Amnestie

Pussy-Riot-Mitglied Aljochina ist frei

+
Pussy Riot-Mitglied Maria Aljochina.

Moskau  - Eine der beiden in russischer Haft verbliebenen Aktivistinnen der Punkband Pussy Riot ist wieder auf freiem Fuß. Maria Aljochina wurde am Montag aus dem Gefängnis entlassen.

Die Freilassung bestätigte ihr Anwalt Pjotr Saikin der Nachrichtenagentur RIA Nowosti. "Alle Dokumente wurden ausgefüllt und unterzeichnet", erklärte der Jurist.

Aljochina war vergangenes Jahr zusammen mit ihren Bandkolleginnen Nadeschda Tolokonnikowa und Jekaterina Samuzewitsch nach einem Protestkonzert gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin  in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale wegen "Rowdytums" zu zwei Jahren Lagerhaft verurteilt worden. Samuzewitsch kam bereits auf Bewährung frei.

Pussy Riot im Porträt

Pussy Riot im Porträt

NADESCHDA TOLOKONNIKOWA: Das bekannteste und telegene Bandmitglied stammt aus dem sibirischen Norilsk. An der renommierten staatlichen Universität in Moskau studierte Tolokonnikowa Philosophie. Sie ist mit Pjotr Wersilow verheiratet, einem führenden Mitglied der kritischen Künstlergruppe Woina (Krieg), der auch die Frauenpunkband Pussy Riot nahesteht. Gemeinsam hat das Paar eine Tochter. © dpa
In dem Prozess im Sommer 2012 trat die brünette Aktivistin mit den dunklen Augen am deutlichsten in Erscheinung und griff auch von der Anklagebank aus die Regierung scharf an. © dpa
Tolokonnikowa hatte zuvor schon an zahlreichen Protestaktionen von Woina und Pussy Riot teilgenommen. So war sie 2008 hochschwanger bei einer Gruppensex-Aktion von Woina in einem Moskauer Museum zugegen, die sich gegen den damaligen Präsidentschaftskandidaten Dmitri Medwedew richtete. 2011 malten die Aktivisten ein riesiges Phallus-Symbol an eine Brücke in St. Petersburg, die direkt gegenüber des Gebäudes des Geheimdienstes FSB liegt. © dpa
Die Aktionen der Punkband, die auch schon in U-Bahn-Stationen und auf dem Roten Platz in Moskau auftrat, versteht Tolokonnikowa als "Oppositionskunst im Kontext der Unterdrückung von Menschenrechten und Freiheit". © dpa
Für ihr Punkgebet, das sie im Februar 2012 in einer Kirche in Moskau gegen den heutigen Präsidenten Wladimir Putin aufgeführt hatten, kamen sie und ihre Bandkolleginnen Alechina und Jekaterina Samuzewitsch dann vor Gericht. Im Prozess betonte Tolokonnikowa immer wieder, dass sich der Protest nur gegen Putin gerichtet habe und nicht gegen die Gefühle Gläubiger. Die Aktion der Musikerinnen, die für ihre neonfarbenen Kleider und bunten Sturmhauben bekannt sind, war von Kritikern als geschmacklos empfunden worden. © dpa
Nach ihrer Verurteilung zu zwei Jahren Lagerhaft wegen Rowdytums wurde Tolokonnikowa in ein Lager in der Zentralregion Mordowien gebracht, trat dort später aber aus Protest gegen die "sklavenähnlichen" Haftbedingungen mehrmals in einen Hungerstreik. Nach eigenen Angaben erhielt sie dort auch Morddrohungen. Schließlich wurde sie vor wenigen Wochen in ein Lager in Sibirien verlegt - aus dem sie am 23.12.2013 freikam. © dpa
MARIA ALECHINA (Schreibweise teils ALYKOKHINA): Alechina studierte an der Hochschule für Journalismus und Literatur in Moskau und war früher vor allem als Umweltaktivistin aktiv. So nahm sie an Aktionen für den Baikalsee in Sibirien teil und protestierte gegen den Bau einer Autobahn in einem Wald vor Moskau. Vor ihrer Verhaftung arbeitete die zierliche 25-Jährige außerdem ehrenamtlich in einer Kinderpsychiatrie in Moskau. Alechina hat einen Sohn, den sie allein großzieht. © AFP
Die künstlerisch und rhetorisch begabte Alechina schrieb auch Gedichte und verfasste aus dem Straflager in Perm im Ural Zeichnungen vom Gefängnisalltag. Auch sie beschwerte sich über die "Sklavenmentalität" in Russlands Haftanstalten und trat ebenfalls in einen Hungerstreik. © AFP
Sämtliche Anträge der beiden Frauen auf vorzeitige Freilassung scheiterten. Später wurde Alechina in ein Lager nach Nischni Nowgorod verlegt, aus dem sie am 23.12.2013 freikam. © dpa
JEKATERINA SAMUZEWITSCH (l.): Samuzewitsch stand mit Tolokonnikowa und Alechina in dem international kritisierten Prozess vor Gericht und wurde ebenso wie ihre Bandkolleginnen im August 2012 zu zwei Jahren Haft verurteilt. © dpa
Zwei Monate später kam Samuzewitsch (2.v.l.) in einem Berufungsverfahren auf Bewährung frei. Ihre Anwältin hatte argumentiert, Samuzewitsch sei bei der eigentlichen Protestaktion schon nicht mehr in der Kirche gewesen. © dpa

