Streit in der CDU

Armin Laschet: Bosbach empfiehlt CDU-Chef, das Amt niederzulegen

Eine Regierung unter der Führung der Union rückt in immer weiterer Ferne. Für Armin Laschet sieht es nicht gut aus: In den Reihen der CDU lauern schon seine Nachfolger.

Update vom 7. Oktober um 9:30 Uhr: Nach der historischen Wahlniederlage der Union bei der Bundestagswahl 2021 hat CDU-Politiker Wolfgang Bosbach dem Unionskanzlerkandidaten Armin Laschet nahegelegt, sein Amt freizugeben. Im Gespräch mit „Bild Live“ sagte er, dass es ein gutes Zeichen wäre, wenn der CDU-Chef jetzt einen Generationswechsel in der Partei moderieren und zur Erneuerung der CDU beitragen würde. „Es gibt viele, die jetzt mit den Hufen scharren. Aber nicht jeder, der jetzt als erster hier ruft, wird es auch unbedingt“, fügte der Politiker hinzu.

CDU-Urgestein Wolfgang Bosbach spricht sich für Laschet-Nachfolge aus. (Archivbild)

Erstmeldung vom 6. Oktober um 16:00 Uhr: Berlin – Es läuft nicht gut für Armin Laschet (CDU) und seinen Traum von einem Jamaika-Bündnis. Nachdem am Sonntag Details aus den Sondierungsgesprächen an die Öffentlichkeit gedrungen waren, sollen nun auch Informationen aus den Gesprächsrunden mit den Grünen nach Außen gelangt sein. Das berichtete unter anderem der „Tagesspiegel“. Es wirkt fast so, als würde sich die Union aus den eigenen Reihen heraus selbst sabotieren und die Tage des Kanzlerkandidaten gezählt sein – in der CDU gibt es jedenfalls mehrere Politiker, die ihn beerben könnten. Mögliche Namen in diesem Zusammenhang: die CDU-Politiker Norbert Röttgen, Jens Spahn, Friedrich Merz und Ralph Brinkhaus.

Politiker:Armin Laschet
Geboren:18. Februar 1961 (Alter 60 Jahre), Aachen
Größe:1,72 m
Partei: Christlich Demokratische Union Deutschlands

Seitdem der scheidende Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen am Dienstag bestätigt hatte, dass NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst der neue Ministerpräsident, CDU-Landeschef und Spitzenkandidat im Bundesland werden soll, kann Laschet nur noch auf ein Zustandekommen eines Jamaika-Bündnisses hoffen. Doch nach den Informationspannen der vergangenen Tage rückt ein solches Bündnis in weitere Ferne und zumindest theoretisch wird eine Ampel-Koalition wahrscheinlicher. Fakt ist: Je länger sich die Verhandlungen hinziehen, desto mehr Einfluss verliert Laschet in seiner Partei.

Nach Bundestagswahl: Sondierungen zwischen FDP, Grüne und SPD

Im Verlauf des Mittwochs gaben zudem die Grünen und die FDP den Sozialdemokraten den Vortritt und werden ab Donnerstag zu dritt über eine mögliche Regierungsbildung sondieren. Wer Kanzler wird, ist dennoch bisher nicht entschieden.

Diese CDU-Politiker sind hinter Armin Laschet her. (kreiszeitung.de-Montage)

Bereits kurz nach der historischen Wahlniederlage wurden erste, parteiinterne Rufe nach seinem Rücktritt laut, doch bisher wurde noch keiner zum Königsmörder und setzte den finalen Dolchstoß – kleinere Sticheleien gab es aber bereits. Es scheint fast so, als würden seine Parteikollegen derzeit darauf warten, dass Laschet selbst seinen Stuhl zersägt und damit sein politisches Schicksal in der CDU besiegelt. Sollten die Verhandlungen über eine mögliche Jamaika-Koalition scheitern, dürfte dies das Ende von Laschets politischer Karriere bedeuten.

