Er deutet sein Comeback an

Berlusconi: Ich mische weiter mit

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Für Berlusconi ist der Richterspruch "eine Barbarei"

Mailand - Vier Jahre Haft. Mit diesem Urteil will sich der Ex-Regierungschef Berlusconi nicht abfinden. Er deutet einen Rücktritt vom Rückzug aus der Politik an. Schließlich müsse er die Justiz reformieren.

Der frühere italienische Regierungschef Silvio Berlusconi hat am Tag nach seiner Verurteilung wegen Steuerbetrugs angekündigt, weiter in der Politik mitmischen zu wollen. „Ich fühle mich verpflichtet, auf dem Spielfeld zu bleiben“, sagte Berlusconi am Samstag im italienischen Fernsehen. Er müsse den „Justizplaneten“ reformieren, damit anderen Bürgern nicht passiere, was ihm passiert sei. Während Anhänger seiner Partei PdL (Volk der Freiheit) dies als Ankündigung einer Rückkehr als ihr Spitzenkandidat ansahen, meinten Gegner Berlusconis, er erzähle heute dies und morgen jenes. Berlusconi bekräftigte später, dass er nicht antreten werde. Die Anwälte des 76-Jährigen kündigten indes Berufung gegen das Urteil an.

Erst am Mittwoch hatte der skandalumwitterte Berlusconi offiziell mitgeteilt, dass er bei der Parlamentswahl im Frühjahr 2013 doch nicht wieder Kandidat für das Amt des Regierungschefs werden will. Seine Partei stellte sich jetzt ganz hinter ihn und nannte das Mailänder Urteil einen „politisch motivierten Mordversuch“. Es wurden sofort Stimmen laut, er solle doch noch einmal kandidieren.

Bunga Bunga ist überall - Sexaffären prominenter Männer

Sexaffären machen prominenten Männern seit eh und je zu schaffen. Von Bill Clinton über Silvio Berlusconi bis zu Wikileaks-Gründer Julian Assange. Klicken Sie sich durch: © dpa
In die Geschichte eingegangen ist Bill Clintons Satz: “I did not have sexual relations with that woman“ - ich habe keine sexuelle Beziehung zu dieser Frau gehabt, so beteuerte der damalige US-Präsident seine Unschuld. Dass Monica Lewinsky aber viel mehr als nur eine Praktikantin im Weißen Haus war, konnte die Öffentlichkeit dann en détail erfahren. Der Seitensprung im Oval Office mündete in einem Amtsenthebungsverfahren, das scheiterte. Clintons Ansehen hat die Lewinsky-Affäre langfristig wenig geschadet. © ap
Anders sieht das bei Italiens Regierungschef Berlusconi aus. Dessen Triebe halten zwar die Welt bei Laune, dem Image Italiens schaden die Enthüllungen über wilde “Bunga Bunga“-Sexpartys allerdings enorm. Berlusconi wird nicht nur als lüsterner Greis verspottet. Seit April steht er wegen der Affäre um die Prostituierte “Ruby“ vor Gericht. Der Ausgang von “Rubygate“ ist ungewiss. © dpa
Nur selten endet es für die mächtigen Männer im Gefängnis. Eine Ausnahme ist der Fall des israelischen Ex-Präsidenten Mosche Katzav, der wegen Vergewaltigung und sexueller Belästigung von Mitarbeiterinnen im März zu sieben Jahren Haft verurteilt wurde. © dpa
Wikileaks-Gründer Julian Assange wehrt sich seit Monaten gegen eine Auslieferung an Schweden, wo er ungeschützten Sex mit zwei Frauen gehabt haben soll. Er sieht eine Verschwörung gegen sich wegen seines Enthüllungsportals Wikileaks. © dpa
Doch nicht nur in der Politik, auch im Showgeschäft, im Sport und in der Wirtschaft scheint die Sexaffäre die unverwüstliche Begleiterin der Macht zu sein: Bei VW ließen sich Betriebsräte Prostituierte vom Konzern bezahlen - das Unternehmen hatte deshalb eine handfeste Krise durchzustehen. © dpa
Golfer Tiger Woods opferte nicht nur seine Ehe sondern auch seine Karriere für seine Sexlust. © Getty
Starregisseur Roman Polanski soll in den 70er Jahren eine Minderjährige zum Sex verführt haben. In der Schweiz stand er erst kürzlich im Zusammenhang mit dem Fall unter Hausarrest. © dpa
Und Jörg Kachelmann ist nicht mehr der witzige Wettermoderator, seit er wegen Vergewaltigungsvorwürfen auf der Anklagebank am Landgericht Mannheim sitzt. © dpa
Frauen scheinen ihre Triebe dagegen eher im Griff zu haben - oder sie sind schlicht diskreter. Doch auch hier gibt es Fälle. So etwa Iris Robinson, die Frau des nordirischen Ministerpräsidenten, die sich von einem Teenager hinreißen ließ. Ausbaden musst es allerdings vor allem ihr Mann: Peter Robinson musste vorübergehend sein Amt abgeben. © dpa

