanktionen der EU längerfristig einstellen. Im Rahmen der Energiekrise 2022 wächst die Sorge um einen bevorstehenden Gasnotstand – die Auswirkungen des möglichen Lieferstopps werden derweil unterschiedlich bewertet. Einige Experten glauben, gesteigerte Lieferungen aus Norwegen könnten gepaart mit Verzicht zumindest den Winter überbrücken.

Ein Gaszähler in einem Keller als Symbolbild für den Gasimport zeigt den Gasverbrauch an.
Gaszähler zeigt den Verbrauch an: Der drohende Gasnotstand hat im Bereich der Lebensmittelversorgung möglicherweise ungeahnte Folgen. (Symbolbild) © Christoph Hardt / IMAGO

Die Sorge ist offensichtlich groß: Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) pochte deshalb zuletzt auf ein Schlupfloch für Nord Stream 1. Mit Blick auf die kommenden Monate werden weitere Lieferungen benötigt, noch gibt es den Gasnotstand nicht, doch er droht zumindest. Der Weg in die Energieunabhängigkeit ist für Deutschland nach wie vor weit – auch der Ausbau von Windkraft geht nur schleppend voran.

Drohender Gasnotstand Deutschland: Mangel an Gas macht sich möglicherweise im Kühlschrank bemerkbar

Der drohende Gasnotstand in Deutschland könnte sich perspektivisch auch im Kühlschrank bemerkbar machen. Der Grund hierfür sind nicht nur geringere finanzielle Mittel vieler Bürger aufgrund explodierender Gaspreise – sondern auch die Situation der Molkereibetriebe.

Die Produktion von Butter, Käse, Milch und Co. ist besonders energieintensiv. Sollte es wirklich zu einem Gasnotstand kommen, wäre das für die Molkereibranche ein besonderes Debakel. Für Verbraucher könnten dann nicht nur höhere Preise drohen, sondern auch ein geringeres Angebot durch Produktionsstopps und Pleiten. Ob diese schon im Winter drohen – unklar.

Gasnotstand in Deutschland: Steigende Preise für Lebensmittel – Notbetrieb wird vorbereitet

Auch andere Bereiche des Lebensmittelsektors sind bereits betroffen, der Molkereiwirtschaft droht indes eine besonders schwere Zeit. Insgesamt steigen die Preise für Lebensmittel deutlich. Um für den Fall eines tatsächlichen Gasnotstandes gewappnet zu sein, hat die Molkerei Berchtesgadener Land bereits vor Monaten begonnen, einen Notbetrieb mit Heizöl vorzubereiten, das berichtet die Tagesschau.

Auch vor den Sommerferien forderte der Gasnotstand bereits seinen Tribut – im Winter könnte sich das zuspitzen, auf verschiedenen Ebenen: Dann könnte es nicht nur um geschlossene Bäder gehen, sondern neben steigenden Preisen auch um ein reduziertes Angebot an Molkereiwaren. Die Chemieindustrie zeigt sich ebenfalls besorgt: Ein längerer Gasnotstand könnte zu Problemen bei der Produktion etwa von Waschmitteln, Kosmetika, aber auch Medikamenten führen.

Füllstand der Gasspeicher in Deutschland: Reserven der Bundesrepublik füllen sich nur langsam

Der größte deutsche Gasspeicher in Rehden wird trotz gedrosselter Gaslieferungen aus Russland stetig gefüllt. Ende Juni lag der Füllstand allerdings erst bei 20 Prozent. Laut den Daten des Betreibers Astora, einer Tochter der unter Treuhandverwaltung der Bundesnetzagentur stehenden Gazprom Germania, werden aktuell 15 Millionen Kilowattstunden pro Stunde in das unterirdische Reservoir gepumpt.

Die Einspeisung von Gas hatte unmittelbar nach Inkrafttreten der von Wirtschaftsminister Robert Habeck erlassenen Ministerverordnung am 2. Juni begonnen.

Gastnotstand und Energiekrise 2022: Markus Söder warnt vor „Chaos“ im Winter

Hinsichtlich der Energiekrise 2022 und dem drohenden Gasnotstand hatte sich zuletzt auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) besorgt gezeigt. Söder warnte mit Blick auf den Winter vor einem Abstieg der Wirtschaft, von dem sich Deutschland kaum erholen würde. Dieser könnte auch die Molkereiwirtschaft betreffen.

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Söder erklärte, er befürchte im Winter im Zuge ausbleibender Gaslieferungen „Chaos“ in Deutschland. Der bayrische Ministerpräsident fragte im ARD-Sommerinterview „Wo bleiben Ersatzgaslieferungen für Deutschland?“ und betonte seine Sorge um die weiterhin unklare Situation und Perspektive. Bis zum Winter ist es noch einige Zeit, doch die Debatte um Energiesicherheit nimmt weiter an Fahrt auf. Auch auf dem Markt für Lebensmittel würde sich eine weitere Verknappung der Energiezufuhr nach Deutschland bemerkbar machen – und es ist bereits deutlich teurer geworden.

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