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Kriegsende in der Ukraine in Sicht? „Es sieht übel aus für die Russen“

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Von: Jens Kiffmeier

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Im Osten wie im Süden: Die Gegenoffensive der Ukraine kommt voran. Für Militärexperten könnte das Ende vom Krieg in Sicht geraten – mithilfe deutscher Panzer?

Berlin/Kiew/Moskau – Zaghafte Prognose: Nach der erfolgreichen Gegenoffensive der Ukraine könnte das Ende vom Krieg in Sichtweite kommen. Nach dem enormen Geländegewinn im Osten geraten die Truppen von Russlands Präsidenten Wladimir Putin auch im Süden immer stärker unter Druck. „Wenn diese Front zusammenbricht, dann sieht es echt übel für die Russen aus“, sagte der deutsche Militärexperte von der Münchener Bundeswehr-Universität, Carlo Masala, der Süddeutschen Zeitung. Der Ausgang des Konflikts könnte jetzt aber auch stark von deutschen Waffenlieferungen abhängig sein.

Ukraine-Krieg: Ein Kriegsende in Sicht – Gegenoffensive setzt Russland und Putin enorm unter Druck

Seit mehr als 200 Tagen tobt nun schon der Ukraine-Krieg. Doch in den vergangenen Tagen gelang den ukrainischen Truppen eine Kehrtwende im Kampf gegen die Invasoren aus Russland, weswegen plötzlich auch wieder ein mögliches Ende des Konflikts in Sicht gerät. So wurden weite Teile des östlichen Donbass zurückerobert, auch im Süden geraten die Verbände von Russlands Präsidenten Wladimir Putin in Bedrängnis. Einzelne Truppenteile sollen bereits über eine Kapitulation verhandeln. Berichte, wonach russische Soldaten in Panik flüchten und militärisches Gerät zurücklassen, mehren sich.

Wann endet der Ukraine-Krieg 2022? Militärexperte schließt Sieg der Ukraine über Russland bis Ende des Jahres nicht aus

Aus russischer Sicht ist die militärische Lage desolat. Zu dieser Erkenntnis kommt Professor Masala. Es sei möglich, dass der Krieg noch in diesem Jahr ende, prognostizierte er. Nördlich von Luhansk gebe es keine russischen Verteidigungslinien mehr und die ukrainische Armee habe bereits alle Hindernisse wie Flüsse überquert, was auch der britische Verteidigungsminister Ben Wallace am Montag bestätigte. „Die Ukraine macht extreme Gewinne“, sagte er im britischen Parlament.

Masala sieht und bewertet das ähnlich. „Das Ziel Russlands, bis Ende des Jahres den gesamten Donbass einzunehmen, ist völlig unrealistisch geworden“, sagte der Militärexperte. Im Gegenteil, den russischen Verbänden fiele eine Neuformation zunehmend schwieriger. Insofern könne die Ukraine tatsächlich die Kehrtwende für sich entscheiden.

Russland und Ukraine vor Kriegsende: Waffenlieferung aus Deutschland sollen Kehrtwende bringen

Doch ob ein Ende vom Ukraine-Krieg weiter in Sicht gerät, hängt am Ende wohl auch von weiteren Waffenlieferungen ab. Zumindest macht Masala die gelieferten Hochpräzisionswaffen des Westens für den Umschwung und die neue Dynamik verantwortlich. Damit steht er auf einer Linie mit Präsident Wolodymyr Selenskyj. Je entschiedener die westliche Unterstützung ausfalle, desto eher werde der Krieg enden, versprach er bereits in der vergangenen Woche.

Zerstörter russischer Panzer nach der Gegenoffensive: Rückt das Ende im Ukraine-Krieg in Sicht?
Zerstörter russischer Panzer nach der Gegenoffensive: Rückt das Ende im Ukraine-Krieg in Sicht? © Uncredited/dpa

Vor allem die Panzer aus Deutschland stehen bei der ukrainischen Regierung hoch im Kurs. Nach einem Bericht der Welt sollen vor allem die 30 von der Bundeswehr ausgemusterten Gepard-Panzer die Gegenoffensive möglich gemacht haben. Sie sind darauf spezialisiert, die feindliche Radarüberwachung auszuschalten. Zusammen mit amerikanischen Raketen sei so die Grundlage für den Gegenstoß geschaffen worden, zitierte die Zeitung aus einem Militärgeheimbericht.

Deutsche Waffenlieferung: Panzer wie Gepard, Marder oder Leopard 2 sollen Kriegsende in der Urkaine bescheren – Scholz zögert

Vor diesem Hintergrund verlangt die ukrainische Führung nach Nachschub – nicht nur beim Gepard, sondern vor allem der Leopard 2 und der Schützenpanzer Marder steht hoch im Kurs. Doch die Bundesregierung um Olaf Scholz (SPD) zögert noch und verweist auf eigene knappe Bestände. Man wolle keinen Alleingang ohne eine Abstimmung in der Nato wagen, hieß es zuletzt. Doch die USA kündigten bereits weitere Militärhilfen an.

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Kriegsende in der Ukraine: Wie lange geht der Krieg in der Ukraine noch?

Doch für die Ukraine drängt die Zeit. Sie will das Momentum der überraschenden Gegenoffensive für sich nutzen. Zugleich soll der Krieg möglichst schnell beendet werden. Denn der Winter rückt mit großen Schritten vor. Die Kämpfe müssten dringend noch vor der Heizperiode beendet werden, mahnte der Chef des ukrainischen Präsidialamtes, Andrij Jermak, laut tagesschau.de. Sonst bestehe das Risiko, dass Russland die Infrastruktur für Wärme und Energie zerstöre. „Das ist einer der Gründe, warum wir maximale Maßnahmen ergreifen wollen, um den aktiven Teil des Kriegs bis Ende Herbst zu beenden“, so Jermak.

Ukraine-Krieg aktuell: Putin und Selenskyj schließen Friedenslösung für schnelles Kriegsende aus

Dabei geht es für die Ukraine aktuell um alles. Eine vorzeitige Friedenslösung kommt für Selenskyj nicht infrage. In seinen Ansprachen hat er den Ukrainerinnen und Ukrainern die vollständige Befreiung von Russland zugesagt – einschließlich der seit dem Jahr 2014 besetzten Krim. Und zugleich hat Russland eine vorzeitige Kapitulation ausgeschlossen. Doch ob Putin diesen Ansatz aufrechterhalten kann? Durch die Gegenoffensive und die Sanktionen gerät er im Kreml immer stärker unter Druck. Neuerdings fordern Politiker immer vehementer Putins Sturz oder Rücktritt.

 

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