Berlusconi will seine Verurteilung im Prozess um Steuerbetrug und Hinterziehung jedenfalls nicht hinnehmen. Nach Verkündung der Haftstrafe gegen den 76-Jährigen kündigten Berlusconis Anwälte Berufung an. Sie wollen ihren Antrag bis zum 9. November vorlegen. Erst in einer dritten Instanz würde das Urteil auch rechtskräftig.

Ein Mailänder Gericht hatte Berlusconi am Freitag zu vier Jahren Haft verurteilt. Davon wurden ihm jedoch drei Jahre erlassen. Grundlage dafür ist ein Gesetz von 2006, das wegen der überfüllten italienischen Gefängnisse beschlossen worden war.

Offen ist, ob das Urteil in einem voraussichtlich langwierigen Berufungsverfahren überhaupt rechtskräftig werden kann. Denn die Mediaset-Straftaten verjähren Mitte 2014.

Für Berlusconi ist das Urteil "eine Barbarei"

Berlusconi nannte den Richterspruch „eine Barbarei“ und ein politisches Urteil fern der Realität. Er hat sich bei seinen Prozessen immer von linken Staatsanwälten und Richtern aus politischen Gründen verfolgt gefühlt.

Der Mailänder „Corriere della Sera“ erklärte am Samstag, der Straferlass von drei Jahren falle automatisch weg, sollte der „Cavaliere“ in seinem Sex-Prozess um die Marokkanerin Ruby definitiv mehr als zwei Jahre Haft auferlegt bekommen.

„Zehn Jahre Ermittlungen und ein unendlicher Prozess“, meinte die römische „Repubblica“ zu dem Urteil, während der „Corriere della Sera“ sich bei breiter Berichterstattung mit Kommentaren zurückhielt. „Berlusconi, game over“, so titelte die katholische „Famiglia Cristiana“: „Ich denke, dass das Land jetzt wirklich eine neue Seite aufschlagen und nach vorne blicken müsste“, erklärte der Direktor von „Familia Cristiana“, Antonio Sciortino.

Gericht überzeugt: Berlusconi war der Drahtzieher

Berlusconi war nach Auffassung des Gerichts in den 1990er Jahren führend in eine Kette fingierter Verkäufe verwickelt. Beim Verkauf von TV-Rechten des Mediaset-Konzerns seien die Kosten um Hunderte Millionen Dollar aufgebläht worden. Das Gericht sprach von einem Geldfluss in Berlusconis Kassen. Er sei der „planende Kopf einer systematischen Steuerhinterziehung von ungewöhnlichem Umfang“ gewesen. Das Gericht untersagte es Berlusconi auch für fünf Jahre, öffentliche - und damit vor allem politische - Ämter zu bekleiden.

Berlusconi hatte wie schon in anderen Prozessen wiederholt seine Unschuld beteuert. In seiner Zeit als Ministerpräsident hatte er mit mehreren Gesetzen dafür gesorgt, dass das Mediaset-Verfahren wie auch andere Prozesse gegen ihn unterbrochen wurden. Damit rückten die ihm vorgeworfenen Straftaten näher an eine Verjährung heran.

In Dutzenden von gerichtlichen Auseinandersetzungen erprobt, hat er vor allem noch den sogenannten Ruby-Prozess am Hals. Auch in diesem Verfahren könnte ein erstes Urteil noch vor dem Jahresende fallen.

dpa

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