Wahlkampftour-Start in Niedersachsen

Annalena Baerbock: Können sich die Grünen aus ihrer Talfahrt retten?

Eine Studie belegt: Die Deutschen wollen einen Politikwechsel. Davon profitiert die SPD – und nicht Annalena Baerbock. Die Grünen hoffen jetzt auf die Trendwende.

Berlin/Hildesheim – Gestoppter Höhenflug: Die Grünen stecken wenige Wochen vor der Bundestagswahl im Umfragen-Sumpf fest. Dennoch visiert die Öko-Partei weiterhin mit Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock das Kanzleramt an. Trotz des bislang unglücklich verlaufenen Wahlkampfes rief Co-Parteichef Robert Habeck seine Parteifreunde zu Gelassenheit auf. Man befinde sich in einer „sehr guten Ausgangsposition“, sagte er im ZDF-Sommerinterview. „Alles ist möglich.“

Deutsche Politikerin:Annalena Charlotte Alma Baerbock (Grüne)
geboren:15. Dezember 1980 (Alter: 40 Jahre) in Hannover
Privat:verheiratet, zwei Kinder, wohnhaft in Potsdam
Aktuelle Ämter:Bundesvorsitzende und Bundestagsabgeordnete

An diesem Montag setzen die Grünen zum Schlussspurt in ihrem Wahlkampf an – und zwar in Niedersachsen. Auf dem Marktplatz in Hildesheim starten Baerbock und Habeck in eine mehrwöchige Wahlkampftour. Zusammen mit Bundesgeschäftsführer Michael Kellner werden sie eine Rede halten und Fragen von Bürgerinnen und Bürgern beantworten. Am Mittwoch kommt Baerbock nach Bremen. Insgesamt umfasst die Tour für das Duo mehr als 90 Termine und endet erst zwei Tage vor der Wahl am 24. September 2021 in Düsseldorf.

Annalena Baerbock: Kanzlerkandidatin der Grünen startet in Hildesheim in die heiße Wahlkampf-Phase für die Bundestagswahl 2021

Die Grünen hoffen, endlich eine Trendwende in ihrem Wahlkampf einleiten zu können. Nachdem sie kurz nach der Nominierung von Baerbock zur Spitzenkandidatin einen Höhenflug verzeichnet hatte, erlitt die Partei im Anschluss herbe Dämpfer. Schuld waren zum Teil auch eigene Ungeschicklichkeiten mit geschönten Lebensläufen oder abgeschriebenen Textpassagen im Buch der Co-Parteichefin.

Schaffen sie noch die Trendwende?: Robert Habeck und Annalena Baerbock (beide Grüne) starten in Hildesheim in die heiße Wahlkampfphase.

Nach der aktuellsten Umfrage des Insa-Meinungsforschungsinstituts liegt die Öko-Partei gleichauf mit der SPD bei 18 Prozent. Für den Kanzlerkandidaten der Sozialdemokraten, Olaf Scholz, ist das ein kleiner Teilerfolg. Immerhin dümpelte er wochenlang abgeschlagen auf Platz drei herum. Die Union selber führt noch*. Jedoch verspielte Spitzenkandidat Armin Laschet (CDU) durch sein Krisenmanagement in der Flut-Katastrophe, einer eigenen Plagiatsaffäre sowie durch Streitereien mit Computer-Hackern zuletzt auch viel Zustimmung in der Bevölkerung.

Trotz der Aufholjagd von Scholz sieht Grünen-Chef Habeck aber keinen Grund zur Panik. Doch woher kommt der Optimismus? Gut möglich, dass die Grünen auf eine weit verbreitete Wechselstimmung setzen. Demnach sind die Deutschen nach einer 16-jährigen Amtszeit von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mehrheitlich für einen Politikwechsel bereit, wie aus einer Erhebung des Allensbacher Meinungsforschungsinstituts im Auftrag der Bertelsmann Stiftung hervorgeht.

Studie enthüllt: Deutsche in Wechselstimmung – Bringt das Baerbock in den Umfragen nach vorn?

Demnach wünschten sich Ende Juli knapp 55 Prozent der Deutschen eine andere Bundesregierung als eine Große Koalition. Knapp 29 Prozent sind noch unentschieden in dieser Frage, aber nur 16 Prozent sehen einen Regierungswechsel kritisch. Den Angaben zufolge ist der Wechselwunsch damit der vierthöchste Wert, der jemals bei einer Bundestagswahl gemessen wurde.

Doch ob die Grünen, die jetzt vor allem das Thema Klimaschutz voranbringen wollen, daraus tatsächlich noch einmal Kapital schlagen können in den letzten verbleibenden Wochen, bleibt abzuwarten. „Derzeit ist noch völlig offen, wie sich die Zahlen weiterentwickeln“, sagte Studienautor Robert Vehrkamp in einem Gespräch mit „Spiegel Online“. Sie könnten sowohl nach unten als auch nach oben gehen.

Vieles hänge davon ab, wie die Parteien den Wahlkampf im Schlussspurt führten und den Deutschen auch einen Wechsel mit vielen politischen Veränderungen zumuten und verkaufen wollten. Vor diesem Hintergrund dürften Habeck und Baerboch am Montag im niedersächsischen Hildesheim sicherlich einen ersten Fingerzeig liefern. * kreiszeitung.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa/picture alliance

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