Ungeschickter Talkshow-Auftritt

Bloß wegen Frauenkarte? Habeck fällt Baerbock in den Rücken

Die Grünen wollen über Klimaschutz reden. Doch die Personaldebatte um Annalena Baerbock nimmt kein Ende. Auch Co-Chef Robert Habeck wehrt sie nur halbherzig ab.

Berlin – Inhaltliche Auseinandersetzung über Klimaschutz statt Personalfragen um die Kanzlerkandidatin – davon träumen die Grünen seit Wochen vergeblich im Bundestagswahlkampf. Ausgerechnet Co-Parteichef Robert Habeck* hat die leidige Debatte jetzt weiter befeuert, statt sie im Keim zu ersticken. Bei der Auswahl von Parteichefin Annalena Baerbock als Spitzenkandidatin sei die Frauenkarte ein „entscheidendes Kriterium“ gewesen, sagte Habeck bei einem Auftritt in der ARD-Talkshow „Maischberger. Die Woche“.

Deutscher Politiker:Robert Habeck
Geboren:2. September 1969 (51 Jahre), in Lübeck
Privat:verheiratet, vier Söhne
Aktuelles Amt:Bundesvorsitzender der Grünen

Seit Wochen schwelt bei den Grünen die Diskussion über Baerbock. Mit Ungeschicklichkeiten beim Verfassen von Lebenslauf und Buch hatte die 40-Jährige zuletzt selber Kritik an ihrer Person ausgelöst und für einen Absturz in den Umfragen* gesorgt – kurz nachdem die Grünen nach der Nominierung von Baerbock zwischenzeitlich einen Höhenflug hingelegt hatten. Dadurch agierte die Partei zunehmend nervös und immer wieder tauchte die Frage auf, ob Habeck nicht der bessere Kandidat gewesen wäre.

Robert Habeck: Statt Debatte über Klimaschutz steht Duell mit Annalena Baerbock im Vordergrund

Der frühere schleswig-holsteinische Umweltminister hat selber nie einen Hehl aus seinen Ambitionen auf den Spitzenposten gemacht. Dass es im Duell mit Baerbock aber für ihn in der Partei, die seit ihrer Gründung stolz auf ihr Frauenstatut* ist, schwer werden würde, war für ihn immer klar. Trotzdem hatte er sich insgeheim wegen seiner höheren Popularitätswerte und seiner Regierungserfahrung durchaus auch Chancen ausgerechnet. Kurz nach der Krönung von Baerbock äußerte er sich in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung darüber, wie tief ihn die Entscheidung getroffen habe.

Passt zwischen sie mehr als ein Blatt? Robert Habeck und Annalena Baerbock (beide Grüne) versuchen im Wahlkampf Boden gutzumachen.

Doch die Personalfrage ist geklärt und die andauernde Diskussion darüber bringt die Grünen nicht weiter. Im Gegenteil, das weiß auch Habeck. Gebetsmühlenartig schließt er deswegen seit Tagen einen Wechsel der Kandidaten öffentlich aus. Auch in der ARD-Sendung von Talkmasterin Sandra Maischberger betonte er, dass „Annalena viele Qualitäten hat“. Außerdem: Im Wahlkampf mache jeder Fehler. Das wäre bei ihm auch nicht anders, sagte Habeck, der darüber hinaus sein Indianer-Ehrenwort* gab – und damit selber für einen Shitstorm im Netz sorgte.

Bereits am Dienstag hatte sich der Co-Parteichef offensiv an Baerbocks Seite gestellt. Mit einem gemeinsamen Auftritt mit der 40-Jährigen stellte er in einem brandenburgischen Moor ein 100-Tage-Sofortprogramm zum Klimaschutz vor. Der Termin war explizit dazu gedacht, die Personalquerelen zu beenden und die inhaltliche Debatte wieder nach vorne zu bringen. Trotz aller Fehler habe man es gemeinsam „gut gemacht“, konstatierte Habeck. Aber jetzt werde man sich nur noch darauf konzentrieren, die Klimaschutzdebatte zu „erden“ und die von außen herangetragenen Zwischentöne auszublenden, versprach der Parteichef.

Wie zum Beweis präsentierten Habeck und Baerbock einen ehrgeizigen Regierungsplan, der die Schaffung eines Klimaschutzministeriums vorsieht, das mit einem Vetorecht ausgestattet die Einhaltung der Klimaziele überwachen, den klimaneutralen Umbau der Industrie vorantreiben und den frühzeitigen Kohleausstieg ermöglichen soll.

Robert Habeck mit düsterer Prognose: Der Klimawandel lässt sich nicht mehr rückgängig machen

Dass der Handlungsdruck in Sachen Klimaschutz enorm hoch ist, das machte Habeck bei „Maischberger“ erneut unmissverständlich klar. Trotz aller angedachten Maßnahmen zum Klimaschutz sei mit einem Ende der Wetterextreme nicht mehr zu rechnen. Das werde „leider nie passieren“, malte Habeck ein düsteres Zukunftsszenario. „Im Gegenteil: Es bleibt nicht so, es wird krasser werden“, sagte er.

Denn das CO2 sei bereits ausgestoßen, es handele sich um träge Systeme, die Meere erwärmten sich langsam, erläuterte der Parteichef. Nun gehe es ausschließlich darum, die Erderwärmung zu verlangsamen, dass sich der Mensch anpassen und die Städte vor katastrophalen Zuständen geschützt werden können.

Damit war der Parteichef in seinem Element und bei seinem Thema. Warum er zuvor die Frage nach Baerbock nicht einfach als Unsinn zurückwies und die Debatte im Keim erstickte, bleibt sein Geheimnis. * kreiszeitung.de, 24hamburg.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa/picture alliance

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