Aljochina verbüßte ihre zweijährige Lagerhaft wegen Rowdytums in Nischni Nowgorod, 450 Kilometer östlich von Moskau. Tolokonnikowa sitzt die zwei Jahre in Sibirien ab. Die beiden Mütter sollten planmäßig im März kommenden Jahres aus der Haft freikommen. Den Weg für ihre vorzeitige Freilassung ebnete ein am Donnerstag vom russischen Parlament verabschiedetes Amnestiegesetz, unter das Menschen fallen, die zu weniger als fünf Jahren Haft verurteilt wurden. Erwähnt werden insbesondere Frauen mit minderjährigen Kindern und wegen Rowdytums Verurteilte.

AFP

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Prächtige Hortensien? Mit diesen Tricks klappt es bestimmt

Prächtige Hortensien? Mit diesen Tricks klappt es bestimmt

Brütende Hitze in Deutschland - Zum Wochenstart Abkühlung

Brütende Hitze in Deutschland - Zum Wochenstart Abkühlung

Brandschutzprüfung: Polizei bricht in „Rigaer 94“ Türen auf

Brandschutzprüfung: Polizei bricht in „Rigaer 94“ Türen auf

Italien nach Sieg gegen die Schweiz im EM-Achtelfinale

Italien nach Sieg gegen die Schweiz im EM-Achtelfinale

Meistgelesene Artikel

Verfehlungen von Jens Spahn (CDU): Ist der Corona-Minister noch tragbar?

Verfehlungen von Jens Spahn (CDU): Ist der Corona-Minister noch tragbar?

Verfehlungen von Jens Spahn (CDU): Ist der Corona-Minister noch tragbar?
Hartz IV: 100 Euro als Freizeitbonus – das muss man wissen

Hartz IV: 100 Euro als Freizeitbonus – das muss man wissen

Hartz IV: 100 Euro als Freizeitbonus – das muss man wissen
24 Euro pro QR-Code: Jens Spahn rudert nach Kritik an Apotheker-Bonus zurück

24 Euro pro QR-Code: Jens Spahn rudert nach Kritik an Apotheker-Bonus zurück

24 Euro pro QR-Code: Jens Spahn rudert nach Kritik an Apotheker-Bonus zurück
Hartz IV: Kommt der Freizeitbonus bei den Kindern an?

Hartz IV: Kommt der Freizeitbonus bei den Kindern an?

Hartz IV: Kommt der Freizeitbonus bei den Kindern an?

Kommentare