Spritpreis-Lüge

Benzinpreis-Explosion vor Bundestagswahl 2021: Zahlen Familien bald 1800 Euro mehr?

Deutsche legen Wert auf Klimaschutz. Beim Benzinpreis hört der Spaß aber auf. Nach der Bundestagswahl könnten für Familien 1800 Euro Mehrkosten anstehen.

Berlin – Schlechte Nachrichten für Familien und Pendler: Nach der Bundestagswahl 2021 könnte den Autofahrern in Deutschland eine drastische Benzinpreis-Erhöhung* drohen. Davor haben jetzt Wirtschaftsexperten gewarnt. Besonders hart könnte es dabei Familien auf dem Land treffen. 1800 Euro Mehrkosten stehen dabei im Raum.

Im Extremfall könnte auf Deutschlands Autofahrer in den kommenden Jahren eine Benzinpreis-Explosion von bis zu 70 Cent pro Liter zukommen – wenn die kommende Bundesregierung tatsächlich die selbst gesteckten Klimaziele erreichen will. Das berichtet das Handelsblatt unter Berufung eines Gutachtens des deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung.

Termin zur Bundestagswahl:26. September 2021
Wahlberechtigt:jeder deutsche Staatsbürger ab Volljährigkeit
Kanzlerkandidaten:Armin Laschet, Olaf Scholz, Annalena Baerbock
Wahlturnus:alle vier Jahre

Die drei Kanzlerkandidaten halten sich mit einer Bewertung lieber zurück. Kein Wunder, denn das Gutachten bietet genügend Sprengstoff für den Bundestagswahlkampf. So wären die Mehrkosten für Familien, insbesondere in ländlichen Regionen, enorm. Dem Medienbericht zufolge würde in dem skizzierten Szenario einer Familie auf dem Land mit zwei Autos Zusatzbelastungen von rund 1800 Euro drohen. In der Stadt, wo viele Wege alternativ zurückgelegt werden können, würde es billiger. Aber 700 Euro müssten die Familien hier im Schnitt auch noch zusätzlich berappen.

Bundestagswahl 2021: Streit um Klimaschutz entfacht auch Debatte um aktuellen Benzinpreis

Doch auf Grundlage der aktuellen Daten- und Gesetzeslage sehen die Forscher eigentlich keinen anderen Ausweg zu der drastischen Preiserhöhung. In einer Simulation haben sie errechnet, wie sich die Treibhausgas-Emissionen im Verkehrssektor zwischen 2021 und 2040 entwickeln. Das traurige Ergebnis: In diesem Jahr werden die Klimaziele in diesem Bereich um sieben Millionen Tonnen CO2-Ausstoß verfehlt. Ein Jahr später werden es bereits 22 Millionen Tonnen sein – Tendenz steigend.

Drehen sie nach der Bundestagswahl an der Benzinpreis-Schraube? Die Kanzlerkandidaten Armin Laschet, Annalena Baerbock und Olaf Scholz. (Montage von kreiszeitung.de)

Das Problem: Sollten sich diese Prognose im kommenden Klimaschutzbericht im März 2022 bestätigen, dann bleiben der neuen Bundesregierung exakt drei Monate, um Gegenmaßnahmen zu erlassen und die entstandene Lücke zu schließen. So verlangt es das Klimaschutzgesetz. So könnten Tempolimits eingeführt, alternative Mobilität gefördert, Verbrennungsmotoren verboten oder eben an der CO2-Abgabe für Benzin gedreht werden, um das Autofahren unattraktiv zu machen und einen Ausgleich für die Emissionen zu schaffen.

Benzinpreis-Explosion: Anstieg der Abgabe auf 15 Cent pro Liter bis 2025

Der CO2-Preis gilt seit diesem Jahr und beträgt aktuell 25 Euro pro Tonne. Weil die Unternehmen und die Industrie die Kosten an den Tankstellen auf die Autofahrer umlegen, verteuert sich der Benzinpreis um sieben bis acht Cent pro Liter.