Nach Bundestagswahl: Armin Laschets Widersacher lauern auf seine Nachfolge

Potenzielle Kandidaten für Laschets Nachfolge gibt es einige: Neben Gesundheitsminister Jens Spahn und Fraktionschef Ralph Brinkhaus könnten Norbert Röttgen und Friedrich Merz nachrücken. Sie alle eint: Keiner hat momentan die Stärke oder die Autorität in der Partei, Laschet aus dem Amt zu werfen – denn alle sind in der Partei bereits in Wahlen gescheitert. Röttgen, Merz und Spahn bewarben sich bereits erfolglos um den CDU-Vorsitz. Brinkhaus wurde zwar vor Kurzem als Fraktionsvorsitzender wiedergewählt – eine hundertprozentige Zustimmung kann auch er aber nicht vorweisen.

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Friedrich Merz und Norbert Röttgen haben zudem keine führenden Parteiämter inne. Nicht nur parteiintern steht Merz für die Basiswerte der CDU und spiegelt ihren konservativen Kern wider. Etwas, dass viele Wähler in den vergangenen Jahren immer mehr vermissten und schlussendlich zu anderen Parteien abwanderten. Ein Blick in die östlichen Bundesländer zeigt deutlich: Viele Wähler waren enttäuscht, fühlten sich abgehängt und wandten sich der AfD zu, in der sie, trotz der Beobachtung durch den Verfassungsschutz, eine sinnvolle Alternative für Deutschlands Zukunft sehen.

Laschets Nachfolge: Markus Söder (CSU) deutet Sondierungsgespräche als de-facto-Absage an Jamaika

Durch das Vorpreschen der Grünen und der FDP am Mittwoch und den angekündigten Sondierungsrunden mit der SPD rücken die Regierungsträume der Union noch tiefer ins Reich der Träume. In dieser schweren Stunde wagt CSU-Chef Markus Söder den Alleingang und schickt ein mögliches Jamaika-Bündnis sowie die politische Zukunft Laschets an den Rand des Abgrunds. Nach den Pressestatements der Grünen und der FDP macht er deutlich: „Wir haben jetzt endlich Klarheit“, sagte er und sieht die Gespräche am Donnerstag als eine „de-facto-Absage an Jamaika“.

Gleichzeitig machte er deutlich, dass die Union keine Ausflucht für gescheiterte Ampel-Koalitionen sein wird. Aus seiner Sicht haben Grüne und FDP nun Farbe bekannt und ihre Seite gewählt. „Wir bleiben zwar gesprächsbereit, aber nicht in einer Art Dauer-Lauerstellung“, betonte er am Mittwoch in München. In parteiinterne Strukturen der CDU und die Zukunft von Armin Laschet werde er sich aber nicht einmischen: „Fragen, die die CDU betreffen, muss die CDU diskutieren.“ Er betonte aber, dass er mit CDU-Chef Laschet in den Vorsondierungen gut harmoniert habe.

Welche Ämter hat Armin Laschet inne?

Armin Laschet ist Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen und Chef der CDU, der er seit 1979 angehört. Als Vater von drei Kindern war Laschet zudem von 2013 bis 2017 Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion in NRW und sitzt für seine Partei seit 2010 im Landtag. Nach der historischen Wahlniederlage bei der Bundestagswahl 2021 setzt er weiter auf ein Jamaika-Bündnis mit der FDP und den Grünen. Viele CDU-Politiker machen Laschet für das Scheitern der CDU bei der Wahl verantwortlich.

Trotz all seiner Ämter wird die Luft für Amin Laschet nun immer dünner: Nachdem Freie Demokraten und Grüne einer Ampel-Koalition den Vorzug geben und sich seine Zeit als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen dem Ende zuneigt, ist seine letzte Chance das Scheitern der Verhandlungen zwischen Grüne, FDP und SPD. Es mag zwar nur ein Strohhalm im reißenden Fluss sein, doch Armin Laschet wird ihn bis zum Schluss umklammern. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Horst Galuschka via www.imago-images.de

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