„Hochgradig aggressiv“

Prozess gegen Sven Liebich: TV-Team vom ZDF vor Prozessgebäude rüde attackiert

Vor dem Berliner Landgericht kam es zu einer rüden Attacke auf ein TV-Team des ZDF
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Vor dem Berliner Landgericht kam es zu einer rüden Attacke auf ein TV-Team des ZDF.

Erneut werden TV-Reporter bei der Ausübung ihrer Arbeit gehindert. Diesmal sieht sich ein ZDF-Team in Berlin Anfeindungen ausgesetzt. Involviert ist auch ein Justizbeamter.

  • Am Rande eines Gerichtsprozesses gegen einen Rechtsextremisten gerät ein TV-Team des ZDF in die Bredouille.
  • Aufnahmen vom Geschehen zeigen, wie ein Justizbeamter die Berichterstattung zu unterbinden versucht.
  • Im Gerichtsgebäude sei es zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Journalisten und Zuschauern gekommen.

Update von 15.30 Uhr:

Nach dem

Angriff auf ein Fernsehteam

vor dem Landgericht Berlin hat Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) den Schutz der Pressefreiheit angemahnt. Diese müsse "geschützt und gewahrt werden", erklärte er am Freitag. Selbstverständlich sei in und um die Gerichte "eine freie Presseberichterstattung zu gewährleisten". Gerichtspräsident Holger Matthiessen kündigte eine

interne Aufarbeitung

des Falls an und versicherte, dass eine Presseberichterstattung über Gerichtsverfahren "ausdrücklich erwünscht" sei.

Matthiessen erklärte dazu, er bedaure außerordentlich, dass "der Eindruck entstehen konnte, Justizbedienstete würden Journalisten vor dem Gerichtsgebäude an der Berichterstattung hindern wollen". Der Wachtmeister habe ihm versichert, er habe lediglich Bildaufnahmen von sich verhindern wollen. Dabei habe der Mann "aber ersichtlich überreagiert", erklärte der Gerichtspräsident. Er kündigte an, dass der Vorfall intern ausgewertet und dafür Sorge getragen werde, "dass sich Vergleichbares nicht wiederholen wird".

Berlin: ZDF-Reporter bei Gerichtsprozess mit Sven Liebich angegangen

Ursprungsartikel vom 5. Juni 2020: In der Hauptstadt sah sich am Rande eines Gerichtsprozesses neuerlich ein TV-Team wüsten Beschimpfungen ausgesetzt. Diesmal war es jedoch Berichten zufolge auch ein Justizbeamter, der Reporter und Kameramann des ZDF an der Ausübung ihrer Arbeit hinderte. In den sozialen Netzwerken veröffentlichte Aufnahmen aus Berlin zeigen, wie die Berichterstatter vor dem Gerichtsgebäude bedrängt werden:

Wie auch der öffentlich-rechtliche Sender selbst später mitteilte, seien die Reporter am Rande der Dreharbeiten bedroht und angepöbelt worden. Der Kameramann wurde angeblich gestoßen, verletzt wurde letztlich jedoch niemand. Die Täter sollen laut taz aus der rechten Szene stammen. Die Zeitung berichtet darüber, dass im Gerichtsgebäude offenbar ein Prozess des bekannten Rechtsextremisten Sven Liebich aus Halle stattgefunden habe. 

Den Schilderungen des Journalisten Arndt Ginzel zufolge wurden er und der Kameramann von einer Gruppe mit etwa 15 Personen verunglimpft. „Das war hochgradig aggressiv und handgreiflich“, lässt er gegenüber der taz wissen. Bei dem Zivilverfahren ging es laut Gericht um den Widerspruch gegen eine einstweilige Verfügung. Ein bei Twitter gepostetes Video gewährt einen Blick auf den Ablauf der Geschehnisse:

Berlin: ZDF-Reporter vor und im Gericht in Gerangel verwickelt

Am Donnerstagabend ließ die Polizei wissen, dass bisher keine Informationen zu dem Zwischenfall vor dem Berliner Landgericht vorliegen. Ein Gerichtssprecher bestätigte jedoch, dass es vor dem Gebäude zu „Unruhe“ gekommen sei, worauf vorsorglich die Polizei gerufen wurde. Dabei blieb es nicht: Auch bei dem Prozess selbst sei es angeblich zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Zuschauern und anwesenden Journalisten gekommen.

Zuletzt fanden in Deutschland wiederholt Angriffe auf Journalisten statt, die an ihrer Arbeit gehindert wurden. So wurden in Berlin bereits Kamerateams von ZDF und auch der ARD rüde angegangen. Nach den Vorkommnissen hatte „heute show“-Moderator Oliver Welke mahnende Worte an die Zuschauer gerichtet - zur Abwechslung ganz ohne Humor.

In Dortmund wurde kürzlich ein WDR-Team bei einer Demonstration gegen Corona-Einschränkungen* angegriffen.

PF/AFP/dpa

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