Ein Anstieg der Abgabe auf 55 Euro pro Tonne, umgerechnet 15 Cent pro Liter, ist bis zum Jahr 2025 bereits vorgesehen.

Klimaziele: Auf Bundesregierung rollt nach Urteil vom Bundesverfassungsgericht großes Problem zu

Doch das alles reicht nicht. Das Einsparpotenzial, das sich daraus ergibt, ist zu gering. So sorgt selbst ein CO2-Preis von 125 Euro laut Handelsblatt-Bericht nur für knapp acht Millionen Tonnen weniger Klimagas im Jahr. Das ist weit entfernt von den benötigten 22 Tonnen. Und um die für 2030 festlegten Klimaziele im Verkehrssektor erreichen zu können, müsste der Preis schließlich im Extremfall auf 250 Euro pro Tonne steigen, sprich auf die 70 Cent extra pro Liter.

Es ist unbestritten: Auf die zukünftige Regierung – egal welcher politischen Couleur – rollt ein massives Problem zu. Zwar wird den Deutschen der Klimaschutz laut einer Umfrage immer wichtiger. Doch wenn an der Benzinpreis-Schraube gedreht wird, wächst die Wut und das Unverständnis schnell.

Benzinpreis-Explosion: 70 Cent mehr pro Liter – Mehrkosten von 1800 Euro für Familien?

Nach Informationen des Handelsblatt, das wohl einen Entwurf des Papiers hat, geht daraus hervor, dass viele Autofahrer sich wohl auf harte Zeiten einstellen müssen. Denn Autos mit Verbrenner werden wohl in Zukunft an der heimischen Tankstelle und Zapfsäule ordentlich zur Kasse gebeten.

In den Berechnungen des Papiers soll wohl ein Aufpreis von 70 Cent pro Liter stehen. Diesen Anstieg beim Benzinpreis errechneten scheinbar verschiedene Experten und Forschungsinstitute im Auftrag des Umweltbundesamtes. Diese „Empfehlung“ würde beträchtliche finanzielle Belastung vor allem für Familien mit sich bringen und dann auch noch vor allem auf dem Land.

Für eine Familie mit zwei Autos auf dem Land würde das Mehrkosten von 1800 Euro im Jahr bedeuten, zitiert das „Handelsblatt“ eine Passage aus dem Bericht, für eine Familie in der Stadt mit einem Auto immerhin noch 700 Euro.

Annalena Baerbock: Grüne zofft sich mit Laschet (CDU) und Scholz (SPD) um Klimaschutz und Benzinpreis

Erst vor wenigen Wochen hatte Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock eine schnellere CO2-Preiserhöhung angemahnt und dafür anschließend einen Sturm der Entrüstung geerntet. Ihre Mitbewerber im Rennen um die Nachfolge von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) halten sich bei dem Thema seit dem vornehm zurück. So wirbt Olaf Scholz (SPD) nebulös für einen sozial gerechten Umstieg auf die E-Mobilität. Und Armin Laschet (CDU), der auch Hilfe von einer Bremer Klimaexpertin bekommt, sagte im TV-Triell, dass es zukünftig nur für diejenigen teuer werde, die „sich nicht klimagerecht verhalten“. Konkrete Zumutungen will derzeit keiner aussprechen.

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Bei den Grünen reagiert man deswegen immer verschnupfter. Denn ihnen ist klar, dass es ohne Preiserhöhungen, flankierende Maßnahmen und Zumutungen nicht mehr gehen wird. Cem Özdemir platzte deswegen bereits der Kragen. So warf der Grünen-Politiker der politischen Konkurrenz wortgewaltig Versagen vor. Wer alles andere außer der Öko-Partei wähle, der „bekomme ein fossiles Weiter-so“, klagte der frühere Parteichef in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Aber die Zeit des „symbolischen Klimaschutzes und der Sonntagsreden“ müsse jetzt echt mal vorbei sein. * kreiszeitung.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Jens Büttner/dpa/picture alliance

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