Bertelsmann-Studie

Lehrermangel an Grundschulen nimmt bis 2025 dramatisch zu

Ende 2017 war rund jede zehnte Leitungsstelle an Grundschulen in Deutschland unbesetzt. Foto: David-Wolfgang Ebener/Symbol
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Ende 2017 war rund jede zehnte Leitungsstelle an Grundschulen in Deutschland unbesetzt. Foto: David-Wolfgang Ebener/Symbol

Lehrermangel gibt es bereits jetzt an vielen Grundschulen in Deutschland. Für die nächsten sieben Jahre allerdings prognostiziert die Bertelsmann-Stiftung einen dramatischen Anstieg. Experten werfen der Politik schwere Versäumnisse vor.

Gütersloh (dpa) - Der Lehrermangel an den Grundschulen in Deutschland spitzt sich nach einer Studie in den nächsten Jahren dramatisch zu.

Nach Zahlen, die die Bertelsmann-Stiftung am Mittwoch in Gütersloh vorstellt, fehlen bis ins Jahr 2025 rund 35.000 Lehrer für die ersten Schuljahre. Der Grund dafür: Nach Berechnungen der Stiftung müssten bis 2025 knapp 105.000 neue Lehrer eingestellt werden, die Universitäten können bis dahin aber nur 70.000 Absolventen ausbilden.

In ihrer Rechnung gehen die Bildungsforscher Klaus Klemm und Dirk Zorn von 60.000 Pädagogen aus, die in den Ruhestand gehen und ersetzt werden müssten. Weitere 26.000 neue Lehrer seien nötig, um die bis dahin steigenden Schülerzahlen aufzufangen. Für den Ausbau von Ganztagsschulen würden außerdem 19.000 Lehrer benötig. Nach Zahlen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sind aktuell bundesweit rund 2000 Lehrerstellen an Grundschulen nicht besetzt.

«Gute Schule ist guter Unterricht und der wird durch gute Lehrer gemacht. Angesichts des bundesweiten Lehrermangels sollten sich die Länder die Lehrer nicht länger gegenseitig abwerben», forderte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. «Die Verantwortlichen sollten gemeinsame Lösungen suchen, um den Bedarf zu decken - und zwar ohne die Qualität einreißen zu lassen.»

In der Zeit nach 2025 entspannt sich die Lage wegen der demografischen Entwicklung der Bevölkerung bei den Schülerzahlen wieder. Die Bertelsmann-Stiftung sieht drei Möglichkeiten, den vorübergehenden Bedarf an Grundschullehrern besser abzudecken. Die Forscher schlagen vor, den überwiegend weiblichen Pädagogen, von denen 40 Prozent in Teilzeitarbeit arbeiten, Anreize zum Aufstocken zu bieten. Auch könnten Grundschullehrer, die kurz vor der Pensionierung stehen, wieder mehr unterrichten. Die Studienautoren schränken aber ein, dass wegen der Freiwilligkeit nur schwer einzuschätzen sei, wie diese Angebote angenommen würden.

Als dritte Möglichkeit schlagen die Autoren vor, Quereinsteiger ohne Grundschulstudium einzusetzen. «Flexible Zugangswege zum Lehrerberuf und pädagogische Qualität dürfen nicht im Widerspruch stehen. Wir brauchen einheitliche Standards für die Qualifizierung von Seiteneinsteigern. Dazu gehört auch genügend Zeit für berufsbegleitendes Lernen und für das Mentoring durch erfahrene Kollegen», so Dräger.

«Bei dem jetzt prognostizierten Lehrermangel für die kommenden Jahre müssen wir schnellstmöglich über Maßnahmen diskutieren, die aber generell Notlösungen sein werden», sagte Susanne Miller der Deutschen Presse-Agentur. Die Professorin lehrt und forscht zum Schwerpunkt Grundschulpädagogik an der Uni Bielefeld und ist 1. Vorsitzende der Kommission «Grundschulforschung und Pädagogik der Primarstufe» in der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) wirft der Politik schwere Versäumnisse vor. «Es ist ein Armutszeugnis, dass eine Stiftung die Hausaufgaben der Politik machen muss, um zu einer realistischen Lehrerbedarfsprognose zu kommen», kommentierte VBE-Bundesvorsitzende Udo Beckmann die Studie.

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