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Sturz von Putin: Der Kriegs-Macho heizt die Wut der Frauen an

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Von: Jens Kiffmeier

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Wladimir Putin unter Druck: Wegen der Teilmobilmachung erheben viele Frauen plötzlich ihre Stimme – und fordern den Sturz. Wie gefährlich ist die Bewegung?

Moskau – Sie lassen sich nicht den Mund verbieten: „Unsere Kinder sind kein Dünger“, schimpft die Frau. Eine andere wettert: „Russland hat den Krieg angefangen. Nicht die Ukraine!“ Ob im entfernten Dagestan oder in Moskau – überall in dem riesigen Reich bieten Frauen den Polizisten die Stirn. Das Netz ist voll mit Videos von Demonstrantinnen. Einige werden von Sicherheitskräften verprügelt und in Gefangenentransporter geschleppt. Doch andere erheben weiter ihre Stimme. Gegen den Kreml. Gegen den Ukraine-Krieg. Für einen Sturz von Präsident Wladimir Putin. Am Ende mit Erfolg?

Sturz von Wladimir Putin: Frauen protestieren zunehmend gegen die Teilmobilmachung im Ukraine-Krieg

Tatsächlich wächst in Russland eine kleine Protestwelle heran. Ähnlich wie im Iran wird sie getragen von Frauen, die gegen das Regime aufbegehren. Heraufbeschworen hat sie Präsident Wladimir Putin mit seiner Teilmobilmachung im Ukraine-Krieg. Nach herben Verlusten sollen nun 300.000 Reservisten zum Militärdienst eingezogen werden und die Lücken an der Front füllen. Doch das nehmen die Freundinnen, Ehefrauen und Mütter nicht mehr klaglos hin. Seit der Verkündung gärt es in Russland.

Kampf gegen Putin: Russlands Sicherheitskräfte gehen hart gegen Regimekritiker vor. Hier führt die Polizei eine Frau ab.
Kampf gegen Putin: Russlands Sicherheitskräfte gehen hart gegen Regimekritiker vor. © Uncredited/dpa

Russland-Experten beobachten das Treiben mit Interesse. Noch halten viele die Bewegung für sehr schwach. Doch Sozialforscher Jan Surman erkennt durchaus eine wichtige Komponente. Derzeit entstehe in Russland „etwas Neues, ein zunehmendes Zusammenrücken unter den regimekritischen russischen Frauen“, sagte der Wissenschaftler von der Universität Prag dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Denn es zeichne sich ab, dass nun verschiedene Strömungen zusammenrückten.

Proteste in Russland: Feministinnen wie Pussy Riot verbinden sich mit einfachen Soldatenmüttern

Bislang gab es in Russland nur eine vergleichsweise kleine Gruppe, die sich ein Aufbegehren gegen den Kreml traute. Das waren feministische Gruppierungen wie etwa die Frauenrechtlerinnen von Pussy Riot, die trotz Drangsalierungen das Wort ergriffen. Doch nun melden sich auch zunehmend die anderen zu Wort, Soldatenmütter etwa, denen das Auftreten der russischen Feministinnen bislang zu schrill vorkam.

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„Es tut sich etwas“, sagte auch die Präsidentin der Organisation „Friedensfrauen weltweit“, Ruth-Gaby Vermot, kürzlich dem Südwestrundfunk. Viele junge Frauen seien in den sozialen Netzwerken vernetzt. Und gerade dort sei durchaus so etwas wie ein Aufruhr festzustellen, fügte sie hinzu.

Für Putin kann das durchaus gefährlich werden. Kredit hat er bei russischen Frauen nicht. Putin selbst inszenierte sich viele Jahre als Macho, rannte mit freiem Oberkörper herum. Förderung der Gleichberechtigung? Ist im Kreml seit Jahrzehnten ein Fremdwort. Zuletzt rief er stattdessen eine Geburtenprämie aus. Für das zehnte Kind, das eine Frau zur Welt bringt, will der Staat 18.000 Euro springen lassen. Und nun schreckt nicht dafür zurück, die Frauenproteste durch seine Schergen niederprügeln zu lassen. Gut möglich, dass Wladimir Putin allmählich den Bogen überspannt.

Putsch gegen Putin: Im Inlandsgeheimdienst FSB soll die Unzufriedenheit groß sein

Doch am Ende bleibt vieles im Spekulativen. Seit Monaten wird über einen Putsch gegen Putin geraunt. Vor allem im Inlandsgeheimdienst FSB soll die Wut und Unzufriedenheit mit Putin wachsen. Doch geschehen ist bislang nichts – trotz vieler Rückschläge im Ukraine-Krieg. Dennoch gibt es auch ein warnendes Beispiel. Schon einmal in der Geschichte unterschätzten die Machthaber im Kreml die Kraft der Soldatenmütter. Ende der 1970er Jahre rebellierten sie gegen den Afghanistan-Feldzug. Als Moskau die Truppen vom Hindukusch abzog, war das der Anfang vom Ende der Sowjetunion.

  

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