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Auch Deutschland im Visier: Cyberangriffe aus Russland könnten zunehmen

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Von: Felix Busjaeger

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Konzentrierte Hackerangriffe aus Russland könnten zunehmen. Ein Grund könnten westliche Sanktionen sein. (Symbolbild)
Konzentrierte Hackerangriffe aus Russland könnten zunehmen. Ein Grund könnten westliche Sanktionen sein. (Symbolbild) © Silas Stein/dpa/

Die Gefahr vor russischen Cyberangriffen wächst – auch in Deutschland. Ein möglicher Grund dafür könnten finanzielle Engpässe in Russland sein.

Berlin – Digitale Angriffe auf Wahlen, kritische Infrastruktur oder wichtige Wirtschaftsunternehmen: Seit Jahren wächst weltweit die Angst vor Cyberangriffen. Insbesondere in unsicheren Zeiten, wie sie der Ukraine-Krieg mit sich bringt, ist die Gefahr durch Hackerangriffe so groß wie selten zuvor. Während in den vergangenen Wochen vor allem das Hackerkollektiv Anonymous mit Erfolgen gegen russische Staatseinrichtungen auf sich aufmerksam machte, befürchteten westliche Experten inzwischen einen Gegenschlag von russischen Hackern. Die Motivation dahinter: Gerechtigkeit für westliche Sanktionen.

Cyberangriffe durch Russland: Auch Deutschland könnte im Fokus stehen

Acht Wochen nach dem Beginn von Wladimir Putins Invasion der Ukraine hat Russland bislang nur auf vereinzelte Cyberangriffe gesetzt. In den ersten Kriegstagen waren ukrainische Regierungsseiten das vorrangige Ziel und auch in jüngster Zeit scheint es, als wäre eine entsprechende Infrastruktur in der Ukraine im Fokus. Dieser begrenzte Einsatz von Cyberattacken könnte allerdings zeitnah ausgedehnt werden. Davon gegen westliche Experten aus. Wie die Deutsche Presse-Agentur Sandro Gaycken, Gründer des Digital Society Institute an der European School of Management and Technology (ESMT), zitiert, sei die Gefahr gegenwärtig groß – womöglich auch in Deutschland.

Russland könnte etwa versuchen, mit gezielten Cyberangriffen Geld über Finanzmarktmanipulationen zu besorgen, um die wirtschaftlichen Folgen der westlichen Sanktionen im Ukraine-Krieg abzufangen. „Denkbar ist auch, dass sie mit kriminellen Ransomware-Gangs zusammenarbeiten, um von attackierten Firmen im Westen Lösegelder zu erpressen“, sagte der Experte in Berlin. Ähnliche Warnungen zu Hackerangriffen gab es bereits zuvor von US-Experten. In diesem Zusammenhang riet auch US-Präsident Joe Biden dazu, dass Unternehmen und Organisationen sich sofort um die Verstärkung der Cyber-Verteidigung kümmern müssten. Möglicherweise ist für solche Szenarien auch die Politik gefordert.

Sanktionen gegen Russland: Putin, Lawrow und Oligarchen im Fokus – Kreml könnte mit Cyberangriffen reagieren

Russland gerät seit Wochen wegen der westlichen Sanktionen zunehmend in Bedrängnis: Wladimir Putin, sein Außenminister Sergej Lawrow sowie viele Oligarchen des Landes stehen dabei im Fokus. Vermögenswerte im Ausland sind inzwischen eingefroren und etwa die Europäische Union bemüht sich, den Druck auf die russische Wirtschaft zu erhöhen. Indes werden russische Soldaten im Ukraine-Krieg als Orks bezeichnet

Mit der jüngsten Ankündigung von Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne), dass Deutschland noch in diesem Jahr sich vollständig aus dem Geschäft mit russischem Gas und Kohle verabschieden wird, könnte ebenfalls dazu beitragen, dass Russlands Wirtschaft in Bedrängnis gerät. Auch andere Nationen frieren ihre wirtschaftlichen Aktivitäten mit Moskau zunehmend ein. Im Kreml wird diese Entwicklung wohl zunehmend mit Sorge betrachtet werden. Denn: Der Krieg in der Ukraine wird mit Sicherheit ein kostspieliges Unterfangen sein, das stetig finanziellen Nachschub benötigt.

Cyberangriffe in Deutschland: Russland verfügt über zahlreiche Hackergruppen

Dass Russland also zeitnah Geld benötigt, ist naheliegend. Und auch die Gefahr möglicher Cyberangriffe in Deutschland ist nicht von der Hand zu weisen: Seit Jahren gilt Russland als Drahtzieher hinter diversen Hackerangriffen weltweit. Neben Wladimir Putins eigener Trollfabrik, die vorrangig Kommentarspalten infiltriert und pro-russische Propaganda im Ukraine-Krieg streut, ließen sich in der Vergangenheit immer wieder Spuren einzelner Hackergruppen bis zu russischen Geheimdiensten zurückverfolgen. Eine der wichtigsten Gruppen der vergangenen Jahre ist Snake, die nach Recherchen von BR und WDR wohl dem russischen Geheimdienst FSB unterstehen soll.

