Mandat statt Dissertation

Annalena Baerbock: Stiftung steckte 40.000 Euro in abgebrochene Promotion

Mandat statt Doktortitel: Für den Bundestag brach Annalena Baerbock ihre Promotion ab. 40.000 Euro für das Stipendium musste sie nicht zurückzahlen. Warum nicht?

Berlin – Nach der Plagiatsaffäre steht Annalena Baerbock (Grüne) weiter auf dem Prüfstand: So sorgte am Mittwoch, 7. Juli ein neuer Bericht über ihre abgebrochene Promotion im politischen Berlin für viel Aufmerksamkeit. Demnach förderte die Heinrich-Böll-Stiftung mithilfe von Bundesmitteln den Dissertationsversuch in Höhe von 40.000 Euro, wie der Tagesspiegel exklusiv berichtete. Doch obwohl die heutige Kanzlerkandidatin die Arbeit nie abschloss, musste sie die Förderung für das Stipendium nicht zurückzahlen. Sowohl die Stiftung als auch Kanzlerkandidat Olaf Scholz (SPD) nahmen die Grüne aber in Schutz.

Deutsche Politikerin:Annalena Charlotte Alma Baerbock (Grüne)
geboren:15. Dezember 1980 in Hannover
Privat:verheiratet, zwei Kinder, wohnhaft in Potsdam
Aktuelle Ämter:Bundesvorsitzende und Bundestagsabgeordnete

Laut dem Medienbericht war Baerbock, die in Niedersachsen geboren wurde und im September bei der Bundestagswahl zur Nachfolgerin von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gewählt werden will, zwischen April 2009 und Dezember 2012 bei der parteinahen Heinrich-Böll-Stiftung als Promotionsstudentin in der Begabtenförderung eingeschrieben. Der Arbeitstitel ihrer Arbeit lautete: „Naturkatastrophen und humanitäre Hilfen im Völkerrecht“.

Annalena Baerbock (Grüne): Heinrich-Böll-Stiftung investierte 40.000 Euro in Promotion

In dem Programm erhalten die Studenten rund 1050 Euro pro Monat für die Aufrechterhaltung ihrer Lebenskosten. Wie viele andere Stiftungen auch, finanziert sich die Heinrich-Böll-Organisation zu einem großen Teil aus Bundesmitteln. Für das Förderprogramm kann die Stiftung regelmäßig auf Gelder des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zurückgreifen. Wie der Tagesspiegel berichtet, bezog Baerbock für die 39 Monate in dem Stipendiumsprogramm rund 40.000 Euro.

Trotz Abbruch erhielt sie für die Promotion eine großzügige Förderung: Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock (Grüne).

Nachdem sie für die Geburt eines Kindes im Oktober 2011 zwischenzeitlich pausiert und eine Verlängerung in dem Programm beantragt hatte, stellte sie das Stipendium dann im Dezember 2012 ruhend. 2015 exmatrikulierte sie sich dann endgültig, offenbar mit der Begründung, sich fortan voll und ganz auf ihr Bundestagsmandat konzentrieren zu wollen. Denn zwei Jahre zuvor, also 2013, war Baerbock über die Landesliste der Grünen in Brandenburg in das Parlament eingezogen. Eine Rückzahlungsaufforderung erhielt die verhinderte Promotionsstudentin aber nie.

Die Heinrich-Böll-Stiftung verteidigte das Vorgehen. Baerbock sei immer allen Pflichten des Programms nachgekommen, sagte ein Sprecher. Ob bei Baerbock oder einem anderen Studenten – Rückzahlungen seien generell bei einem Abbruch der Promotion eigentlich nicht vorgesehen. „Lebensentwürfe können und dürfen sich auch kurzfristig bei jungen Menschen ändern, etwa aufgrund von Familiengründungen oder beruflicher Neuorientierungen“, zitiert der Tagesspiegel den Stiftungssprecher. Jedoch kommt dies eher selten vor. Laut der Studienstiftung des deutschen Volkes schaffen 96 Prozent aller Promotionskandidaten auch ihren Abschluss.

Bundestagswahl 2021: Debatte um Stipendium – Olaf Scholz nennt Angriffe aus Baerbock unfair

Wohl auch vor diesem Hintergrund wollen Baerbocks Gegner die Berichterstattung nicht überbewerten. Im Gegenteil. Seit Wochen steht die 40-Jährige im Kreuzfeuer der Kritik. Neben Ungeschicklichkeiten bei der Meldung von Nebenverdiensten und einem geschönten Lebenslauf machen auch Plagiatsjäger und Internettrolle der Grünen das Leben schwer*, die zunehmend sauer auf die vielen Vorwürfe reagiert. Nicht nur für viele Grüne ist dabei ein Maß des guten Geschmacks überschritten, wie Ex-Verbraucherschutzministerin Renate Künast im Interview mit kreiszeitung.de kritisierte.

Auch Kanzlerkandidat Olaf Scholz (SPD) sieht eine übertriebene Jagd auf Baerbock. So warnte der Vizekanzler vor einer Ungleichbehandlung der Kandidaten. „Die Gleichstellung von Männern und Frauen, die mir sehr wichtig ist, ist längst nicht erreicht“, sagte Scholz dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Das macht sich auch im Wahlkampf bemerkbar, auch im Umgang mit Annalena Baerbock ist manches nicht fair und gerecht.“ * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Soeren Stache/dpa/picture alliance

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