Eine weiteres berüchtigtes Hackerkollektiv nennt sich Einheit 26165 oder auch Sofacy Group. Nach Einschätzung westlicher Geheimdienste gehört die Gruppe dem russischen Militärgeheimdienst GRU an. Die angebliche Verflechtung mit den russischen Geheimdiensten zeigt, wie wichtig Wladimir Putin und dem Kreml eine funktionierende Cyber-Infrastruktur in Russland ist. Weitere Gruppen, die mutmaßlich im Zusammenhang mit der russischen Regierung stehen könnten, sind unter anderem DarkHalo, Gamaredon, Fancy Bear oder Sandworm.

Mögliche Cyberangriffe auf Finanzmärkte: Russische Erpressungsversuche mit Kryptowährung möglich

„Sie sind in der Lage, den Börsenhandel zu manipulieren, man kann Wetten auf sinkende Aktienkurse kriminell beeinflussen“, warnt indes Experte Gaycken in Bezug zu möglichen Cyberangriffen aus Russland und befürchtet, dass Russland subversive Maßnahmen ergreifen werde, um wegen der westlichen Sanktionen an frisches Geld zu kommen. „Wenn Russland schnell sehr viel Geld braucht, wonach es derzeit aussieht, dann kann dies in massiven manipulativen Angriffen auf die Weltwirtschaft münden. Für den Westen heißt das, dass die Abwehrkräfte gesteigert werden müssen, wenn wir uns nicht und total beklauen lassen wollen.“

Sollte es zu russischen Hackerangriffen auf westliche Unternehmen kommen, könnten künftig bei Erpressungsversuchen Kryptowährungen eine wichtige Rolle einnehmen. Sie würden eingesetzt, um Werte zu übertragen, wenn beispielsweise Gelder versteckt werden sollen. „Man kann aber gleichzeitig auf der Blockchain die einzelnen Schritte gut nachvollziehen“, sagte Gaycken. Dass aber auch Russland ins Visier von Hackerangriffen gerät, zeigte eine Datenpanne bei einem russischen Lieferdienst.

Gefahr von Hackerangriffen könnte zunehmen: Russland baut Cyberkapazitäten wohl massiv aus

Sicherheitsexperte Rüdiger Trost vom Cyberabwehr-Spezialisten WithSecure warnte davor, dass Russland versuchen könnte, seine Cyberkapazitäten in der kommenden Zeit massiv auszubauen. Gleichzeitig versuchte er gegenüber der dpa in Bezug auf Hackerangriffe zu beschwichtigen: „Aber auch in Russland wachsen IT-Fachkräfte nicht auf den Bäumen. Und gerade jetzt deutet ja vieles darauf hin, dass die junge Bildungselite Russland zusehends den Rücken kehrt und auswandert. Das schwächt natürlich die IT-Fähigkeiten eines Landes insgesamt.“

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Cyberangriffe in Deutschland: BSI und Verfassungsschutz warnen vor möglichen russischen Attacken

Während mögliche Cyberangriffe in Deutschland durch feindlich gesinnte Nationen bereits in der Vergangenheit eine gewisse Bedrohung darstellten, rückte der Ukraine-Krieg die Möglichkeit von Hackerangriffen verstärkt in den Fokus. Dass auch jeder einzelne Bürger davon betroffen sein könnte, bewies im vergangenen März die Warnung vor Produkten der russischen Virenschutzprogramme von Kaspersky. Doch auch das Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik (BSI) stellte durch den Ukraine-Krieg eine „abstrakt erhöhte Bedrohungslage für Deutschland“ fest und riet Unternehmen, die eigenen IT-Sicherheitsmaßnahmen zu erhöhen.

Neben dem BSI weist auch der Verfassungsschutz seit einiger Zeit verstärkt auf die Gefahren in der digitalen Welt hin. Fremde Nachrichtendienste würden Cyberangriffe teilweise in großem Umfang mit der Absicht nutzen, unbefugt an Informationen zu gelangen, heißt es in einem Beitrag. Im Zusammenhang mit Russland wird davor gewarnt, dass russische Nachrichtendienste ihre Cyberangriffe stets sorgfältig geplant und international ausgerichtet durchführen würden. Im Vordergrund würden dabei unter anderem Maßnahmen stehen, die die innere und äußere Sicherheit Russlands stärken würden.

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